Schuldenkrise: Zypern-Rettung wird konkreter

Schuldenkrise: Zypern-Rettung wird konkreter

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Zyperns Kreditinstitute wackeln - Nun fallen die Entscheidungen um die Mittelmeerinsel in Russland

von Tim Rahmann

Trotz aller Dementis der Bundesregierung wird hinter den Kulissen an einem Milliardenkredit der Euro-Länder für die Mittelmeerinsel gearbeitet. Die Entscheidung fällt in Moskau.

Die Formulierung ist so allgemein wie möglich gehalten. „Interessierte Drittstaaten“ sollen sich am Dialog über eine Rettung Zyperns beteiligen, sagt Martin Kotthaus, Sprecher des Finanzministeriums. Gemeint ist eigentlich aber nur ein einziger Staat: Russland. Beteiligt sich Moskau an der Rettung des von der Pleite bedrohten Inselstaates, wird die Euro-Gruppe wohl noch im März Hilfskredite in Höhe von rund 17,5 Milliarden Euro bereitstellen – trotz aller Dementis aus Berlin. Im Hintergrund laufen bereits die Gespräche, auch mit Moskau.

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Wissenswertes über Zypern

  • Wo liegt Zypern überhaupt?

    Die Republik Zypern liegt in Vorder-Asien. Sie ist aufgeteilt in die Türkische Republik Nordzypern und den griechischen Teil, die Republik Zypern. Die Hauptstadt ist Nikosia. Zypern ist die drittgrößte Insel des Mittelmeeres und erlangte im Jahre 1960 ihre Unabhängigkeit.

  • Wie viele Menschen leben da?

    Insgesamt leben 1,2 Millionen Menschen auf der ehemaligen britischen Insel Zypern. 77 Prozent der Bevölkerung sind Griechen, 18 Prozent sind Türken. Die Amtssprachen sind Türkisch und Griechisch.

  • Wie geht es der Wirtschaft?

    Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2010 in einem Handelsbilanzdefizit von 5,3 Milliarden Euro niederschlug. Die 2010 wieder stark gestiegenen Importe – Wert von 6,47 Milliarden Euro – stehen Exporten im Wert von gerade einmal 1,15 Milliarden Euro gegenüber. Noch zu Beginn des Jahres 2011 lag die Arbeitslosigkeit bei sechs Prozent. Inzwischen ist sie auf über zehn Prozent angestiegen und hat einen historischen Höchststand erreicht.

  • Hat Zypern Bodenschätze?

    Ja, Zypern lebt hauptsächlich von den Bodenschätzen und der Landwirtschaft. Das Kupfervorkommen war so enorm, dass das Metall der Insel ihren Namen gab. Der lateinische Name "cuprum" ist abgeleitet von "aes cyprium". In den Bergen findet man große Vorkommen an Marmor, an den Stränden wird Tonerde abgebaut.

    Das milde Klima auf der Insel begünstigt die Ernte. So können Bauern zweimal im Jahr Obst, Gemüse und auch Getreide ernten. Beliebt sind neben den Zitrusfrüchten auch die zypriotischen Kartoffeln. Wichtigste Abnehmerländer sind Griechenland (24,5 Prozent), Deutschland (10,5 Prozent) und England (8,6 Prozent).

  • Wie englisch ist Zypern?

    Der Einfluss der britischen Kolonialzeit ist geblieben. Nicht nur, dass vielerorts noch Englisch gesprochen wird. Das beliebte englische Frühstück können die englischen Touristen auf Zypern genießen. Das Linksfahren gilt auf der geteilten Insel genauso wie auch in Großbritannien. Seien Sie also im Straßenverkehr besonders vorsichtig!

  • Wieso ist Zyperns Flagge so bunt?

    Die Fahne Zyperns ist weiß mit einem Abbild der Insel. Die orange Farbe steht symbolisch für das Metall Kupfer, das bereits 3000 v. Chr. auf Zypern entdeckt wurde. Nach diesem Metall wurde übrigens auch die Insel benannt. Weiterhin sieht man zwei Olivenbaum-Zweige. Sie stehen für die beiden Volksgruppen auf Zypern.

  • Was können die Zyprioten besser?

    Eindeutig kochen. Die multikulturelle Küche ist durch die Besatzungszeiten der Römer, Osmanen und auch des britischen Commonwealth von vielen unterschiedlichen Kulturen beeinflusst. Neben den orientalisch-kulinarischen Einflüssen wie Zitrone, Joghurt und Knoblauch sind indische Zutaten wie Ingwer und Curry sehr beliebt. Nicht nur in der Gegenwart, auch in der Antike schätzten die Menschen den zypriotischen Wein.

Denn Russland und die Mittelmeerinsel sind traditionell eng miteinander verflochten. Bis zu 40.000 Russen leben in der Republik Zypern, hauptsächlich in der Hafenstadt Limassol. Noch mehr russische Bürger haben Bankkonten auf der geteilten Insel. Rund 25 Milliarden Dollar sollen sie bei zypriotischen Banken deponiert haben, das ist mehr als die gesamte Wirtschaftsleistung des Landes. Der Milliardär Dimitri Rybolowlew ist gar größter Anteilseigner der „Bank of Cyprus“, dem größten Geldinstitut des Landes.

Die Institute wackeln

Rybolowlew und seine anderen Landleute müssen sich um ihr Geld sorgen, nachdem sich die zypriotischen Banken mit dem Kauf von griechischen Staatsanleihen verzockt haben. Nicht nur der Staat, auch die griechischen Bürger konnten sich fleißig beim kleinen Nachbarn Geld leihen: Rund ein Viertel ihrer ausgereichten Kredite haben die zypriotischen Banken in Griechenland vergeben. Fraglich, ob sie ihr Geld jemals wiedersehen, die Institute wackeln.

Um einen Kollaps der Banken zu verhindern, braucht der Staat rund zehn Milliarden Euro. Da auch die Staatskassen leer sind, hat Zypern schon im vergangenen Jahr einen Hilfsantrag bei den Euro-Partnern in Höhe von 17,5 Milliarden Euro gebeten. Die verweigern bislang – anders als Russland – jede Zusage. Zypern hat sich bislang schon fünf Milliarden Euro zu einem Zinssatz von 4,5 Prozent von Russland geliehen. Ab diesem Jahr beginnt die Rückzahlung. Doch Europa fordert eine Verlängerung der Kredite, um mit den Hilfskrediten nicht die russischen Geschäfte abzusichern.

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