Serie Europa Briefing – Teil 2: Die Zinswende der EZB kommt 2018

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GastbeitragSerie Europa Briefing – Teil 2: Die Zinswende der EZB kommt 2018

Die Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank wird vor allem in Deutschland heftig kritisiert. Sie verleitet Regierungen zum Stillstand. Das wird sich im kommenden Jahr ändern.

Die EZB hat die Entscheidung, wann und wie sie ihr Anleihekaufprogramm beenden will nochmal vertagt. Sie steckt in einer Zwickmühle. Im Euroraum ist die Inflation weiterhin zu niedrig, zuletzt bei 1,5 Prozent, was eigentlich für eine Fortsetzung der Niedrigzinspolitik spricht. Gleichzeitig gewinnt der wirtschaftliche Aufschwung aber an Fahrt. Bleiben Inflation und Wachstum voneinander entkoppelt, könnte die lockere Geldpolitik zu einer Überhitzung der Volkswirtschaft führen.

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Zur Serie

  • Europa Briefing

    In einer vierteiligen Serie von Gastbeiträgen stellen wir an jedem Samstag bis zu den Bundestagswahlen zentrale europapolitische Probleme vor, die auf die künftige Bundesregierung zukommen werden. Sie basieren auf Veröffentlichungen der Publikationsreihe „Europa Briefing“, welche gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung und dem Jacques Delors Institut – Berlin herausgegeben wird.

    Diese und weitere Veröffentlichungen der Reihe sowie Informationen zum Kooperationsprojekt finden sie unter www.strengthentheeuro.eu.

Mario Draghi setzt dennoch seinen Kurs der niedrigen Zinsen fort. Das ist vielen in Deutschland ein Dorn im Auge. Ökonomen und Zentralbänker hierzulande betrachteten das Anleihekaufprogramm, mit dem die EZB monatlich 60 Milliarden Euro in die Finanzmärkte pumpt, als gefährlich. Viele warnen vor den Negativfolgen der „Geldschwemme“ in Form von Preisblasen auf Immobilien- und Aktienmärkten. Dabei wird meist ausgeblendet, dass die EZB nicht nur für Deutschland, sondern für die gesamte Eurozone Politik macht. Wie gefährlich sind die niedrigen Zinsen also wirklich? Welche Ziele verfolgt die EZB mit ihrer Politik? Und wann ist der richtige Zeitpunkt für den Ausstieg?

Wann werden niedrige Zinsen zum Problem?

In Krisenzeiten senken Zentralbanken die Zinsen, um die Wirtschaftsaktivität anzukurbeln. Durch niedrigere Zinsen werden Kredite günstiger, es kann zusätzlich investiert werden. Durch die damit geschaffenen Arbeitsplätze sollten eigentlich die Löhne und mittelfristig auch die Preise steigen. Im Zuge der Eurokrise setzte dieser Mechanismus aus; die Wirtschaft im Euroraum erholte sich nur schleppend und die Inflation verharrte lange bei null Prozent. Damit lag sie weit unterhalb des Ziels der Preisstabilität von knapp zwei Prozent.

Serie Europa Briefing – Teil 1 Der EU-Haushalt wird zum Problem

Der Haushalt der Europäischen Union ist vergleichsweise klein und wird dennoch immer wieder zum Gegenstand hitziger Debatten. Nach der Bundestagswahl könnte er erneut im Rampenlicht stehen: Der Brexit erzwingt Reformen.

Quelle: dpa

Null Prozent Inflation ist für die Wirtschaft gefährlich. Für Konsumenten sinkt der Anreiz, heute Geld auszugeben und Kaufentscheidungen werden aufgeschoben. In dieser Situation kann die ganze Volkswirtschaft ins Stocken und in eine Deflation geraten.

Mit niedrigen Zinsen will die EZB die Inflation wieder zurück auf knapp unter zwei Prozent bringen. Dieser Kurs birgt Risiken: Günstigere Kredite könnten zur Überschuldung von Haushalten und Unternehmen führen. Ohne Zinsen auf das Ersparte fällt die private Vorsorge schwer. Banken verdienen kaum noch Geld an ihrem traditionellen Kreditgeschäft und gehen deswegen größere Risiken ein.

Glossar zur Zinspolitik

  • Preisstabilität

    Preisstabilität ist als Mandat der EZB in den Europäischen Verträgen festgeschrieben. Die EZB definiert Preisstabilität als eine jährliche Teuerungsrate von knapp unter 2 Prozent. Das Niveau gilt als wünschenswert, da es einen Sicherheitsabstand zur Deflation wahrt, ohne Ersparnisse zu schnell aufzuzehren.

  • Deflation

    Bei fallenden Preisen spricht man von Deflation. Erwartet ein Konsument, dass ein Produkt in Zukunft günstiger wird, verschiebt er seine Kaufentscheidung. Dadurch bricht die Nachfrage ein. Es entsteht ein gefährlicher Kreislauf, gegen den die Zentralbank kaum vorgehen kann.

  • Leitzins

    Mit dem Leitzins legt die Zentralbank den Preis des Geldes fest. Banken können sich zu  diesem Zins kurzfristig Geld bei der Zentralbank leihen. Das beeinflusst alle anderen Zinsen in der Volkswirtschaft.

  • Quantitative Lockerung (QE)

    In einem QE-Programm kauft eine Zentralbank Schuldscheine (Anleihen), beispielsweise von Staaten und Unternehmen in großem Umfang auf. Da sie diese Papiere nicht den Schuldnern selbst, sondern deren Gläubigern (in der Regel Banken) abkauft, spült sie so zusätzliches Geld in das Finanzsystem.

Da sich die wirtschaftliche Lage der Euroländer stark unterscheidet, gehen auch die Präferenzen für eine angemessene Geldpolitik auseinander. In Deutschland wächst die Wirtschaft und die Inflation liegt nah an der Zielmarke. Dementsprechend stehen die Nachteile der aktuellen Geldpolitik besonders im Fokus. In Italien kämpft man dagegen mit hohen Schulden und der Aufschwung steht auf wackligen Beinen. Dort werden die Risiken einer Zinsanhebung besonders stark wahrgenommen. Die EZB kann aber nur Politik für die Eurozone als Ganzes machen, also für ein fiktives Durchschnittsland.

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