Schuldenkrise: Spaniens Arbeitsmarkt profitiert von der Sonne

Schuldenkrise: Spaniens Arbeitsmarkt profitiert von der Sonne

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Sonnenschein, tolle Strände und eine vergleichsweise kurze Anreise mit dem Flugzeug: Mallorca ist die beliebteste Ferieninsel der Deutschen. Davon profitiert auch der spanische Arbeitsmarkt.

von Tim Rahmann

Die Zahl der Arbeitslosen ist in Spanien im zweiten Quartal etwas gesunken und liegt nun wieder unter der Sechs-Millionen-Marke. Das liegt weniger an der Reformpolitik, als am Wetter und den Touristen.

Die Temperaturen steigen, die Arbeitslosenzahlen gehen zurück: Die Zahl der Jobsuchenden in Spanien ist im zweiten Quartal gesunken und liegt nun wieder unter der Sechs-Millionen-Marke. Wie das nationale Statistikamt am Donnerstag mitteilte, fiel die Arbeitslosenquote zwischen April und Juni um 0,9 Prozentpunkte auf 26,26 Prozent. Insgesamt waren Ende Juni demnach 5,87 Millionen Spanier ohne Job. Das waren 225.200 weniger als im Quartal zuvor. Im ersten Quartal 2013 hatte die Arbeitslosigkeit bei einem Rekordwert von 27,16 Prozent gelegen.

Die spanische Regierung gibt sich optimistisch, dass ihre Strukturreformen und Sparmaßnahmen allmählich Wirkung zeigen. Die spanische Zentralbank hatte kürzlich mitgeteilt, dass die Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal in geringerem Umfang geschrumpft sei als in den Quartalen zuvor. Ab dem dritten Quartal könnte sich ein Wachstum einstellen. Wer genau hinschaut, erkennt aber, dass nicht Spaniens Politik für den Aufschwung am Arbeitsmarkt verantwortlich ist, sondern das gute Wetter, das Millionen von Touristen anzieht.

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Mehr als 26 Millionen Urlauber kamen bereits von Januar bis Juni nach Spanien. Ein Plus im Vergleich zum Vorjahr von vier Prozent. 4,3 Millionen davon waren Deutsche (16 Prozent). Rang zwei hinter den Briten, die beinahe jeden vierten Touristen stellen. Auch Russen und Skandinavier verbringen ihren Urlaub zunehmend an der Costa Brava, auf den Balearen, den Kanarischen Inseln oder an der Costa del Sol. Einzig Mallorca bleibt fest in deutscher Hand. 40 Prozent aller Gäste haben einen deutschen Pass.

Setzt sich der Besucheransturm aus dem ersten Halbjahr fort, kann sich Spanien auf ein Superjahr freuen und den bisherigen Besucherrekord von 2007 mit knapp 59 Millionen ausländischen Gästen knacken. Die Chancen stehen gut: Die Belegungsrate der Hotels liegt im Juli und August seit Jahren zwischen 80 und 90 Prozent. In diesem Jahr seien bereits Anfang Juli 80 Prozent der Hotelbetten auf der gesamten Insel gebucht gewesen, teilte der Hoteliersverband Fehm mit. Die Zahl könne sich mit den erwarteten kurzfristigen Buchungen bis auf 100 Prozent erhöhen. Damit sei Mallorca in diesem Sommer das beliebteste Ferienziel am Mittelmeer.

Davon profitiert freilich auch der krisengeplagte Staat. Schließlich gehört der Tourismus zu den wichtigsten Einnahmequellen und macht fast zehn Prozent des nationalen Bruttoinlandsproduktes aus. Auch auf dem Arbeitsmarkt sind die Folgen zu spüren. Die Arbeitslosenzahl ging bereits seit vier Monaten in Folge zurück. Bei den Jugendlichen und jungen Erwachsenen unter 25 Jahren sank sie im Juni gar um 7,4 Prozent. Der Grund: Das Heißlaufen der Reisesaison.

Krise und Arbeitslosigkeit in Spanien

  • Die Zahlen

    Spanien hat mit 22,4 Prozent die höchste Arbeitslosenquote in der Europäischen Union. Bei Jugendlichen unter 25 Jahren lag sie im Jahresdurchschnitt 2011 bei 46,4 Prozent, im ersten Quartal 2012 stieg sie schon auf 52,1 Prozent - ebenfalls ein Negativ-Rekord in der EU. Von den im Mai registrierten 3,3 Millionen arbeitslosen Jugendlichen in der Eurozone lebten 921 000 in Spanien.

  • Die Jugend, das Hauptopfer

    Die spanischen Jugendlichen sind Hauptopfer des schrumpfenden Arbeitsmarktes. In Zeiten wirtschaftlicher Krise bevorzugen die Unternehmen bei Einstellungen hochgebildete Fachkräfte mit viel Erfahrung. Für viele Jugendlichen unter 25 Jahren bleibt als einzige Alternative die Zeitarbeit. Mehr als 57 Prozent der erwerbstätigen spanischen Jugendlichen haben - oft schlecht bezahlte - Zeitverträge.

  • Die Ursachen der Arbeitslosigkeit

    Als wichtigste Ursachen der hohen Jugendarbeitslosenquote in Spanien gelten ein früher Schulabbruch und das große Ungleichgewicht zwischen Nachfrage und Angebot am Arbeitsmarkt. Vor allem bei Jugendlichen mit Hochschulabschluss ist das Angebot unverhältnismäßig groß und die Arbeitslosenquote im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern hoch. Als weiteren Faktor nennen Experten die geringe Effektivität der Beschäftigungspolitik.

  • Die Regierung versucht, gegenzusteuern

    Die spanische Regierung hat im Februar eine Arbeitsmarktreform beschlossen, die Steuervergünstigungen für jene kleinen und mittleren Unternehmen vorsieht, die jugendliche Arbeitslose unter 30 Jahren einstellen. Der Vertrag enthält allerdings eine Probezeit von einem Jahr, in der die jugendlichen Arbeitnehmer ohne Abfindung entlassen werden können.

Allerdings sind viele Jobs in dieser Branche nur zeitlich begrenzt. Die Statistik der Beschäftigten entwickelte sich daher auch weniger positiv als die der Arbeitslosen. Nach Angaben des Ministeriums stieg die Zahl der Beschäftigten, die Abgaben an die staatliche Sozialversicherung zahlen, im Juni nur um knapp 27.000. Sobald die Sonne und damit auch die Touristen in großer Zahl verschwinden, dürfte die Zahl wieder sinken.

Dass der Besucheransturm schön und wichtig für Spanien ist, die wirtschaftliche Not der Bürger und des Staates aber nicht lösen werden, wissen die Einheimischen ganz genau. Sie sind daher auch selbst nur bedingt in Urlaubslaune. Das heimische Reisegeschäft schrumpft seit Jahren. Laut dem „Tagesspiegel“ bleibt in diesem Jahr jede zweite spanische Familie in den Ferien zu Hause.

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