Schuldenkrise: Spanien steuert in eine Zwei-Klassengesellschaft

Schuldenkrise: Spanien steuert in eine Zwei-Klassengesellschaft

Spanien erholt sich wirtschaftlich nur langsam. Es gibt allerdings noch ein anderes Problem: Die seit 2008 andauernde Liquiditätskrise der Wirtschaft hat das Problem der Zwei-Klassengesellschaft verschärft.

Von spanischer Lebensfreude ist bei Marta Bermejo kaum etwas zu spüren. Die Madrilenin hat 2012 ihren festen Arbeitsplatz bei einem privaten Krankenversicherer verloren und seitdem lebt sie wieder bei ihren Eltern. Sie ist 43 Jahre alt, geschieden. Ihr Sohn Victor ist 7 Jahre alt. Die junge Familie hat in den vergangenen zwei Jahren enorm und mit unglaublicher Geschwindigkeit an Lebensqualität verloren: “Ich hatte vorher eine große Wohnung im Zentrum von Madrid, die jetzt wieder der Bank gehört, weil ich die Hypothek nicht mehr bezahlen konnte. Jetzt lebe ich außerhalb der Stadt, in meinem alten Zimmer.”

Wenn sie den Namen Angela Merkel hört, dann hat sie gemischte Gefühle: “Irgendwie sind wir doch als Land völlig ferngesteuert seit der von den Deutschen mitgetragenen Bankenrettung im Sommer 2012.” Deswegen weiß sie auch nicht, was sie von dem Besuch von “Mutti” in Spanien halten soll.
Das letzte Mal war die deutsche Kanzlerin im September 2012 in Madrid, kurz nachdem die EU für die Bankensanierung in Spanien eine Kredithilfe von bis zu 100 Milliarden Euro zugesagt hatte. Damals lächelte Merkel sympathisch in die Kameras, versuchte angesichts der Stimmung gegen Deutschland und der Angst in der spanischen Bevölkerung vor den Konsequenzen gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
In den vergangenen zwei Jahren hat Spanien alle Reformen gemacht, die Brüssel seitdem aufgetragen hat: Haushaltsdefizit von zehn auf rund sechs Prozent runter, Mehrwertsteuer auf 21 Prozent angehoben, Rentensystem modernisiert und den Kündigungsschutz gelockert. Während Rajoy nicht müde wird von einer Besserung der Wirtschaftskonjunktur zu sprechen, sind die meisten Spanier jedoch heute nicht weniger ängstlich als vor zwei Jahren.
Sie haben den Eindruck, in einem Land der zwei Geschwindigkeiten zu leben, während ihre Regierungschef und Angela Merkel wie ein Tandem wirken, das komplett an der Gesellschaft vorbeifährt. “Es scheint, wie als würden die Politiker in einer anderen Welt leben und gar nicht mehr mitkriegen, was die wirklichen Probleme eines Landes sind”, sagt Bermejo.

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Schuldenkrise Was Spanien wirklich zugrunde richtet

Spanien leidet nicht unter zu hohen Löhnen, der Immobilienkrise oder dem unflexiblen Arbeitsmarkt - sondern an krimineller Energie, die selbst bei der Elite zu finden ist.

Quelle: AP

Zusammen laufen heute die beiden wanderfreudigen Politiker über sechs Kilometer des bei den Deutschen so beliebten Jakobsweg. Sie verstehen sich offensichtlich gut, auch hinter der Kamera. Halt machen sie auch in dem malerischen Ort Santiago de Compostela. Morgen wird dann verhandelt, über anstehende Posten für Rajoys Parteikollegen in Europa zum Beispiel. Auch wenn beide den Eindruck erwecken wollen, sie seien im Urlaub, ist nichts bei diesem Treffen zufällig. Galizien ist die Heimat von Mariano Rajoy, der in seinem Land wenig beliebt ist und diese harmonischen Szenen vor laufenden Kameras mit “Mutti”, auf seinem Terrain, sehr gut gebrauchen kann. Denn die Gefühle vieler Spanier bezüglich Deutschland und der Beziehung der spanischen Regierung zu Europa sind weiterhin gemischt.

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