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Spanien: Schäuble wirbt um Zustimmung für Bankenhilfen

In einer Sondersitzung will der Bundestag heute über das 100 Milliarden Euro schwere Rettungspaket für Spaniens angeschlagene Banken entscheiden. Die Zustimmung gilt als nahezu sicher.

In diesem Jahr hat Bundestagspräsident Norbert Lammert die Abgeordneten schon bei der letzten regulären Sitzung vor der Sommerpause mit der Mahnung verabschiedet: „Schwimmen Sie nicht so weit raus und achten Sie darauf, das Handgepäck immer griffbereit zu halten.“ Jetzt wurden die Parlamentarier zurückbeordert, um über die Bankenhilfen für Spanien abzustimmen.

Bild: dapd

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hat nachdrücklich für die geplanten Milliardenhilfen zur Stützung der spanischen Banken geworben. Schon der Anschein, dass die spanische Zahlungsfähigkeit in Gefahr sei, könne zu gravierenden Ansteckungseffekten im Euro-Raum führen, warnte Schäuble am Donnerstag bei einer Regierungserklärung im Bundestag. Gleichzeitig stellt er klar, dass die Finanzhilfen an strenge Auflagen gekoppelt seien. „Spanien haftet als Staat für die Hilfen aus dem EFSF“, versicherte der Minister.

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Schäuble betonte in seiner Regierungserklärung, Spanien sei auf einem guten Weg. Das Land habe ein Programm mit Ausgabenkürzungen und Einnahmensteigerungen mit einem Volumen von 56 Milliarden Euro vorgestellt, um sein „übermäßiges Defizit“ bis zum Jahr 2014 abzubauen. „Diese strukturellen Reformen Spaniens sind richtig und notwendig.“

Der Bundestag will heute bei einer Sondersitzung über die 100-Milliarden-Hilfe für Spaniens marode Banken entscheiden. Eine Mehrheit im Parlament scheint sicher. Allerdings wurde im Haushaltsausschuss am Mittwochabend auch großes Unbehagen über Rettungsaktion deutlich. Zahlreiche Abgeordnete von Union und FDP signalisierten, dass sie nicht zustimmen wollen. SPD und Grüne wollen sich offensichtlich erst bei ihren Fraktionssitzungen unmittelbar vor der Sondersitzung des Parlaments endgültig festlegen.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rechnet mit einer breiten Mehrheit. Allerdings schien es am Mittwoch unwahrscheinlich, dass sie allein aus den Koalitionsfraktionen die sogenannte Kanzlermehrheit von mindestens 311 der insgesamt 620 Abgeordneten bekommt. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und andere Politiker der Koalition spielten die Bedeutung dieser symbolisch wichtigen Mehrheit herunter. „Wir wählen heute keine Kanzlerin“, sagte FDP-Generalsekretär Patrick Döring der „Neuen Osnabrücker Zeitung".

Grundsätzlich braucht die Kanzlerin nur eine einfache Mehrheit für den Beschluss, also die Mehrheit der abgegebenen Stimmen. Der Haushaltsausschuss gab am Abend kein Votum zu der geplanten 100-Milliarden-Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds EFSF ab. Der EFSF hat noch ein Volumen von 240 Milliarden Euro. Deutschland haftet mit knapp 30 Prozent.

5 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 19.07.2012, 18:55 UhrKabus-wiwo

    Das hätte ein ehrlicher Schäuble im Bundestag sagen müssen :

    - In dieser Ausnahmesituation müsse der Bundestag die Hilfen für Spanien freigeben - und "zum wiederholten Mal" einen Beitrag zur Erhaltung des Euro leisten. -

    - Schon der Anschein einer Gefährdung der Zahlungsfähigkeit des Staates bedeutete "auch hier, genauso wie in Griechenland und anderen geholfenen Staaten" Ansteckungsgefahren für andere Länder. -

    - Wegen der Schwäche einiger spanischer,"vollkommen systemirrelvanter" Banken drohe die Gefährdung der Finanzstabilität der gesamten Eurozone. -

    Wie wäre es denn damit geweesen, den Banken die notleidenden Kredite von Häuslebauern einfach abzukaufen? Dei Zockerbanken hätten ihre Bilanzen dann bereinigt, zusätzliches Eigenkapital aktiviert und statt mal eben 100 Mrd. € diesen Provinzbanken in den Rachen zu schmeissen, hätte man immerhin die Immobilien als Sicherheit und verwertbares Vermögen gehabt. Faktisch hätte man sogar besser den Häuslebauern die Häuser unter Wert verkaufen oder sogar schenken können, wobei letzteres ein Beitrag für dauerhaft mehr Konsum gewesen wäre, als diese Pleitebanken zu retten.

  • 19.07.2012, 16:12 UhrWegweiser

    Diese Hilfen widersprechen eindeutig den Vorgaben des Maastrichter Vertrages. Dieser legte bindend fest, dass jeder Staat für seine eigenen Schulden und Verbindlichkeiten verantwortlich ist. Dazu gehören auch die Banken, die seiner eigenen rechtlichen Kontrolle unterworfen sind. Der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB war der erste Schritt hin zu einer Haftungs-, Transfer- und Verschuldungsunion, der EFSF der zweite. Hizu kam seit 2007 die Salden aus dem Target 2 Mechanismus, die keinerlei materielle Besicherungen besitzen und auch nicht limitiert werden.

    Herr W. Schäube hat selbst entscheidend an den Maastrichter Verträgen mitgewirkt. Er sollte diese genauestens kennen. Selbst diese weitere Hilfsmaßnahmen, die von den Fonds EFSF und dem kommenden ESM zusätzlich für die Banken geleistet werden sollen, können kaum eine wirkliche Stabilisierung und ökonomische Erholung gewährleisten. Eine bereits real stattfindende Kapitalflucht kontakariert diese Hilfsmaßnahmen, eine tragfähige, glaubwürdige und nachhaltige Lösung ist weiterhin nicht zu erwarten.

    Spanien kann seine ökonomische Neuausrichtung nur mit einer eigenen Währung gelingen, die man abwerten kann. Dazu gehört auch unabdingbar die Insolvenz von nicht mehr marktfähigen Kreditinstituten am spanischen Markt. Dazu bedarf es jedoch eines großen Wurfes, dieser ist jedoch von keinem europäischen, spanischen oder gar deutschen Politiker zu erwarten. Der Euro ist und bleibt eine politisches Projekt, hinter dem sich alle rechtlichen und auch ökonomischen Überlegungen unterzuordnen haben. Dies wird jedoch so niemals gelingen. Die Rettungserwartungen steigen, die Schulden ebenso. Der Abschluss wäre eine Bankenunion mit gemeinsamer Bankeneinlagesicherung.

    Endziel und Endstadion wäre dann die EZB, Gelddruckautomat.

  • 19.07.2012, 15:30 UhrEinBuerger

    Ganz einfach: Die Märkte mißtrauen Spanien, und ich auch.

    Und außerdem mißtraue ich:
    - Merkel & Schäuble
    - der restlichen deutschen Regierung
    - 95% der deutschen Parlamentarier

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