Schweiz: Auszug aus dem (Steuer-)Paradies

Schweiz: Auszug aus dem (Steuer-)Paradies

Bild vergrößern

Die Lockerung des Schweizer Bankgeheimnisses stößt an die Wurzeln des Alpenstaats:Der schweizerische Finanzplatz trägt 12 Prozent zur Wertschöpfung des Landes bei.

Mit den Steuerabkommen mit Deutschland, den USA, Großbritannien und Österreich gerät das Erfolgsmodell unter Druck. Die Schweiz lockert ihr Bankgeheimnis – und verliert damit einen Teil ihrer Identität.

Niemand weiß so genau, wie viel Geld tatsächlich in der Schweiz liegt. Je nach Quelle ist von 1,88 bis zu 3,25 Billionen Euro die Rede. Das entspricht bis zu sieben Mal der Wirtschaftsleistung des Alpenlandes. Der schweizerische Finanzplatz trägt 12 Prozent zur Wertschöpfung des Landes bei.

Kernpfeiler ist die Vermögensverwaltung mit einem Beitrag von um die 10 Milliarden Euro. Mit den Steuerabkommen mit Deutschland, den USA, Großbritannien und Österreich gerät das Erfolgsmodell unter Druck. Die Schweiz lockert ihr Bankgeheimnis – und verliert damit einen Teil ihrer Identität.

Anzeige

Das Bankgeheimnis ist nämlich tief in der schweizerischen Mentalität verwurzelt. Es hat genauso wenig mit dem Schutz jüdischer Vermögen vor dem Zugriff Nazideutschlands zu tun wie es Steuerhinterziehung bezweckte. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. „Beim Bankgeheimnis gilt es, sowohl die staatsphilosophisch-moralische Komponente als auch die Bedeutung als Wettbewerbsvorteil zu betrachten“, erklärt Prof. Dr. Manuel Ammann, der an der Universität St. Gallen (HSG) das Swiss Institute of Banking and Finance leitet.

In der Schweiz als kleines, von Großmächten umgebenes Land herrschen seit jeher Abwehrreflexe gegenüber fremder Einflussnahme einerseits und ein starker Wunsch nach Selbstbestimmung andererseits. Das Bankgeheimnis fügt sich da nahtlos ein in die Zurückhaltung gegenüber supranationalen Organisationen wie der UNO, der die Schweiz erst 2002 beitrat. „In diesem Zusammenhang“, führt Ammann aus, „ist das Bankgeheimnis Ausdruck des Vertrauensverhältnisses zwischen Staat und Bürgern.“

Nur noch versteuerte Vermögen

Der schweizerische Finanzplatz wusste natürlich das 1934 niedergeschriebene Gesetz als Wettbewerbsvorteil zu nutzen. Da einen gewissen Opportunismus vorzuwerfen ist gewiss nicht verfehlt. Was am meisten erstaunt ist eigentlich, dass die vorherrschende Praxis von den betroffenen Staaten solange toleriert wurde.

Auch in der Schweiz hat der Bankensektor seit der Finanzkrise an Ansehen eingebüßt. Das Festhalten am Bankgeheimnis ist daher weniger als Lust zur Steuerhinterziehung denn als Reaktanz gegenüber dem ruppigen Vorgehen Deutschlands und der USA zu verstehen. Die Botschaft ist bei der Schweizerischen Bankiervereinigung angekommen. „Die Schweizer Banken werden sich in Zukunft auf die Akquisition und die Verwaltung von versteuerten Vermögen konzentrieren“, hält sie in ihrer Finanzplatzstrategie 2015 fest.

Ganz aufs Bankgeheimnis verzichten will man in der Schweiz indes (noch) nicht. Die Vertraulichkeit soll auch in Zukunft gewahrt bleiben. Kundendaten und Kontoinformationen will man nur bei einem Anfangsverdacht an die zuständigen Behörden weiterleiten. Als Ergänzung bietet die Schweiz eine Abgeltungssteuer auf die erzielten Gewinne an.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%