Schuldenkrise: Warum geht Griechenland nie das Geld aus?

Schuldenkrise: Warum geht Griechenland nie das Geld aus?

von Anne Kunz

Die griechische Haushaltsführung ist auf eine ganz eigene Weise bewundernswert. Seit August dieses Jahres schon verzögert sich die Auszahlung der von EU und Internationalem Währungsfonds versprochenen Hilfstranche von 31,5 Milliarden Euro, weil das Land mal wieder seine Reformvorgaben verfehlt. Seit vier Monaten müsste die Regierung in Athen pleite sein. Doch obwohl sie kein frisches Geld bekommen, halten die Hellenen durch. Wie geht das?

Die Rettung in der Not bedeuten für die Griechen im Moment dreimonatige Anleihen, sogenannte T-Bills. Die verkauft die Regierung in Athen mehr oder weniger direkt an ihre heimischen Banken. Die Institute haben den Staat damit allein im August im Umfang von geschätzt vier Milliarden Euro gestützt. Dabei haben die Banken selbst eigentlich auch nicht die Mittel, um sich die Staatspapiere leisten zu können.

Sie finanzieren die Käufe deshalb über einen Umweg und hinterlegen die T-Bills als Sicherheit für Kredite bei der griechischen Zentralbank – die ihnen dafür auf eigene Rechnung (und eigene Haftung) Geld gibt. Über diesen Kreislauf finanziert also letztlich die eigene Notenbank den Staat. Das ist auf dem Papier strengstens verboten, doch schon seit längerer Zeit gängige Praxis in der Euro-Zone.

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Zukunftsszenarien für Griechenland

  • Szenario 1: Die Rettungspläne funktionieren

    Die Eurogruppe billigt einen Schuldenschnitt, die Banken erlassen dem Land daraufhin 100 Milliarden Euro. Somit gibt es auch grünes Licht für weitere Hilfen der Eurozone in Höhe von insgesamt 130 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) füllt eine Finanzlücke, damit Griechenlands Schuldenstand bis 2020 wie angepeilt sinken kann. Im Gegenzug unterwirft sich Griechenland einer strikten Überwachung der EU und gibt Kompetenzen in der Haushaltspolitik ab. Das Land leidet noch jahrelang unter Einsparungen, innenpolitischer Unruhe und Rückschlägen. Der Weg zu einer Erholung ist lang und mühsam.

  • Szenario 2: Rettung auf Raten

    Die Eurozone will zunächst keine weitere Hilfe zusagen. Problem ist der für 2020 trotz Hilfspaket und Gläubigerverzicht erwartete Schuldenstand von 129 Prozent der Wirtschaftskraft, anstatt der angestrebten 120 Prozent. Der Rettungsplan muss also überdacht werden. Zudem wählen die Griechen im April. Die Euro-Länder wollen das Votum abwarten und mit den dann regierenden Parteien Vereinbarungen über Einsparungen und Reformen treffen, bevor sie weiteres Geld überweisen. Mit restlichen Mitteln aus dem ersten Hilfsprogramm wird ein im März drohender Bankrott vorerst verhindert.

  • Szenario 3: Die Rettung scheitert, Griechenland bleibt aber im Euro

    Nach zwei Jahren Schuldenkrise nimmt die Eurozone einen Kurswechsel vor: Griechenland soll kontrolliert in die Pleite geführt werden, jedoch in der Eurozone bleiben. Nun kommen Milliardenkosten nicht nur auf die privaten Gläubiger, sondern auch auf die EZB zu: Athen ändert per Gesetzesänderung die Haftungsklauseln für seine Staatsanleihen - und erzwingt einen Verzicht. Die EU arbeitet an einem finanziellen und wirtschaftlichen Neustart des Landes, der ebenfalls viel Geld kostet.

  • Szenario 4: Athen geht bankrott und steigt aus dem Euro aus

    Der Rettungsplan scheitert, die Griechen haben zudem Vorschriften und Kontrolle der Euro-Länder satt. Das Land erklärt seinen Bankrott und die Rückkehr zur Drachme. Wirtschaft und Finanzbranche werden über das Land hinaus erschüttert, Firmen und Banken gehen pleite. Die Kaufkraft der Griechen nimmt massiv ab, soziale Unruhen sind die Folge. Mit der Drachme sind griechische Produkte auf dem Weltmarkt zwar billiger, ein positiver Effekt auf die marode Wirtschaft zeigt sich jedoch nur sehr langsam. Die Europäische Union bemüht sich mit Konjunkturprogrammen, den weiteren Absturz des Landes zu mildern.

Die Notenbank nimmt auch Ramschpapiere

Für die griechischen Banken ist die Finanzierung über die Notfallkreditlinie ELA ("Emergency Liquidity Assistance") inzwischen wichtiger als die reguläre Finanzierung über die Europäische Zentralbank (EZB), denn die Anforderungen an Sicherheiten sind für ELA-Kredite deutlich niedriger. Die griechische Notenbank akzeptiert sogar Ramschpapiere, während die EZB seit Juli gar keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheiten annimmt, weil diese von zu schlechter Bonität sind.

Über die griechische Notenbank kommen die Banken des Landes weiterhin an Geld, mit dem sie ihren taumelnden Staat stützen. Zudem dient es ihnen dazu, die Kapitalflucht über das Target-Zahlungssystem der Notenbanken zu finanzieren. Dabei sind die T-Bills nur ein kleiner Teil des verdeckten Hilfspakets. Die griechischen ELA-Kredite haben inzwischen ein Volumen von mehr als 100 Milliarden Euro erreicht. Zum Vergleich: Die EZB stützt griechische Banken derzeit nur noch mit 30 Milliarden Euro.

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