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Kommentar Schuldenkrise: Warum Europa eine Maggie Thatcher braucht

von Steen Jakobsen

Wahlen in Europa geraten immer mehr zum Protest gegen die Regierung, die Bestimmung einer neuen Politik gerät zur Nebensache. Bei der Wahl von Maggie Thatcher 1979 war das anders. Ein Gastkommentar.

Lady Margaret Thatcher Quelle: REUTERS
Lady Margaret Thatcher ging aus den Wahlen 1979 als Siegerin hervor und war bis 1990 britische Premierministerin Quelle: REUTERS

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Ich werde oft – vor allem in Frankreich – damit zitiert, dass Europa eine neue Margaret Thatcher braucht. Dass ich mich auf die ehemalige britische Premierministerien beziehe, hat jedoch weniger damit zu tun, dass ich ihre Politik befürworte, sondern vielmehr damit, dass wir – seit die Eiserne Lady im Mai 1979 gewählt wurde – nirgendwo in Europa ein wirkliches Wählermandat für echten Wandel erlebt haben wie seinerzeit in Großbritannien.

Die letzten Wahlen in Dänemark, Spanien, Finnland und Großbritannien waren nur ein Ausdruck des Protests gegen die amtierenden Regierungen – es ging nicht um echte Reformen. Und auch aus den Wahlen in Frankreich, Griechenland und den Niederlanden werden wohl diejenigen siegreich hervorgehen, die ihre Pro-EU-Haltung verleugnen. Es geht also weiter mit dem Wählerprotest, wobei EU-Themen die nationale Politik weiterhin beherrschen. Der Wähler ist einfach gegen diejenigen, die jeweils die politische Macht innehaben. Was er genau will, ist weiterhin unklar.

Steen Jakobsen ist Chefökonom der Saxo Bank Quelle: Pressebild
Steen Jakobsen ist Chefökonom der Saxo Bank Quelle: Pressebild

Mit offenen Diskussionen gegen die Krise

Im Gegensatz dazu haben die Wähler von damals Margaret Thatcher ein klares Mandat erteilt, das die Premierministerin dann auch erfüllte. Weitreichende Reformen haben das Leben vieler Briten von Grund auf verändert. Und genau darum geht es: Wir brauchen keine Neuauflage des Thatcherismus, obwohl uns eine „Lady mit Handtasche“ und ein Gegengewicht zur strikten Disziplin unter deutscher Führung sicher gut tun würde.

Lehre 1: Der Kandidat mit dem meisten Geld gewinnt

Die Entwicklung ist nicht neu, nimmt aber an Dramatik zu: Die US-Wahlen werden mehr denn je danach entschieden, welcher Kandidat mehr Geld in den Wahlkampf pumpt. Multi-Millionär Mitt Romney hatte im US-Vorwahlkampf der Republikaner das mit Abstand meiste Geld zur Verfügung. Er sammelte bis Ende Februar rund 157 Millionen US-Dollar an Spenden ein. Rick Santorum kam nur auf rund 15,6 Millionen US-Dollar. Mit Anti-Santorum-Spots grub Romney seinem härtesten Widersacher mehr und mehr das Wasser ab – und zwang ihn so zur Aufgabe.

Schon jetzt steht fest: Der nun beginnende US-Präsidentschaftswahlkampf wird der teuerste aller Zeiten werden. Allein Amtsinhaber Barack Obama hofft auf eine Milliarde Dollar an direkten Wahlspenden, das wären 250 Millionen Dollar mehr als noch vor vier Jahren. Mitt Romney dürfte eine ähnliche Summe aufbringen.

Bild: dapd

Ich weiß, dass Deutschland seine politische Führungsrolle in Europa gezwungenermaßen übernommen hat, dabei mit aller Behutsamkeit vorgeht und alles daran setzt, nicht mit in den EU-Sumpf gezogen zu werden. Und da sind wir auch schon beim nächsten Punkt: Warum ist die Debatte so flau und zurückhaltend, und warum haben wir so viel Angst zu widersprechen? Nur durch offene Diskussion können wir diese gewaltige Schuldenkrise überwinden, die zwar im Prinzip beherrschbar ist, aber mit jedem Quartal, das wir mit politischen Illusionen à la „Extend and Pretend“ vergeuden, immer weiter aus dem Ruder läuft.

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9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 03.05.2012, 14:39 UhrWahrheit29

    Na ja, Maggie hat die englische Industrie ausgerottet und das Einkommen der Insulaner primär auf die Finanzindustrie umgestellt. Ich glaube nicht, daß das jemand im restlichen Europa will.

  • 03.05.2012, 09:35 UhrJoker1

    @Wegweiser
    Stimme Ihnen in Kern zu.
    Nur: Die Briten waren grundsätzlich schon immer im Herzen gegen ein
    vereintes Europa, bzw. für ein Europa zu Ihren Bedingungen, d.h.
    nichts zahlen und aus den Töpfen abkassieren.
    Die Deutschen Politiker hätten dem Euro zu den realisierten
    Bedingungen nie zustimmen dürfen und bei der Wiedervereinigung bzw.
    kurz danach wurden auch gravierende Stockfehler gemacht. Teils aus
    Naivität, teils aus Kalkül, weil man richtig Geld machen konnte.
    Die Politkaste hat Ihren Bimbesquellen ungeahnte Geldtöpfe auf-
    gemacht und sich geradezu stümperhaft bzw. halbseiden (teilkriminell) verhalten.

  • 03.05.2012, 06:32 UhrWegweiser

    Maggy Thatcher hat aber immer wieder die Interesse ihres eigenen Landes gegenüber der EU vertreten, was man leider nicht von den deutschen Politikern behaupten kann.

    Hätten wir also eine Maggy Thatcher in Deutschland gehabt, so gäbe es heute sicherlich keinen Euro. Auch die ökonomisch-finanziellen Transferleistungen für die neuen Bundesländer wären äußerst bescheiden geblieben (Wie wollen Sie dies bezahlen, woher wollen Sie das Geld dafür nehmen? Das bezahlen wir aus der Portokasse).

    Insofern wäre unsere eigene finanzielle Situation tatsächlich besser.

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