Schuldenkrise: Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

Schuldenkrise: Taumelt Europa dem kollektiven Bankrott entgegen?

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Auch wenn die Märkte Deutschland und Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble derzeit noch vertrauen - sie fürchten ein steigendes Risiko und sichern sich ab

von Malte Fischer, Henning Krumrey, Christian Ramthun und Silke Wettach

Deutschland hat sich mit den Hilfspaketen für die Euro-Krisenländer finanziell übernommen. Die Kreditwürdigkeit des Landes steht auf der Kippe. Doch die Lasten für die Rettung der Krisenländer im Süden steigen weiter. Taumelt Europa dem kollektiven Staatsbankrott entgegen?

Erst werden nur die Füße nass. Dann erreicht das Wasser die Flügel. Am Ende steht der Bundesadler bis zur Brust in den Fluten. Wer die Homepage des Münchner ifo Instituts besucht, erfährt ohne Umschweife, wie es um die Aussichten für Deutschlands Staatsfinanzen bestellt ist. Unter dem Icon „Haftungspegel“ listet das Wirtschaftsforschungsinstitut akribisch auf, welche Belastungen Deutschland sich durch die Euro-Rettung bereits aufgehalst hat. Wöchentlich aktualisieren die ifo-Ökonomen den Wasserstand. Danach steht Deutschland derzeit mit mehr als 770 Milliarden Euro für die Krisenländer ein.

Komplett im Wasser

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Der Bundesadler aus München könnte bald komplett im Wasser versinken. Anfang vergangener Woche platzte die amerikanische Ratingagentur Moody’s mit der Nachricht in die sommerliche Ferienruhe, dass Deutschland, die Niederlande und Luxemburg ihr Top-Rating bei der Kreditwürdigkeit demnächst verlieren könnten. Die finanziellen Belastungen durch einen möglichen Euro-Austritt Griechenlands und Rettungspakete für Spanien und Italien seien „unvereinbar“ mit einem stabilen Ausblick für das Aaa-Rating der drei Länder, schrieb Moody’s. „Die Wahrscheinlichkeit ist gestiegen, dass aus den Eventualverbindlichkeiten tatsächliche Belastungen werden, von denen Deutschland den Großteil zu tragen hätte“, begründete die Agentur ihre Entscheidung. Sollten sich die Staatsfinanzen verschlechtern und die Wirtschaftskraft abschwächen, sei das Aaa-Rating Deutschlands nicht mehr zu halten, so Moody’s.

Deutschland, Europas Musterschüler, erdrückt von der Schuldenlast der Rettungspakete für verschwendungssüchtige Krisenländer? Die Warnungen der Kritiker der staatlichen Rettungspakete scheinen sich schneller zu bestätigen als erwartet. Doch die Bundesregierung lässt das bisher kalt. Sie gibt sich betont gelassen. Die Risiken in der Euro-Zone seien nicht neu, heißt es im Bundesfinanzministerium. Moody’s habe die langfristigen Stabilisierungsaussichten übersehen, kritisierte das Haus von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble. Deutschland werde seinen Status als sicherer Hafen daher wahren.

Die Teilnehmer an den Finanzmärkten sehen Deutschlands Lage weniger entspannt. „Das Urteil von Moody’s ist ein Warnsignal, dass sich Deutschland mit der Rettung der Krisenländer finanziell übernommen hat“, sagt Christian Schulz, Ökonom der Berenberg Bank in London. Statt zu sinken, dürften die Lasten bald weiter steigen. Griechenland erweist sich als ein Fass ohne Boden, der Ausstieg aus der Euro-Zone rückt immer näher. In Spanien und Italien laufen die Finanzen auch in den Städten und Provinzen aus dem Ruder. Um die Löcher zu stopfen, müssen die Regierungen in Madrid und Rom noch mehr Schulden machen. An der Börse fordern Anleger daher immer höhere Risikoprämien für die Anleihen beider Länder.

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