Bild: APNach den Protesten in Brasilien fürchtet der Harvard-Ökonom Niall Ferguson, dass sich die Unruhen nach Europa ausbreiten könnten. Er halte vor allem Frankreich für "extrem anfällig", sagte Fergusson dem Sender CNBC. Er befürchte, dass es "bereits in diesem Sommer so weit sein kann, dass wir die Stadt in Flammen sehen". Grund dafür sei die schlechte Wirtschaftslage, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und damit eine allgemein aufgeladene Stimmung gegen die Regierung von Francois Hollande. Fergusson sagte, dass Paris traditionell eine Stadt sei, in der es schnell zu Unruhen und Ausschreitungen komme.
Bild: dpaIn der Hedgefonds-Branche stellen sich manche Manager auf eine erneute Verschärfung der europäischen Schuldenkrise ein. Die lockere Geldpolitik in der Euro-Zone könnte demnach dazu führen, die Schuldenprobleme einiger Länder und Banken zu übertünchen. Galia Velimukhametova von der Man-Group-Sparte GLG sagte, eine Rettungsaktion wie in Zypern werde es wahrscheinlich wieder geben. In einigen südeuropäischen Märkten, etwa Italien und Spanien, könnten Banken, die vor allem auf den Heimatmarkt konzentriert seien, wegen ausfallgefährdeter Kredite in die Bredouille geraten. Philippe Gougenheim, Chef der in der Schweiz ansässigen Firma Gougenheim Investments, äußerte: "Die europäische Krise ist noch längst nicht vorüber." Die Defizite in Spanien und Frankreich seien höher als erwartet. "Wir erwarten einen holprigen Weg für die europäischen Märkte", sagte Gougenheim. Sushil Wadhwani, Chef von Wadhwani Asset Management und früheres Mitglied des geldpolitischen Ausschusses der Bank von England, kritisierte, manche Politiker würden durch die Wertpapierkauf-Zusagen der Europäischen Zentralbank (EZB) in falscher Sicherheit gewiegt und hätten bislang keine Bereitschaft zu notwendigen Strukturreformen gezeigt.
Bild: dpaAndrew Haldane, führender Banker in Sachen Finanzstabilität bei der Bank of England, hat vor dem Platzen der größten Anleihe-Blase der Geschichte gewarnt. Diese sei von den Zentralbanken erzeugt worden, indem sie massiv elektronisches Geld in die Wirtschaft gepumpt hätten. Das Platzen dieser Blase sei ein akutes Risiko, zitiert ihn der "Guardian". "Lassen Sie uns ganz deutlich sein: Wir haben bewusst die größte Staatsanleihen-Blase in der Geschichte aufgeblasen“, sagte Haldane.
Bild: Darren SohStar-Investor Marc Faber, auch bekannt als "Dr. Doom", zeigt sich beunruhigt durch die anhaltende Geldflut der Notenbanken. Hierdurch sei eine Blase bei Aktien, Anleihen und Immobilien, aber auch bei Kunstobjekten entstanden. Das Problem sei, dass das Notenbanken-Geld nicht gleichmäßig im System ankomme. "Die wirtschaftliche Aktivität und die Preise der Geldanlagen steigen nicht im Gleichschritt. Diese Entwicklung befeuert Exzesse in einzelnen Ländern und Assetklassen“, erklärt Faber. Das Gelddrucken habe schon die Blasen während den Dot-Com-Hypes, vor dem Immobiliencrash und bei Rohstoffen verursacht. "Noch ein oder zwei Monate, bevor der Kollaps kommt", sagte Faber in einem Interview mit dem US-Anlegermagazin „Barron's“. Anlegern stehen seiner Ansicht nach schwere Zeiten bevor.
Bild: dpaAltkanzler Helmut Schmidt ist ein Freund klarer Worte. Bei einem Treffen mit dem früheren französischen Präsidenten Valéry Giscard d'Estaing am Mittwochabend in Paris sagte er, es gebe zwar keine Euro-Krise, aber eine Krise der Institutionen in Europa. Giscard d'Estaing pflichtete Schmidt bei: Er sagte, die einzige Institution, die funktioniere, sei die EZB. Er warnte außerdem vor einem "Desaster" bei den Europawahlen 2014, sollte es bis dahin keine Verbesserungen geben. Der ehemalige französische Präsident schlug die Einrichtung einer Gruppe unter deutsch-französischem Vorsitz vor, die ein monatliches Treffen der Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone organisiert.
Der frühere Bundeskanzler knüpft mit seiner Kritik an die Worte von EU-Kommissar Oettinger an...
Bild: dpaLaut einem Bericht der "Bild"-Zeitung äußerte sich EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) in einer Rede vor der Deutsch-Belgisch-Luxemburgischen Handelskammer sehr besorgt über die Lage in Frankreich und anderen EU-Ländern. "Europa ist ein Sanierungsfall", zitierte das Blatt Oettinger. "Mir macht Sorge, dass derzeit zu viele in Europa noch immer glauben, alles werde gut." Brüssel habe "die wahre schlechte Lage noch immer nicht genügend erkannt". Auch die Lage in einigen EU-Mitgliedsländern sei besorgniserregend. "Mir machen Länder Sorgen, die im Grunde genommen kaum regierbar sind: Bulgarien, Rumänien, Italien", zitierte die Zeitung Oettinger. Dazu komme, dass in vielen Ländern EU-kritische Bewegungen stärker würden. In Großbritannien regiere Premier Cameron mit einer "unsäglichen Hinterbank, seiner englischen Tea-Party". Besorgt äußerte sich Oettinger auch zur wirtschaftlichen Lage Frankreichs. Das Land sei "null vorbereitet, auf das, was notwendig ist."
Bild: dpaDie europäische Währungsunion kann nach Ansicht von EZB-Präsident Mario Draghi gestärkt aus der Krise kommen, wenn die Regierungen ihre Hausaufgaben machen und nationale Egoismen nicht die Oberhand gewinnen. Schon heute sei die Euro-Zone stabiler als noch vor einem Jahr, sagte Draghi. Nach der tiefen Finanz- und Wirtschaftskrise habe Europa damit begonnen, sich wieder auf seine Stärken zu besinnen und weitere Integrationsschritte unternommen. "Wir können heute mit Fug und Recht sagen, dass die Wirtschaft- und Währungsunion stabiler ist, als sie es vor einem Jahr war." Auch die Investoren an den Finanzmärkten seien nun davon überzeugt, "dass der Euro eine starke und stabile Währung ist".
Bild: REUTERSBundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt vor nachlassenden Reform- und Sparbemühungen auch in Ländern, die unter hoher Jugendarbeitslosigkeit leiden. „Kurzlebige Konjunktur- und Ausgabenprogramme und immer höhere Schulden für nachfolgende Generationen schaffen aber keine nachhaltigen Arbeitsplätze, die dringend benötigt werden“, sagte Weidmann der „WAZ“-Mediengruppe. „Als Schwergewicht in der Währungsunion hat Frankreich eine besondere Vorbildfunktion. Gerade jetzt, da wir uns schärfere Regeln zum Defizitabbau gegeben haben, sollten wir deren Glaubwürdigkeit nicht dadurch in Frage stellen, dass wir deren Flexibilität voll ausreizen. Was wir jetzt brauchen ist Vertrauen in die Sanierung der Staatsfinanzen“, sagte Weidmann. Weidmann meinte: „Frankreich hat zwar in den vergangenen Jahren sein Haushaltsdefizit verringert, nach der Prognose der EU-Kommission beläuft es sich in Frankreich in diesem Jahr aber immer noch auf knapp 4 Prozent und wird im nächsten Jahr sogar wieder leicht steigen. Das ist für mich kein Sparen.“
Bild: REUTERSDer Chef des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, antwortete in einem Interview mit der Zeitung "Die Welt" auf die Frage nach der Zukunft des Euros: "Natürlich kann Deutschland auch ohne den Euro existieren. Die Horrorszenarien, die für einen Austritt gemalt werden, sind allesamt übertrieben. Insbesondere stimmt es nicht, dass die Exportindustrie dann kaputt ginge." Es gäbe sogar - rein technisch gesehen - allerlei Vorteile.
Allerdings, so sagt der Ökonom, sollte Deutschland den Euro aus politischen Gründen nicht verlassen. Der Euro sei ein zentrales europäisches Integrationsprojekt. Außerdem würde ein Deutscher Euro-Austritt die Auslandsforderungen der deutschen Banken und Versicherungen sowie die alten Target-Forderungen der Bundesbank entwerten. "Wenn ein Land mit dem Euro nicht zurechtkommt, weil es nicht mehr wettbewerbsfähig ist, sollte es besser selbst austreten. Deutschland sollte aufhören, solche Länder künstlich mit immer mehr öffentlichen Krediten, die nie zurückgezahlt werden, im Euro zu halten", so Sinn weiter.
Bild: dpaBundesfinanzminister Wolfgang Schäuble hat Kritik an der Sparpolitik in Europa zurückgewiesen. „Die Schulden waren ja die Ursache der Krise, in der wir stecken“, sagte er am 25. April im Deutschlandfunk. „Jetzt zu sagen, wir machen wieder mehr Schulden, dann würde das Elend nur von neuem beginnen, das wäre genau die falsche Antwort.“ EU-Kommissionschef José Manuel Barroso hatte am Montag bei einer Diskussion in Brüssel gesagt, die gegenwärtige Politik stoße an ihre Grenzen. Schäuble betonte, die Jugendarbeitslosigkeit sei das größte Problem in Europa. Eine Abkehr von der Sanierung der öffentlichen Haushalte sei aber nicht der richtige Weg, um es zu lösen.
Nach den Protesten in Brasilien fürchtet der Harvard-Ökonom Niall Ferguson, dass sich die Unruhen nach Europa ausbreiten könnten. Er halte vor allem Frankreich für "extrem anfällig", sagte Fergusson dem Sender CNBC. Er befürchte, dass es "bereits in diesem Sommer so weit sein kann, dass wir die Stadt in Flammen sehen". Grund dafür sei die schlechte Wirtschaftslage, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und damit eine allgemein aufgeladene Stimmung gegen die Regierung von Francois Hollande. Fergusson sagte, dass Paris traditionell eine Stadt sei, in der es schnell zu Unruhen und Ausschreitungen komme.
Der Kollaps der griechischen Wirtschaft geht ungebremst weiter. Die auf Druck der europäischen Partner am Freitag verabschiedeten Steuererhöhungen wirken diesbezüglich wie ein Katalysator. Wer solche Retter hat, der braucht keine Feinde mehr. Die Steuermoral wird noch weiter sinken, die Mittelschicht in die Schwarzarbeit und die wohlhabenden Griechen ins Ausland getrieben. Neue Investitionen sind in diesem Umfeld kaum zu erwarten. Das Haushaltsdefizit wird sich 2013 ausweiten und die Schuldenkrise weiter verschärfen.
Dabei liegt das Land schon jetzt am Boden. Seit 2009 hat sich die Armutsrate von 20 auf 36 Prozent erhöht. 3,7 Millionen Griechen gehen noch einer Arbeit nach, vor allem im öffentlichen Dienst. 1,3 Millionen Griechen haben sich offiziell arbeitslos gemeldet, während 3,4 Millionen Erwerbsfähige sich resigniert verabschiedet haben und in der offiziellen Arbeitslosenstatistik nicht auftauchen.
Der zuletzt in Berlin zur Schau gestellte Optimismus des griechischen Premierministers Antonis Samaras entbehrt jeder Grundlage. Schon ohne Berücksichtigung der jetzt verabschiedeten Steuererhöhungen rechnete das Athener Wirtschaftsforschungsinstitut IOBE für 2013 mit einer Kontraktion der griechischen Wirtschaft um 4,6 Prozent. Neben der ökonomischen steht der griechischen Gesellschaft auch eine politische Zerreißprobe bevor.
Bild: dapdGeuro
Es war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee.
Bild: dpaStriktes Sparprogramm
Griechenland spart sich gesund. Der Plan sieht vor, dass Griechenland 2013 und 2014 gut 11,5 Milliarden Euro einspart – durch Kürzung der Gehältern der Staatsbediensteten sowie der Renten, des Verteidigungsetat und so weiter. Dass Griechenland seine Sparpläne einhält, glaubt kaum noch jemand. Die Prüfungskommission Troika wurde bisher bitter enttäuscht. Auch Regierungschef Antonis Samaras trägt nicht zum Vertrauen in die Sparbemühungen bei, wenn er wie Ende August geschehen bei den Schuldnerländern um einen Aufschub bis 2016 bittet. In wenigen Wochen wird die Troika ihren neuen Bericht vorlegen, dann wird man sehen, was Griechenland bisher erreicht hat.
Bild: dpa'Grexit" - Zurück zur Drachme
Das Land erklärt sich bankrott, steigt aus der Europäischen Währungsunion aus und kehrt zur Drachme zurück. Jahrelang warnten Euro-Politiker vor Ansteckungseffekte einer Griechenland-Pleite. Spanien, Italien oder Portugal würden dann ebenfalls in den Abgrund getrieben, hieß es einstimmig aus Brüssel. Doch die Stimmung hat sich gedreht. Das Risiko eines Austritts Griechenlands aus der Währungsunion wird in den Ländern der Euro-Zone mittlerweile für beherrschbar gehalten. Das "Grexit-Szenario" bleibt eine Option, sollte Griechenland seine Sparpläne nicht in die Tat umsetzen.
Bild: dapdKonzept "Südo"
Die Teilung des Euro in eine Gemeinschaftswährung der Südländer (Südo) und der Nordländer (Nordo) käme zwar vor allem Griechenland, aber auch Italien, Spanien und Portugal zugute. Da eine Abwertung des Südo gegenüber dem Nordo die unmittelbare Folge einer solchen Teilung wäre, würde sich die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Euro-Krisenländer entsprechend verbessern. Mit einer solchen Aufteilung wäre die Währungsunion langfristig ökonomisch stabil. Doch die Politik stellt sich quer – das Festhalten an der Einheitswährung ist europäische Staatsräson.
Bild: dapdProjekt Eureka
Es war eine geniale Idee der Unternehmensberatung Roland Berger: Der griechische Staat verkauft große Teile seines Staatsbesitzes – an Kulturgüter wie die Akropolis war dabei allerdings nicht gedacht – an eine europäische Treuhandanstalt. Mit dem Erlös hätte Griechenland seine Auslandsschulden abtragen können. Die Treuhand hätte dann rund 30 Jahre Zeit gehabt, die griechischen Staatsunternehmen zu sanieren und zu verkaufen. Deutsche und griechische Politiker hatten durchaus Sympathien für diesen Plan mit dem Namen „Eureka“. Doch es wurde nichts daraus.
Bild: dpaKonzept "Fixit"
Um den Griechen das Leben in der Europäischen Währungsunion zu erleichtern, könnten auch finanziell starke und hoch wettbewerbsfähige Länder die Euro-Zone verlassen. So haben etwa die Finnen angekündigt, sie könnten auch ohne Euro leben. Würden die Finnen tatsächlich austreten (Fixit) und machen die Niederlande, Estland und vor allem Deutschland diesen Schritt mit, würde das Griechenland die fällige Anpassung erleichtern. Vom Tisch ist diese Option noch nicht – der Schlüssel dazu liegt bei der Regierung in Helsinki.
Bild: dpaGeld drucken
Es ist der bequemste aller Auswege – und damit der wahrscheinlichste. Die Europäische Zentralbank (EZB) wirft die Notenpresse an. Und das geht so: Die Regierung in Athen gibt Staatsanleihen aus, griechische Banken kaufen die Titel auf und hinterlegen sie bei der EZB. Dafür bekommen sie frisches Zentralbankgeld. Darüber hinaus denkt die EZB darüber nach, wie sie weitere Staatsanleihen der Krisenländer vom Markt nehmen kann. Die Deutsche Bundesbank ist mit ihrem Widerstand gegen dieses Programm isoliert. 'Not kennt kein Gebot', lautet das Motto von EZB-Präsident Mario Draghi – und so ist der Staatsfinanzierung durch die Notenbank Tür und Tor geöffnet.
Bild: dpaDurchfinanzieren
Die internationale Gemeinschaft füttert Griechenland so lange durch, bis es wieder auf eigenen Füßen steht. Die derzeitigen Pläne zielen darauf ab, dass Griechenland mit den Nothilfen und einem scharfen Reform- und Sparprogramm seinen Schuldenstand bis 2020 auf 120,5 Prozent der Wirtschaftsleistung drückt - von derzeit über 160 Prozent. Schon jetzt ist absehbar, dass Griechenland das Ziel verfehlen wird. Ob der Internationalen Währungsfonds IWF und die europäischen Staaten weitere Hilfen gewähren, hängt davon ab, welche Fortschritte Griechenland macht - auch wenn es die genannten Ziele nicht erreicht.
Bild: dapdModell Sonderwirtschaftszone
BDI-Präsident Hans-Peter Keitel schlug im Interview mit der WirtschaftsWoche die Einrichtung einer Art Sonderwirtschaftszone für Griechenland vor. "Für zehn Jahre, mit Steueranreizen und ohne hinderliche Bürokratie, um dort attraktive Bedingungen für Wirtschaftsansiedlungen aus dem Ausland zu schaffen“, sagte Keitel. So könne Griechenland im Euroraum bleiben, vorausgesetzt es erfülle die vereinbarten Bedingungen. Das Modell Sonderwirtschaftszone ist vor allem für die dort ansässigen Unternehmen interessant, da sie von extrem günstigen Steuersätzen profitieren. Dem griechischen Staat nützt das kaum, denn was Griechenland braucht, sind mehr Staatseinnahmen. Den dringend nötigen Reformprozess hilft der Vorschlag nicht auf die Beine.
Bild: dapdGriechen tauschen ihre Euros
Kinderleicht ist die Rettung Griechenlands, wenn man der Idee des elfjährigen Jurre Hermanns folgt. Das Konzept des Schülers: Alle Griechen tragen ihre Euros zur Bank. Dort tauscht eine Maschine die gemeinsame Währung in Drachmen um. Die Euros gehen direkt an die Regierung, die damit ihre Schulden bezahlt. Jeder Kreditgeber, ob Unternehmen oder Banken, soll laut Jurres Plan "ein Stück von der Pizza erhalten". Der Schüler weiß, dass die Griechen ihre Euros nur ungern herausrücken werden, weil die Drachme, die die dafür erhalten, dramatisch an Wert verlieren wird. Er schreibt "You see, the Greek guy does not look happy!" Weil es aber sein muss, wird jeder, der versucht seine Euros zu behalten, bestraft. Wen die Regierung erwischt, der muss doppelt so viel abgeben. Die Idee ist gar nicht schlecht, fand auch die Jury des renommierten und mit 250.000 Pfund dotierten "Wolfson Economic Prize". Der niederländische Schüler bekam für seinen Rettungsplan immerhin eine Belobigung.
Geuro
Es war eine Idee des früheren Deutsche-Bank-Chefvolkswirts Thomas Mayer: Griechenland führt eine Parallelwährung ein, den Geuro, der neben dem Euro im Land zirkuliert. Unternehmen könnten dann ihre Beschäftigten mit dem Geuro bezahlen, diese sich dafür Lebensmittel und andere Verbrauchsgüter kaufen. Da sich die neue Parallelwährung gegenüber dem Euro schnell abwerten würde, wären griechische Produkte und Dienstleistungen – hier vor allem der Tourismus – schnell wieder wettbewerbsfähig. Nach außen hin könnte das Land weiter in Euro rechnen. Es blieb eine Idee.
Seit dem Ende der Militärdiktatur wurde Griechenland abwechselnd von der sozialistischen PASOK und der konservativen Nea Dimokratia regiert. Beide Parteien unterhalten einen gigantischen Hofstaat mit unzähligen Günstlingen, der bis in die abgelegensten griechischen Bergdörfer hineinreicht. Dieser Nepotismus wird auch in Zukunft alle Reformbemühungen blockieren.
Die Diskussion um die 2062 Namen umfassende Lagarde-Liste möglicher griechischer Steuerbetrüger mit Konten in der Schweiz steht erst am Anfang, löst aber bereits politische Schockwellen aus. Der ehemalige PASOK-Finanzminister Giorgios Papakonstantinou hatte zuerst die Liste und dann die dort aufgeführten Namen dreier Verwandter verschwinden lassen, bevor die Liste bei seinem Nachfolger Evangelos Venizelos wieder auftauchte.
Bereits im Dezember berichtete der britische „Telegraph“, dass Margaret Papandreou, die 89 Jahre alte Witwe des ehemaligen Premierministers Andreas Papandreou, unter einem Decknamen in der HSBC-Filiale in Genf 550 Millionen Euro deponiert haben soll. Papandreou war für seine großzügige Haltung im Umgang mit öffentlichem Vermögen bekannt. Sein Sohn Giorgios war bis März 2012 PASOK-Parteichef und bis November 2011 griechischer Premier.
Steuerbetrug ist in dieser Konstellation noch der harmloseste Vorwurf. Vom anhaltenden Niedergang der einst großen linken Volkspartei PASOK profitieren vor allem die radikale Linke und die Neofaschisten. Griechenland wird zusehends unregierbarer.















