Schuldenstreit: So oder so - Griechenland gewinnt

KommentarSchuldenstreit: So oder so - Griechenland gewinnt

Warum treten die griechischen Verhandlungsführer nur so auf, wie sie auftreten? Weil sie wissen, dass sie gewinnen werden! Nur der genaue Spielverlauf steht noch nicht fest. Ein Blick auf die Szenarien.

Man mag es verantwortungslos nennen, eine vermeintlich schwache Position – die des Schuldners – so auszureizen. Verantwortungslos gegenüber der von Syriza gekaperten griechischen Nation, verantwortungslos gegenüber den europäischen Partnern, also dem Club, dem Griechenland einst unbedingt beitreten wollte.

Möglicherweise treten schon bald Verschwörungstheoretiker auf den Plan und erklären, dass die gesamte Phase der griechischen Euro-Mitgliedschaft von Anfang an einem unlauteren Plan folgte, angefangen von der Erschleichung der Aufnahme mit gefälschten Zahlen, über den jahrelangen Genuss aller Privilegien bis hin zur erpresserischen Ausplünderung der „europäischen Freunde“, wenn es eng wird. Letzteres überlässt man dann einer neuen politischen Bewegung, von der sich die alten Garden jederzeit distanzieren können. Schließlich läuft die Zeit weiter und irgendwann kommt die Zeit nach Syriza.

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Zum Autor

  • Frank Träger

    Frank Träger, 55, berät seit 2002 börsennotierte Small- und Mid-Caps in Kapitalmarkt- und Investor-Relations-Fragen. Zuvor war er Analyst und Fondsmanager beim Bankhaus Sal. Oppenheim jr. & Cie. und beim Versicherungsriesen Axa.

Tsipras & Co. sind geschickt, intelligente Spieltheoretiker, wie es heißt.

Auf der anderen Seite agieren konventionelle Politiker mit einem konventionellen Instrumentarium – ängstlich, aufgeregt, empört. Also das Übliche. Und damit ist man der Chuzpe der Kontrahenten nicht gewachsen.

Für die Eurokraten geht es auch um die eigene Biographie, um Posten und Bedeutung im Apparat. Man will das europäische Mantra nicht diesen Quertreibern opfern. Deshalb scheint man zu jedem Kompromiss bereit zu sein. Die griechische Seite aber ist nicht einmal bereit, den Partnern einigermaßen die Wahrung ihres Gesichts zu gönnen. Derartige Verstöße gegen die politischen Konsensregeln – da schäumen gar die stets gutmütig dreinschauenden Schlitzohren Martin Schulz und Jean-Claude Juncker.

Griechenland Es wird unerträglich

Ein weiteres Durchwurschteln Griechenlands mit Zugeständnissen wird Nachahmer auf den Plan rufen und die EU zur Unkenntlichkeit von ihrem Gründergeist entfernen - bis sie ihren Bürgern gänzlich unvermittelbar ist.

Alexis Tsipras Quelle: dpa

Welche Szenarien sind es, auf denen die griechischen Positionen ruhen?

Plan A: Die Liebe der Gläubigerseite zu „ihrem Europa“ gepaart mit der Bereitschaft, alles zu tun - „whatever it takes“. Das, so ließe sich mutmaßen, dürfte Tsipras Plan A sein: Die Partner so lange zu düpieren, bis deren Verzweiflung groß genug ist, dass ein winziges Entgegenkommen in der letzten Sekunde mit Erleichterung angenommen wird. Der wachsweiche Kompromiss wird der Öffentlichkeit als Erfolg verkauft. Dann gehen das Durchwurschteln und die Lügen weiter. Die Signalwirkung an die Euroländer, die sich mitten auf dem steinigen Weg befinden, wäre verheerend. Es kommt zu einem Wettlauf zwischen den negativen Wirkungen von Stabilitätsaufweichungen allerorten und positiv gedachten „unorthodoxen Maßnahmen“, die das Kartenhaus in der Balance halten sollen. Im Wesentlichen mit dem Ziel, die Währung zu schwächen, Inflation zu importieren und Wachstum im Export zu generieren um die Schuldenproblematik wenigstens einigermaßen im Griff zu behalten.

Plan B: Es taucht doch noch ein Weißer Ritter auf wie ein Deus ex Machina in einem Theaterstück und eilt Griechenland finanziell zu Hilfe – Russland oder China. Diese Variante hat sicherlich eine geringe Wahrscheinlichkeit. Aber ihr schieres Vorhandensein erhöht den Druck auf die Euro-Partner, denn dann kämen auch die geo-strategischen Interessen der USA und der Nato ins Spiel.

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Dies dürfte Tsipras Plan C sein: Die Europartner bleiben wider Erwarten hart. Griechenland erklärt seine Unfähigkeit und Unwilligkeit Schulden aus der alten Systemzugehörigkeit zu bezahlen und tritt aus den Euro aus. Die neu eingeführte Drachme wertet mindestens 35 bis 40 Prozent ab. Griechenland erklärt den nationalen Notstand, ist aber in der Lage die griechischen Fluchtgelder zu repatriieren – etwa durch Steuerfreiheit – und kann überdies zunehmend Auslandskapital in harter Währung für äußerst lukrative Direktinvestitionen gewinnen. Das Land erlebt schon bald nach den unvermeidlichen Turbulenzen einen Investitionsboom und in der Folge einen Boom am Arbeitsmarkt. Für notwendige Importe (Medikamente, Energieträger) ist die Bezahlung in einer international schwachen Drachme sehr teuer, aber man findet Regelungen auf der Basis von Kompensationsgeschäften und langfristigen Kreditlinien mit neuen Partnern außerhalb der westlichen Staaten. Griechenland gelingt es, den Export und den Tourismus kräftig anzukurbeln. Die Abwertung von Einkommen und Vermögen durch die Wiedereinführung der Drachme hat nur in Relation zu anderen Währungen eine Bedeutung, binnenwirtschaftlich sind die Auswirkungen deutlich geringer als befürchtet, weil sich auch das binnenwirtschaftliche Preisgefüge der neuen Situation anpasst.

Nun beginnt man sich verwundert die Augen zu reiben in Portugal, Spanien und Italien, aber auch in Frankreich: „Kann es sein, dass das Europa der Austerität uns hindert schneller wieder zu besseren Lebensbedingungen zu gelangen?“

Vielleicht erklärt dies die stets unerhört gute Laune der griechischen Verhandlungsführer.

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