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Schuldenkrise: Spanien kann Defizitziel erreichen

Vielleicht kann Spanien seine Vorgaben beim Abbau der Neuverschuldung doch noch erfüllen. Dies wird maßgeblich davon abhängen, ob die EU die Milliarden-Hilfen für marode Banken auf das Defizit anrechnet oder nicht.

Griechenland: Die Lohnstückkosten sinken

Stillstand in Griechenland? Nicht ganz. Bei der Sanierung der Staatsfinanzen hat Athen durchaus Erfolge vorzuweisen: Um sechs Prozentpunkte vom Bruttoinlandsprodukt wurde das Haushaltssaldo in nur zwei Jahren verbessert. Eine solche Konsolidierungsleistung hat kein anderes Euro-Land geschafft. Und im ersten Halbjahr liegt Griechenland beim Defizitabbau sogar vor dem Plan. Auch dem Ziel, seine Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern, kommt das Land näher: Die Lohnstückkosten sind seit 2009 rückläufig. Aber bei den Strukturreformen, die für eine international konkurrenzfähige Wirtschaft zumindest ebenso bedeutend sind, bleibt noch viel zu tun.

Neue Hoffnung für das von der Finanzkrise geplagte Spanien: Die viertgrößte Wirtschaftsmacht der Euro-Zone kann nach Einschätzung der EU-Kommission ihr Defizitziel in diesem Jahr noch erreichen. „Das ist machbar“, sagte EU-Währungskommissar Olli Rehn am Montag nach einem Treffen mit dem spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy und Wirtschaftsminister Luis de Guindos in Madrid. Spanien hatte sich bei der EU dazu verpflichtet, in diesem Jahr seine Neuverschuldung auf 6,3 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) zu reduzieren. Finanzminister Cristóbal Montoro räumte am Samstag jedoch ein, dass das Defizit aufgrund der Milliarden-Hilfen für marode Banken voraussichtlich 7,4 Prozent betragen werde.

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Die spanische Arbeitsmarktreform

  • Geringere Abfindungen

    Wenn einem Angestellten in Spanien grundlos gekündigt wurde, musste sein Arbeitgeber ihm bisher 45 Tageslöhne pro Jahr im Unternehmen zahlen. Die regierende Partei hat diese Abfindung nun auf 33 Tageslöhne reduziert und zudem eine Höchstdauer von 24 Monaten festgelegt - bisher waren es 42 Monate.

  • Flexiblere Kündigungen

    Die Regierung unter Ministerpräsident Mariano Rajoy will mit der Arbeitsmarktreform Unternehmen dazu animieren, Menschen einzustellen. Daher erleichtern die neuen Regeln auch Kündigungen. Sobald sie nachweisen, dass ihre Einnahmen über drei Quartale hinweg gesunken sind, können Unternehmen ihren Angestellten betriebsbedingt kündigen. Die Abfindung beträgt in diesem Fall nur 20 Tageslöhne pro gearbeitetem Jahr, die Obergrenze liegt bei zwölf Monatsgehältern. 

  • Lockere Tarifverträge

    Auch das Gehalt der Arbeitnehmer soll variabler werden. Unternehmen können in Absprache mit den Mitarbeitern Löhne und Arbeitszeiten individuell vereinbaren - ohne sich an die geltenden Tarifverträge halten zu müssen.

  • Bonus für junge Angestellte

    Weil in Spanien besonders viele junge Menschen arbeitslos sind, zahlt der Staat Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern eine Prämie. Pro eingestelltem 16-30-Jährigen gibt es bis zu 3300 Euro, für Frauen im gleichen Alter bekommt die Firma sogar bis zu 3600 Euro. 

  • Bonus für alte Angestellte

    Besonders betroffen von der schlechten Wirtschaftslage sind auch die älteren Arbeitslosen. Die Regierung zahlt daher jedem Unternehmen, das einen über 45-jährigen Spanier einstellt, bis zu 3900 Euro (für Frauen bis zu 4500 Euro). Der neue Mitarbeiter muss in den 18 Monaten vor Vertragsbeginn jedoch mindestens zwölf Monate arbeitslos gewesen sein. 

  • Zeitverträge mit Limit

    Spanien gehört zu den EU-Ländern mit den meisten Zeitverträgen. Nach der Arbeitsmarktreform müssen befristete Verträge nun jedoch nach maximal zwei Jahren in unbefristete umgewandelt werden. 

Rehn betonte, es stehe noch nicht fest, wie Spaniens Ausgaben für die Banken-Hilfen von der EU bewertet würden. Es sei nicht ausgeschlossen, dass die Hilfen als ein „externes Defizit“ eingestuft und auf die normale Neuverschuldung nicht angerechnet würden. Die EU-Statistikbehörde Eurostat, die für die Festlegung der Haushaltsdefizite zuständig sei, habe darüber noch nicht entschieden. Der EU-Kommissar würdigte, dass Spanien bei der Sanierung maroder Banken große Fortschritte gemacht habe. Auch die Finanzmärkte nahmen den spanischen Banken-Stresstest positiv auf: Der deutsche Leitindex Dax startete am Montag mit Gewinnen in die Handelswoche. Auch am Anleihemarkt stieg das Vertrauen der Anleger - die Renditen für spanische Papiere gaben zum Handelsauftakt nach.

Unklarheit über Renten bis 21. Oktober

Allerdings bleibt die Unsicherheit hoch. Solange die Regierung in Madrid keine Klarheit über einen neuen Hilfsantrag schafft, dürfte die Skepsis anhalten. Schlechte Nachrichten drohten auch von der Ratingagentur Moody's: Nachdem die Agentur Spaniens Bonitätsnote im Juni bis auf eine Stufe über das gefürchtete Ramsch-Niveau gesenkt hatte, stellte sie bis Ende September eine weitere Abstufung in Aussicht. Nun wartet der Markt auf das Urteil, mit dem viele Händler bereits am vorigen Freitag gerechnet hatten. Allerdings galt es nicht mehr als ausgeschlossen, dass der befürchtete Schlag für Spanien ausbleiben könnte.

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Die spanische Regierung geriet wegen angeblicher Unklarheiten bei der Finanzierung der Renten in die Kritik. Nach der geltenden Gesetzgebung müssen die Renten alljährlich um den Wert der Inflationsrate angehoben werden, damit die Kaufkraft gewahrt bleibt. Wie die Zeitung „El País“ berichtete, würde dies für das Jahr 2013 zusätzliche Ausgaben in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bedeuten. Infolge der Erhöhung der Mehrwertsteuer war die Inflationsrate zuletzt im September auf 3,5 Prozent gestiegen. „Eine Anhebung der Renten um diesen Wert ist nicht finanzierbar“, schreibt das Blatt. Im Haushaltsentwurf der Regierung für 2013 seien dafür keine Gelder vorgesehen. Die Opposition der Sozialisten und die großen Gewerkschaftsverbände hielten Rajoy vor, die Rentner aus wahltaktischen Gründen bis zu den Regionalwahlen am 21. Oktober in Galicien und dem Baskenland gezielt im Unklaren zu lassen.

3 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 02.10.2012, 09:43 Uhrklaus

    Alles Traumtänzerei wenn man berücksichtig wie die Bankenhilfe berechnet wurde. Siehe unter (http://www.zerohedge.com/news/2012-09-28/how-oliver-wyman-manipulated-spanish-bank-bailout-analysis)

  • 01.10.2012, 17:25 UhrOtto

    das sind alles nur leere Worte, wer schon merhmals in Spanien war, der weis, das dieses Land unter den Rettungsschirm muss. Hier sind keine Reformen zu erkennen u. das Land bekommt einfach die zuviel gebauten Immobilien nicht mehr los. Das Land hat einfach in der Vergangenheit zuviel gezockt. Jetzt muss endlich fleißig gespart werden u. vor allen die Beamten müssen stark reduziert u. die Gehälter müssen niedriger gestaltet werden. Auch die Jugendarbeitslosigkeit muss umgehend bekämpft werden, das sind die wichtigsten Punkte die erreicht werden müssen.

  • 01.10.2012, 16:48 Uhrdie_gute_Tilly

    Was soll denn so ein Blödsinn??? Also kann Spanien sein Defizitziel NICHT erreichen, denn die Anrechnung der Bankenrekapitalisierung muß dem Defizit zugerechnet werden. Ansonsten ist es wieder eine "politische" Rechnung, damit den euromanen EUliten nicht die Feierlaune verdorben wird.
    Ein Affentheater das alles. So wird Europa vor die Hunde gehen mit dieser Kunstwährung, die nur Probleme schafft!

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