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Schuldenkrise: Ungarns Staatsbankrott rückt immer näher

von Silviu Mihai

Nach dem Aus der staatlichen Fluglinie Malév droht eine Kettenreaktion. Da auch die Verhandlungen mit der IWF über Notkredite nicht vorankommen, sieht es für Ungarn immer düsterer aus.

Die ungarische Fluglinie Malév musste am Freitag den Betrieb einstellen. Alle Flugzeuge bleiben seitdem - wie hier auf dem "Liszt Ferenc International Airport Budapest" - auf dem Boden. Quelle: dapd
Die ungarische Fluglinie Malév musste am Freitag den Betrieb einstellen. Alle Flugzeuge bleiben seitdem - wie hier auf dem "Liszt Ferenc International Airport Budapest" - auf dem Boden. Quelle: dapd

Auf dem Flughafen Ferihegy stehen die meisten Laufbänder seit Freitagmorgen still, die Check-In-Schalter bleiben geschlossen, Passagiere und Mitarbeiter sind wütend. Die staatliche Fluggesellschaft Malév hat um sechs Uhr den Betrieb eingestellt. In einer knappen Pressemitteilung hat das Unternehmen über die Insolvenzbeantragung informiert. Laut Angaben des Malév-Vorstandsvorsitzenden János Berényi sind aktuell über 10.000 Fluggäste direkt betroffen, zahlreiche weitere müssen mit dem Ausfall ihrer im Voraus gebuchten Flüge rechnen. Mehr als 2.500 Arbeitnehmer verlieren ihre Stellen.

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Als unmittelbare Ursache für den Konkurs gilt ein Beschluss der EU-Kommission, die Ende Januar Ungarns öffentliche Unterstützung von Malév für einen Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht erklärte. Seit 2003 hatte das Unternehmen rund 300 Millionen Euro an Staatshilfen kassiert. Kurz nach der Entscheidung der Kommission verloren die Geschäftspartner der Gesellschaft ihr Vertrauen und verlangten Vorkasse. Daraufhin stellte die ungarische Regierung Malév als „strategisch wichtiges Unternehmen“ unter Schutz. In einem Radiointerview erklärte der rechtspopulistische Ministerpräsident Viktor Orbán, die EU habe der Firma den Todesstoß gegeben.

Rettungen sind unwahrscheinlich

Für die ungarische Regierung ist der Bankrott der Fluggesellschaft nicht die einzige schlechte Nachricht. Auch die BKV, der Budapester Verkehrsbetrieb, steht kurz vor dem Aus. Der ursprüngliche Plan sah vor, die stark in Verlust geratene Gesellschaft durch die Einführung einer Sondersteuer für Autofahrer zu retten. Doch der Vorschlag scheiterte am entschiedenen „Nein“ des Budapester Oberbürgermeisters István Tarlós, der seine Wähler nicht an die Kasse bitten wollte. Nachdem sich auch die EU und der IWF mit klaren Worten gegen eine weitere Subventionierung der BKV ausgesprochen haben, ist die Zukunft des Unternehmens ungewiss.

Trotz der kämpferischen Stellungnahmen der Regierung ist eine Rettungsaktion angesichts der rechtlichen Bedenken der EU, aber vor allem der finanziellen Probleme Ungarns unwahrscheinlich. Der Schritt würde das Haushaltsdefizit des Landes enorm erhöhen und das würde wiederum ein endgültiges Scheitern der momentan blockierten Verhandlungen über einen 20-Milliarden-Euro-Notkredit. Ungarn kann sich kaum auf dem freien Markt finanzieren, seitdem alle drei US-Ratingagenturen seine Staatsanleihen auf Ramschniveau herabgestuft haben. Nach langem Zögern hat sich Ministerpräsident Orbán im vergangenen November bereit erklärt, bei der EU und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) um Hilfe für sein Land zu bitten.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 06.02.2012, 21:38 UhrAnonymer Benutzer: hanna

    Komisch, was man sich alles einhandeln kann, wenn man als nicht geübte/r Kommentator/in - nur wegen meines Geschlechts, nicht wegen linkskorrekt - einmal äußert. Jemand, der sich für den russischen Zar wähnt, wirft mir "pathologische Wahnvorstellungen" vor. Ein anderer (?) gibt ihm gleich Recht, obwohl der nur einen Nebensatz von mir kommentiert und fordert mich auf, den Ball flach zu halten. Den Ball hat meines Erachtens hier derjenige recht hoch geworfen, der reißerisch vom unaufhaltsamen - inzwischen wurde das Wort in der Überschrift auf "immer" geändert - Bankrott Ungarns sprach. Das hat mich tief getroffen, dass ein Wirtschaftsblatt sich zu einer solchen Behauptung, die meines Wissens noch von niemandem so aufgestellt war, hinreißen lässt. Ich kenne WiWo sonst nicht, weiß auch nicht, in wie weit "die Märkte" auf deren Informationen vertrauen, aber eine solche Aussage könnte u.U. zu einer selbst erfüllenden Prophezeiung mutieren. Ansonsten wollte ich nur aufzeigen, wie viele Fehlinformationen der Beitrag in Detailfragen beinhaltet, und keinesfalls irgendwie große wirtschaftliche Zusammenhänge beleuchten, da ich davon recht wenig verstehe und habe, glaube ich, in meinem Kommentar auch nichts dergleichen versucht.

  • 06.02.2012, 18:55 UhrAnonymer Benutzer: heinz

    Sehr geehrter Mathias. Sehen Sie sich mal das heutige Russland an,betreffend Arbeit,Armut,Altersabsicherung,Korruption.Demokratie u.s.w.ich würde behaupten das es innerhalb der EU (auch wenn nicht alles rund läuft)besser gestellt ist.Nebenbei bemerkt als Beispiel:Ungarn hatte mal 21Zuckerfabriken diese wurden bis auf eine verscherbelt weil man Geld brauchte(vor dem EU-Beitritt)heute muss Ungarn teuer einführen lassen,oder 21% der MOL-Anteile hat man nach Österreich verkauft,Österreich hat diese nach Russland verkauft und nun,obwohl Ungarn finanziell in der Klemme steckt hat man diese Anteile von Russland wieder teuer zurückgekauft,genauso wie damals bei der Fluggesellschaft Malev.Soviel zum Thema Selbstverwaltung.

  • 06.02.2012, 17:59 UhrAnonymer Benutzer: mathias

    @heinz
    Ich hatte mit Deutschen die in Ungarn irgend etwas regeln-helfen
    wolten (wollen) zu tun.
    Sie scheinen mir auch einer von denen zu sein,die von Ungarn und seinen Problemen von Gestern und Heute keine Ahnung haben.

    Das Ungarn der Eurozone angehört, hat niemand geschrieben.

    Ungarn wurde in die EU aufgenommen um:
    -freien Luftraum zu erhalten für die Bomber richtung Serbien
    (Partisanen)
    -Seiner landwirtschaftl. Güter zu berauben

    Ich glaube Sie sollten den Ball flach halten.

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