Schuldenkrise: Zeit für die Euro-Wende

KommentarSchuldenkrise: Zeit für die Euro-Wende

von Malte Fischer

Frankreich und Österreich verlieren ihre Top-Bonität, die Verhandlungen zur Umschuldung zwischen Griechenland und den Banken stehen vor dem Scheitern, die Euro-Krise verschärft sich dramatisch. Ist die Währungsunion noch zu retten?

Für die Euro-Rettungspolitiker in Brüssel, Berlin, Rom und Madrid hatte die vergangene Woche eigentlich vielversprechend angefangen. Italien und Spanien gelang es, neue Anleihen bei Investoren zu platzieren und mehr Geld einzusammeln als erwartet. Das hohe Interesse der Anleger an den Bonds der beiden Länder drückte deren Renditen kräftig nach unten. Italien musste für neue einjährige Staatsanleihen nur 2,7 Prozent Zinsen zahlen. Im Dezember hatten die Investoren für Italo-Bonds gleicher Laufzeit noch knapp 6 Prozent verlangt.

Doch dann, kurz vor dem Wochenende, kam es für die Rettungspolitiker knüppeldick. Erst platzten am Freitag die Umschuldungsverhandlungen Griechenlands mit den privaten Gläubigern. Am späten Abend stufte dann die Rating-Agentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit von 9 Euroländern herab, darunter Frankreich und Österreich. Beide Länder verloren ihre Höchstnote AAA und werden jetzt nur noch mit AA+ bewertet. Der Ausblick für beide Länder ist negativ. Italien, Portugal und Spanien stuften die S&P-Ökonomen gleich um zwei Stufen herab.

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Dagegen behielten Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg ihre Top-Noten. Allerdings bewertet S&P nur den Ausblick für Deutschland mit stabil, den anderen drei AAA-Ländern attestiert die Ratingagentur einen negativen Ausblick. Zur Begründung der Entscheidung verwies S&P auf die unzureichende Reaktion der Regierungen auf die Euro-Krise, die der Schwere der Probleme nicht Rechnung trage.

Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet

  • IWF

    Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.

    Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.

  • ESM (Bareinzahlung)

    Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.

    Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.

  • ESM (Bürgschaften)

    Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.

    Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.

  • IWF-Rettungsplan für Griechenland

    Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.

    Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.

  • EU-Rettungsplan für Griechenland

    Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.

    Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.

  • EZB-Staatsanleihenkäufe

    Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.

    Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.

  • Target-Verbindlichkeiten

    Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.

    Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.

  • Gesamt

    Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.

    Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.

Welche Konsequenzen hat die Entscheidung von S&P für die Euro-Zone? An den Märkten flüchteten die Anleger in deutsche Staatsanleihen, die als sicherer Hafen gelten. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen rutschten am Freitag unter die Marke von 1,8 Prozent. Die Zinsen für die Niederlande und Finnland sanken ebenfalls.

Dagegen kletterten die Zinsen für die herabgestuften Länder nach oben. Allerdings blieb das Ausmaß der Zinsänderungen moderat. Das spricht dafür, dass die Märkte mit der Rating-Entscheidung gerechnet und diese in ihre Zinsforderungen eingepreist haben. So muss Frankreich schon seit einiger Zeit um mehr als einen Prozentpunkt höhere Zinsen berappen als Deutschland.

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