Quelle: dapdWie die Ratingagenturen die Staaten bewerten
Die Ratingagentur S&P hat Frankreich die Topnote entzogen, das sogenannte „Triple A“. Bereits im November hatte die Agentur die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft herabgestuft - allerdings nur versehentlich aufgrund eines „technischen Fehlers“.Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Quelle: ReutersÖsterreich hat sein Spitzenrating verloren, jedenfalls wenn es nach S&P geht. Experten bemängeln, die Regierung von Kanzler Werner Faymann spare nicht ausreichend. Zudem ist die österreichische Wirtschaft stark mit der italienischen verwoben. Wenn die Krise im Nachbarland weitergeht, könnte andere Agenturen bald folgen. Moody`s reagierte moderater und senkte nur den Ausblick, ließ aber das Rating erstmal konstant.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Quelle: dpaWie die Ratingagenturen europäische Staaten bewerten
Ungarn: Der Hilferuf kam zu spät. In der vergangenen Woche hatte die ungarische Regierung den Kontakt zur EU-Kommission und zum Internationalen Währungsfonds gesucht. Eine Finanzspritze sollte verhindern, dass die Ratingagenturen das Land abwerten. Genau dies ist nun passiert. Moody's senkte die Bonität Ungarns auf Ramschniveu herab. Der Grund sei die hohe Staatsverschuldung, die bei 73 Prozent des BIPs liegt. Der Ausblick bleibe laut Moody's weiterhin negativ. Für Ungarn wird damit die Aufnahme neuer Kredite wesentlich teurer.
Quelle: dpaPortugal war das zweite europäische Land, das die Ratingegenturen Anfang Juli auf Ramschniveau herabstuften. Zuletzt war es etwas ruhiger um Portugal geworden. Jetzt hat die Ratingagentur Fitch die Bewertung des Landes von "BBB-" auf "BBB+" gesenkt. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Die Ratingagentur rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft nächstes Jahr um drei Prozent schrumpft.
Quelle: dpaDie Ära Silvio Berlusconi ist zu Ende, Mario Monti übernimmt. Doch die Probleme Italiens wachsen weiter. Der italienische Schuldenberg ist der zweitgrößte in Europa. Nur Griechenland hat noch mehr Schulden. Alle drei großen Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft, weitere Negativurteile drohen. An den Anleihemärkten sind die Renditen inzwischen auf Niveaus gestiegen, zu denen sich Italien kaum noch refinanzieren kann.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): A/A2/A-
Quelle: ReutersIn Griechenland ging es nicht nur beim Rating bergab. Auch die Regierung brach wegen der Schuldenkrise ein: Der ehemalige EZB-Stellvertreter Lucas Papademos (Foto) beerbte Giorgos Papandreou als Regierungschef in Griechenland. Die Ratingagenturen haben den Daumen über Griechenland längst gesenkt. Bereits im Juni 2011 stuften sie das Land als erstes aus Europa auf Ramschniveau herab. Mitte März verbesserte Fitch das Rating wieder von C auf B-.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): SD/C/B-
Quelle: dapdPremierminister José Luis Rodriguez Zapatero wird die Sorgenfalten nicht los. Spanien bewertet die Ratingagentur Fitch seit Ende Januar mit A statt AA-minus.
Die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonitätsnote von Spanien bereits im Herbst um zwei Stufen gesenkt, auf "A1". Die Ratingagentur setzte zudem den Ausblick für die Note auf "negativ", in Zukunft sind also weitere Abstufungen möglich. Spanien bleibe in der Krise weiterhin für Marktturbulenzen anfällig, erläuterten die Bonitätswächter. Das Land habe einen großen Finanzierungsbedarf und außerdem hoch verschuldete Banken und Konzerne. Zudem werde ein schwaches Wirtschaftswachstum das Erreichen der ehrgeizigen Sparziele erschweren. S&P hat seine Drohungen wahr gemacht und das Land als eines von neun Euro-Staaten herabgestuft.
Quelle: dpaNach Griechenland und Portugal hatte Moody's im vergangenen Jahr auch Irland auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Diesmal ging es nicht weiter runter. Das Land wird schon seit Juli nur noch mit "Ba1" bewertet und der Ausblick bleibt negativ. Moody's begründete die Herabstufung mit der wachsenden Wahrscheinlichkeit, dass Irland weitere Finanzhilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds benötige, bevor es an die Finanzmärkte zurückkehren könne. Andere Ratingagenturen sahen das allerdings noch anders: Chris Pryce, Kredit-Analyst bei Fitch Ratings, bezeichnete einen Zahlungsausfall Irlands als "sicherlich" unwahrscheinlich. Irland werde "für ein gutes Jahr" keine zusätzlichen Gelder brauchen.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/Ba1/BBB+
Quelle: dpaSchwere Zeiten für Zyperns Präsident Dimitris Christofias: Bei S&P liegt das Land mittlerweile auf Ramsch-Niveau. Bei Fitch liegt die Bonitätsnote mit BBB- noch eine Stufe über dem Junk-Bereich, bei Moody's seit der jüngsten Herabstufung Anfang November nur noch eine.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB+/BBB-
Quelle: ReutersAuch für das Rating von Belgien ging es zuletzt runter. S&P begründete die Entscheidung mit dem gestiegenen Druck der Finanzmärkte auf Belgien. Dieser würde auch das Finanzsystem belasten. Finanzinstitute könnten mehr Unterstützung durch den belgischen Staat benötigen. Dies könnte den bereits hohen Schuldenstand von Belgien von rund 97 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2011 über die Marke von 100 Prozent treiben, fürchtet zuletzt S&P.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA/Aa3/AA
Wie die Ratingagenturen die Staaten bewerten
Die Ratingagentur S&P hat Frankreich die Topnote entzogen, das sogenannte „Triple A“. Bereits im November hatte die Agentur die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft herabgestuft - allerdings nur versehentlich aufgrund eines „technischen Fehlers“.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Für die Euro-Rettungspolitiker in Brüssel, Berlin, Rom und Madrid hatte die vergangene Woche eigentlich vielversprechend angefangen. Italien und Spanien gelang es, neue Anleihen bei Investoren zu platzieren und mehr Geld einzusammeln als erwartet. Das hohe Interesse der Anleger an den Bonds der beiden Länder drückte deren Renditen kräftig nach unten. Italien musste für neue einjährige Staatsanleihen nur 2,7 Prozent Zinsen zahlen. Im Dezember hatten die Investoren für Italo-Bonds gleicher Laufzeit noch knapp 6 Prozent verlangt.
Doch dann, kurz vor dem Wochenende, kam es für die Rettungspolitiker knüppeldick. Erst platzten am Freitag die Umschuldungsverhandlungen Griechenlands mit den privaten Gläubigern. Am späten Abend stufte dann die Rating-Agentur Standard & Poor´s die Kreditwürdigkeit von 9 Euroländern herab, darunter Frankreich und Österreich. Beide Länder verloren ihre Höchstnote AAA und werden jetzt nur noch mit AA+ bewertet. Der Ausblick für beide Länder ist negativ. Italien, Portugal und Spanien stuften die S&P-Ökonomen gleich um zwei Stufen herab.
Dagegen behielten Deutschland, die Niederlande, Finnland und Luxemburg ihre Top-Noten. Allerdings bewertet S&P nur den Ausblick für Deutschland mit stabil, den anderen drei AAA-Ländern attestiert die Ratingagentur einen negativen Ausblick. Zur Begründung der Entscheidung verwies S&P auf die unzureichende Reaktion der Regierungen auf die Euro-Krise, die der Schwere der Probleme nicht Rechnung trage.
Was die Euro-Krise Deutschland im Ernstfall kostet
IWF
Das Rettungspaket des Internationalen Währungsfond (IWF) hat einen Gesamtumfang von 250 Milliarden Euro.
Daran wäre Deutschland im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 15 Milliarden Euro beteiligt.
ESM (Bareinzahlung)
Insgesamt 80 Milliarden Euro in bar haben die beteiligten Staaten zum Euro-Rettungsschirm ESM beigesteuert.
Deutschland trägt im Fall eines Ausfalls von Griechenland, Italien, Portugal und Spanien mit 22 Milliarden Euro fast ein Drittel.
ESM (Bürgschaften)
Zu den Bareinzahlungen haben die Euro-Länder Garantien in Höhe von insgesamt 620 Milliarden Euro übernommen.
Im Ernstfall müsste Deutschland die Kosten bis zu 168 Milliarden Euro mittragen.
IWF-Rettungsplan für Griechenland
Für die Rettung Griechenlands hat der IWF 30 Milliarden Euro bereit gestellt.
Zwei Milliarden Euro davon kommen aus Berlin.
EU-Rettungsplan für Griechenland
Die Europäische Union hat für die Griechenland-Rettung ein Paket von 80 Milliarden Euro geschnürt.
Die Bundesregierung ist mit 27 Milliarden Euro beteiligt.
EZB-Staatsanleihenkäufe
Die Europäische Zentralbank hat für rund 96 Milliarden Euro Staatsanleihen gefährdeter Euro-Länder erworben.
Mit 32 Milliarden Euro trägt Deutschland davon ein Drittel.
Target-Verbindlichkeiten
Die Target-Verbindlichkeiten Griechenlands, Portugals, Irlands und Spaniens machen mit 340 Milliarden Euro einen Großteil der Gesamtsumme aus.
Deutschlands Anteil: 113 Milliarden Euro.
Gesamt
Insgesamt umfassen sämtliche Rettungspakete ein Volumen von 1496 Milliarden Euro.
Im denkbar schlechtesten Fall müsste Deutschland also mit 379 Milliarden Euro tief in die Tasche greifen.
Welche Konsequenzen hat die Entscheidung von S&P für die Euro-Zone? An den Märkten flüchteten die Anleger in deutsche Staatsanleihen, die als sicherer Hafen gelten. Die Renditen für zehnjährige Bundesanleihen rutschten am Freitag unter die Marke von 1,8 Prozent. Die Zinsen für die Niederlande und Finnland sanken ebenfalls.
Dagegen kletterten die Zinsen für die herabgestuften Länder nach oben. Allerdings blieb das Ausmaß der Zinsänderungen moderat. Das spricht dafür, dass die Märkte mit der Rating-Entscheidung gerechnet und diese in ihre Zinsforderungen eingepreist haben. So muss Frankreich schon seit einiger Zeit um mehr als einen Prozentpunkt höhere Zinsen berappen als Deutschland.













