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Kommentar Schuldenkrise: Stoppt die Euro-Katastrophe!

von Malte Fischer

Die EZB und die Euro-Regierungen schicken sich an, die Währungsunion endgültig in eine Inflations- und Transferunion zu verwandeln. Nur die Bundesbank leistet noch Widerstand. Sie sollte das Euro-Elend beenden.

Platz 27: Polen

Am meisten von den Transferleistungen der EU hat in jüngster Vergangenheit Polen profitiert. 6,2 Milliarden Euro mehr flossen 2009 nach Warschau, als das Land nach Brüssel überwiesen hat. 2010 waren es gar über acht Milliarden Euro. Fast zwei Drittel dieser Summe zahlte die Europäische Union Polen als Subventionen für die Landwirtschaft und Fischerei und für Infrastrukturprojekte.

Bild: dpa

Es war der Paukenschlag, auf den die Märkte lange gewartet hatten. Am vergangenen Donnerstag gab Mario Draghi, der Chef der EZB, dem Euro die Überlebensgarantie. "Die EZB wird alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten", sagte Draghi auf einer Konferenz in London. "Und glauben Sie mir, es wird ausreichen", schob er hinterher.

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Kaum hatten die Agenturen Draghis Statement in die Handelssäle rund um den Globus gefunkt, schossen Dax, Euro und die Kurse der Staatsanleihen der Euro-Krisenländer in die Höhe.

Wie die Junkies, die sich auf die nächste Fuhre Stoff des Dealers freuen, feierten die euphorisierten Börsianer Party.

Die Chronik der Schuldenkrise

  • 10. Mai 2010

    Um die Schuldenkrise einzudämmen, spannen die Finanzminister und der IWF einen Rettungsschirm (EFSF) für pleitebedrohte Euro-Mitglieder. Insgesamt 750 Milliarden Euro sollen im Notfall fließen. Der damalige Kanzleramtsminister Thomas de Maizière resümiert, jetzt komme „Ruhe in den Karton“.

  • 21. November 2010

    Als erstes EU-Land schlüpft Irland unter den EFSF. Europäer und IWF schnüren ein Hilfspaket von 85 Milliarden Euro. EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy hält Sorgen vor einem Überschwappen auf Portugal für unbegründet: „Gerede über eine Ansteckung hat keine wirtschaftliche oder rationelle Grundlage.“

  • 8. April 2011

    Nach einem Hilferuf aus Lissabon setzt die EU ein Rettungspaket für Portugal in Gang. Höhe: Rund 80 Milliarden Euro. Schäuble sieht die Gefahr einer Ausbreitung der Krise zunächst als gebannt an: „Die Ansteckungsgefahr ist geringer geworden.“

  • 20. Juni 2011

    Die EU-Finanzminister beschließen eine Ausweitung des EFSF. Deutschlands Anteil steigt von 123 auf 211 Milliarden Euro. Damit bis zu 440 Milliarden Euro an Krediten gezahlt werden können, müssen die Euro-Länder ihre Garantien auf 780 Milliarden Euro erhöhen. Merkel verteidigt das: „Scheitert der Euro, scheitert Europa.“

  • 23. Juni 2011

    Athen beantragt ein zweites Hilfspaket. Es beläuft sich schließlich auf 159 Milliarden Euro. Erstmals beteiligen sich auch private Gläubiger Athens, ihr Anteil beträgt rund 50 Milliarden Euro.

  • 8. August 2011

    Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft nun auch Staatsanleihen von Italien und Spanien auf, um beide Länder zu stützen.

     

  • 23. - 27. Oktober 2011

    Nach einem Doppelgipfel beschließen die Euro-Länder das bislang dickste Paket zur Eindämmung der Krise: Griechenlands Schulden werden um 50 Prozent gekappt. Das im Juli beschlossene 109-Milliarden-Programm wird modifiziert: Nun soll es zusätzliche öffentliche Hilfen von 100 Milliarden Euro geben, sowie Garantien von 30 Milliarden Euro, mit denen der Schuldenschnitt begleitet wird. Die Schlagkraft der EFSF soll auf rund eine Billion Euro erhöht werden. Zudem müssen Europas Banken ihr Kapital um mehr als 100 Milliarden Euro aufstocken. „Ich bin sehr zufrieden mit den Ergebnissen“, bilanziert Merkel. Und Frankreichs Finanzminister François Baroin sagt erleichtert: „Es gab ein Explosionsrisiko. Das Abkommen von heute Nacht ist eine freundschaftliche, globale und glaubwürdige Antwort.“

  • 8. November 2011

    Silvio Berlusconi steht vor dem Aus. Bei der Abstimmung über den Rechenschaftsbericht 2010 verfehlt er im italienischen Parlament die absolute Mehrheit. Am Abend kündigt er seinen Rücktritt an. Zuvor sollen aber noch die Brüssel zugesagten Reformen beschlossen werden.

  • 9. November 2011

    Griechenlands Regierungschef Giorgos Papandreou kündigt in Athen seinen Rücktritt an.

  • 09. Dezember 2011

    Nahezu alle Mitgliedstaaten einigen sich beim EU-Gipfel in Brüssel nach zähen Verhandlungen auf eine Fiskalunion. Großbritannien steht im Abseits. Eine Spaltung der EU wird abgewendet.

  • 14. März 2012

    Die Eurogruppe gibt ein zweites Griechenland-Paket frei. Der IWF beteiligt sich daran mit 28 Milliarden Euro.

  • 09. Juni 2012

    Spaniens Regierung kündigt an, zur Sanierung der maroden Banken ein Rettungspaket "light" zu beantragen. Die Eurogruppe sagt Madrid bis zu 100 Milliarden Euro zu.

  • 25. Juni 2012

    Nach langem Zögern flüchten Spanien und auch Zypern unter den Euro-Rettungsschirm. Der Finanzierungsbedarf beider Länder zur Rekapitalisierung ihres Bankensektors ist noch unklar.

  • 12. September 2012

    Das deutsche Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe genehmigt den ESM-Rettungsschirm unter Vorbehalten. Die Bedingung: Es müsse sichergestellt werden, dass die Haftung Deutschlands auf die vereinbarten 190 Milliarden Euro beschränkt bleibe. Ohne erneute Zustimmung Deutschlands - und damit des Bundestags - dürfen keine höheren Zahlungsverpflichtungen begründet werden. Damit kann Deutschland dem permanenten Euro-Rettungsschirm ESM beitreten. Bis zur Entscheidung aus Karlsruhe hatte Deutschland bislang als einziges Euro-Land den Vertrag über den „Europäischen Stabilitätsmechanismus“ ESM noch nicht ratifiziert. Erst mit der Beteiligung des größten Mitgliedsstaats kann der Rettungsschirm in Kraft treten.

Draghi als Schutzpatron des Euros

Nun setzen sie darauf, dass Europas oberster Währungshüter seinen Worten Taten folgen lässt. Ob das schon bei der Ratssitzung der EZB an diesem Donnerstag oder erst im September der Fall sein wird, ist offen. Doch klar ist: Von seiner Ankündigung, den Euro mit Zähnen und Klauen zu verteidigen kommt Draghi nicht mehr herunter.

Dabei werden sich die Märkte mit niedrigeren Leitzinsen nicht zufrieden geben. Sie verlangen mehr - ebenso wie die Regierungen der Krisenländer, allen voran Spanien und Italien. Beide Länder stehen unter Druck.

Anfang vergangener Woche kletterten die Renditen für zehnjährige spanische Staatsanleihen weit über die Marke von sieben Prozent, für italienische Bonds übersprangen sie die Marke von sechs Prozent. Nach Draghis Statement rutschten die Renditen wieder unter diese Marken.

31 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 30.07.2012, 17:47 UhrAsterix

    Erstaunlich, wie sich unsere Journalisten aufregen, wo sie die Anbahnung dieser Katastrophe in den letzten zwei Jahren weitghend wohlwollend begleitet haben. Spätestens mit der Abstimmung zum ESM Ende Juni wurde das Drama, was wir erleben werden besiegelt. Aber unsere ach so "unabhängigen" Medien haben sich mit lieber mit Herrn Wulff beschäftigt (den ich ich weder mag noch sein Verhalten billige) und ihn für vergleichsweise banale "Vergehen" öffentlich geschlachtet. Wenn die Medien sich im Vorfeld mit auch nur annähernd gleicher Vehemenz um das Thema ESM "gekümmert" hätten, wäre die Abstimmung mutmasslich anders gelaufen und uns Einiges erspart geblieben.

  • 30.07.2012, 15:32 Uhrschneeleo

    Die Nordeuro-Zone würde jetzt schon auf 137 Mio Einwohner kommen.

    Treten EU-Länder wie Polen, Dänemark, Schweden und Tschechien aufgrund der stabileren Rahmenbedingungen bei, hätte man annähernd 200 Mio.

  • 30.07.2012, 14:40 Uhrschneeleo

    @Steigenberger

    Sehr gute Einschätzung, besonders

    "Immer nur das Schielen auf Frankreich, welches ja der Partner der
    verschuldeten Südländer ist bringt für die Wahrung der deutschen
    Interessen nichts mehr - eine Allianz mit Nord u. Nordosteuropa ist
    nötig, denn sowohl die Finnen, Niederländer u. Österreicher als auch das Baltikum, Polen u. die Tschechei/-Slowakei wirtschaften solide u. würden zusammen mit Deutschland einen Währungsraum von
    ca. 159 Mio. Einwohnern bilden..."

    teilt auch die Sichtweise von HO Henkel (Nord-/Süd-Euro).

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