Slowenien: Slowenien bekennt sich zum Sparkurs

03. Dezember 2012
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Borut Pahor Quelle: dpa

Das Euro-Land steckt in der Krise und gilt als Kandidat für den Rettungsschirm. Doch Slowenien versucht aus eigener Kraft die Wende zu schaffen – und sendete bei der Präsidentschaftswahl ein deutliches Signal.

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In Slowenien ist der Oppositionspolitiker Borut Pahor zum neuen Präsidenten gewählt worden. Der einstige sozialdemokratische Regierungschef setzte sich am Sonntag in einer Stichwahl gegen Amtsinhaber Danilo Türk durch, nachdem er schon die erste Wahlrunde völlig überraschend für sich entschieden hatte. Pahor kam in der Stichwahl am Sonntag auf knapp 68 Prozent der Stimmen, der ursprünglich favorisierte Türk auf 32.

Wissenswertes über Slowenien

  • Große Berge, kleine Küste

    Das kleine Slowenien hat vier Nachbarn: Österreich, Italien, Ungarn und Kroatien. Trotz seiner relativ kleinen Staatsfläche von gut 20.000 Quadratkilometern ist es sehr vielseitig. Im Norden ist die Landschaft alpin, hier befindet sich auch der höchste Berg: der 2864 Meter hohe Triglav. Im äußersten Südwesten des Landes liegt die nur 46,6 Kilometer lange Adria-Küste.

  • Regierungschefs haben’s schwer

    Seit seiner Unabhängigkeit 1991 hat das Land schon sieben Premierminister verschleißt. Das ergibt eine durchschnittliche Amtszeit von 2,6 Jahren.

  • Achtung, Bären

    In Slowenien lebt eine der größten Populationen des Braunbären in Europa. Es soll zwischen 500 und 700 Exemplare geben.

  • Krieg auf europäischem Boden

    Der Kampf für die Unabhängigkeit Sloweniens 1991, auch bekannt als 10-Tage-Krieg, war der erste Krieg in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Trotz der kurzen Dauer gab es 76 Opfer zu beklagen.

  • Die älteste Flöte der Welt

    Die zumindest 45.000 Jahre alte und in Slowenien gefundene Neandertaler-Flöte ist eines der ältesten Musikinstrumente der Welt.

  • Speisesaal in der Tiefe

    Der Speisessaal des Kohlebergwerks in Velenje, 160 Meter unter der Erdoberfläche, ist der am tiefsten gelegene Speisesaal in Europa. Der Raum ist ungefähr 15 Meter lang, dort gibt es zwölf Tische, an denen 48 Menschen essen können.

  • Höchster Schlot Europas

    In Slowenien befindet sich der höchste Industrieschornstein Europas. Der Schornstein des Wärmekraftwerks in Trbovlje ist 362 Meter hoch. Mit der ungewöhnlichen Höhe wollte man die Luftverschmutzung in niedrigeren Luftschichten verhindern.

  • Todesmutiger Extremsportler

    Der Slowene Davo Karničar ist als Erster vom höchsten Gipfel der Erde, dem Mount Everest, mit Skier hinab gefahren. Karničar war auch der erste Mensch der Welt, der alle höchsten Gipfel auf sieben Kontinenten mit Skiern bezwang.

  • Der älteste Weinstock der Welt

    In Maribor, der zweitgrößten Stadt Sloweniens, wächst der älteste Weinstock der Welt. Obwohl die „Alte Rebe“ über 400 Jahre alt ist, werden aus ihren Trauben alljährlich noch immer 25 Liter Wein der autochthonen Weinsorte Žametovka („Blauer Kölner“) hergestellt.

Der Demokrat, dessen Regierung noch Ende 2011 wegen ihrer schmerzhaften Renten- und Arbeitsmarktreformen abgewählt wurde, feiert damit ein Comeback an der Spitze des Alpen-Staates – ohne von seinen politischen Überzeugungen abzurücken. Im Vorfeld der Wahl hatte sich Pahor für eine Zusammenarbeit von Regierung und Opposition ausgesprochen, um die Probleme des Landes zu lösen und insbesondere den Sparkurs der Mitte-rechts-Koalition von Regierungschef Janez Jansa gelobt. Dieser will unter anderem das Renteneintrittsalter heraufsetzen, Rechte von Arbeitnehmern lockern, Sozialausgaben einschränken und den Verkauf von Staatsbesitz forcieren, um die Verschuldung nicht ausufern zu lassen.

Die größten Unternehmen Sloweniens

  • Petrol

    Petrol ist ein Mineralölkonzern, das über keine eigenen Produktionskapazitäten verfügt (Förderung, Raffinerie) sondern ausschließlich handelt. Dennoch ist es das umsatzstärkste Unternehmen Sloweniens. Dank seiner Marktführerschaft im Großhandel als auch im Tankstellengeschäft erwirtschaftete Petrol zuletzt einen Umsatz von 2,86 Milliarden Euro.

  • Mercator

    Die börsennotierte Handelskette musste 2011 einen Gewinnrückgang hinnehmen. Die Einnahmen brachen um 22,5 Prozent auf 23,5 Millionen Euro ein. Gleichzeitig stieg der Umsatz um 5,3 Prozent auf 2,9 Milliarden Euro. Für Mercator, das Filialen in Kroatien, Serbien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Mazedonien, Bulgarien und Albanien unterhält, arbeiten fast 24.3000 Menschen, davon 9.959 in Slowenien.

  • HSE

    Der staatliche Energiekonzern HSE (Holding Slovenske elektrarne) wurde erst im Juli 2001 gegründet. HSE erwirtschaftete 2011 mit 1,36 Milliarden Euro den drittgrößten Umsatz aller slowenischen Unternehmen. Das Unternehmen ist unter anderem auch in Bulgarien und Ungarn aktiv.

  • Revoz

    In Slowenien arbeiten viele Automobil-Zulieferer. Es gibt aber nur ein slowenisches Unternehmen, das Auto herstellt: Revoz. Die Aktiengesellschaft mit rund 2600 Mitarbeitern befindet sich zu 100 Prozent im Besitz von Renault. In der Stadt Novo mesto werden unter anderem der Renault Twingo II und der Renault Wind gebaut. Revoz machte 2011 einen Umsatz von 1,13 Milliarden Euro.

  • KRKA

    Das weltweit agierende Pharmakonzern wurde 1954 gegründet und nach dem slowenischen Fluss Krka benannt. 2010 beschäftigte die Aktiengesellschaft über 8000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von rund einer Milliarde Euro. Es ist damit das fünfgrößte slowenische Unternehmen, liegt aber mit einem Nettogewinn von 150,4 Millionen Euro (2011) in der Gewinn-Rangliste auf Rang eins.

Der bisherige Amtsinhaber Türk nannte die Regierung hingegen „erfolglos und arrogant“. Im Land war es zuletzt vermehrt zu Protesten gegen die Vorhaben und auch gegen Korruption gekommen. Erst am Freitag gab es 15 Verletzte - zumeist Polizisten - und 30 Festnahmen nach Zusammenstößen zwischen der Polizei und Demonstranten in der Hauptstadt Ljubljana.

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Slowenien mit seinen zwei Millionen Bürgern gehörte einst zu den wachstumsstärksten Ländern der Euro-Zone, wurde aber 2009 mit einem Rückgang seiner Wirtschaftsleistung um acht Prozent von der weltweiten Rezession massiv getroffen. Nach einer leichten Wachstumsphase 2010 zeigten die Zeichen dann wieder auf Rezession.

Inzwischen gilt das Land als Kandidat für den europäischen Rettungsschirm. Seit September haben alle großen Ratingagenturen die Bonität des Euro-Landes wegen schleppender Reformen, dem steigenden Haushaltsdefizit und Risiken im Bankensektor herabgestuft. Das Nachbarland Österreichs gehört seit 2007 zur Euro-Währungsgemeinschaft.

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