Silvio Berlusconi: Die treuen Gefolgsleute des Cavaliere

Silvio Berlusconi: Die treuen Gefolgsleute des Cavaliere

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Silvio Berlusconi ist mit der Ankündigung, erneut für das Amt des Regierungschefs zu kandidieren, aufs politische Parkett zurückgekehrt.

von Sara Zinnecker

Es wäre ihre Chance gewesen, für Europa einzustehen. Doch statt die Regierung Monti zu stützen, folgten die meisten Abgeordneten des "Volkes der Freiheit" (PdL) dem Oppositionsaufruf von Parteichef Silvio Berlusconi. Einige Beweggründe.

Er hätte ganz groß auftreten können an diesem Sonntag. Angelino Alfano, im Juli von Silvio Berlusconi zum Parteisekretär des "Volkes der Freiheit" (PdL) berufen, wollte kandidieren bei den Vorwahlen seiner "von Grund auf erneuerten" Partei. Die Chancen, die Vorwahlen tatsächlich zu gewinnen, wären gut gestanden, zu unbekannt oder unbedeutend waren seine Herausforderer. Im besten Fall also hätte sich Alfano einen Wahlkampf mit Pier Luigi Bersani liefern können, den die Demokratische Partei am 9. Dezember als ihren Kandidaten für die Monti-Nachfolge gewählt hatte.

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Doch die große Show ist jetzt abgeblasen. Die Ankündigung von Parteichef Silvio Berlusconi, erneut für das Amt des Regierungschefs zu kandidieren, macht die Vorwahlen überflüssig. Für Alfano ein Schlag ins Gesicht. Alfano, der als Kopf einer jüngeren Parteiriege Berlusconi vor zwei Wochen noch recht selbstbewusst anriet, die Erneuerung der Partei nicht zu blockieren, steht wieder im Schatten des Cavaliere. Die Rolle des Parteisekretärs zwingt es ihm auf, die parteipolitische Linie nach außen zu tragen, ohne selbst großen Einfluss darauf nehmen zu können.

Doch Angelino Alfano fügt sich. Es gehe schließlich um die Sache, nicht um persönliche Eitelkeit, sagt er in einem Videobeitrag auf der Internetseite der Tageszeitung "La Repubblica". Er steckt es weg, wenn Silvio Berlusconi im selben Beitrag ein paar Augenblicke später trotzig blafft, er habe kandidieren müssen, weil ein Charakter wie "der Berlusconi von 1994" einfach nicht zu finden war. Der Cavaliere habe, so der Kommentar, dem "Engelchen" (Angelino) die Flügel gestutzt, bevor es überhaupt losfliegen konnte.

Mit seinem Gehorsam ist Alfano allerdings nicht allein. Auch die Mehrheit der PdL-Abgeordneten im Parlament folgte am Ende dem Kurs Berlusconis, die Regierung Monti nicht länger zu unterstützen, sondern in die Opposition zu gehen. Die direkten Folgen dieser Entscheidung, eine erneute Nervosität an den Märkten, vorgezogene Neuwahlen im Februar, die Anti-Europa-Stimmung, nahmen die Parlamentarier in Kauf. Am Ende ist vielleicht die Angst zu groß, in der politischen Bedeutungslosigkeit zu verschwinden.

So könnte ein Grund für die Treue mancher Berlusconi-Anhänger die persönliche Karriere sein. Die Regierung Berlusconi hatte 2005 ein modifiziertes Verhältniswahlrecht eingeführt. Die Parlamentarier werden nicht einzeln gewählt, sondern rücken einer Rangfolge nach ins Parlament. Das Besondere: Für den PdL legt Berlusconi diese Rangfolge fest. Wer zu weit unten in der Liste landet, hat im Zweifel seinen Platz in der Fraktion verloren.

Doch offensichtlich spielt auch die Ideologie nach wie vor eine Rolle. Die Attacken auf den Euro und die europäische Schuldenpolitik, auf Deutschland, auf Montis Immobiliensteuer, fallen nicht nur bei Wählern, sondern auch bei manchen Parteigenossen auf nährreichen Boden. So feierte eine Gruppe von bedingungslosen Berlusconi-Anhänger dessen Rückkehr aufs politische Spielfeld mit einer Liedzeile von Lucio Battisti: "Aber dich zu verlassen ist unmöglich". Dieses Stichwort griff Giorgia Meloni, in der letzten Regierung Berlusconi noch Jugend- und Sportministerin, sogleich auf. Sie konterte: "Dich zu verlassen ist möglich".

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