Staatsanleihen: Deutschland lässt Spanien am Bondsmarkt den Vortritt

Staatsanleihen: Deutschland lässt Spanien am Bondsmarkt den Vortritt

Spanien ist Deutschland am Anleihemarkt einen Schritt voraus – zumindest zeitlich. Fast alle Bonds für 2012 wurden schon ausgegeben. Ein beunruhigendes Zeichen für die Bundesrepublik ist das aber nicht. Warum sich Deutschland bei Anleiheemissionen mehr Zeit lassen kann als Länder wie Spanien oder Italien.

Spanien gibt das Tempo vor: Das krisengebeutelte Land beschafft sich am Anleihemarkt schneller Geld als andere und liegt beim Finanzierungs-Fortschritt für 2012 auf dem zweiten Platz aller Euro-Länder. Dies ermittelten die Experten der Unicredit in einer Analyse. 88 Prozent ihres diesjährigen Bedarfs hätten die Iberer bereits eingesammelt, einzig Österreich sei mit 92 Prozent noch schneller gewesen.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im September angekündigt hatte, im Notfall Staatsanleihen der Länder zu kaufen, die unter den europäischen Rettungsschirm fallen, hat sich die Stimmung an den Anleihemärkten deutlich gebessert – Spanien nutzte die fallenden Renditen und brachte zahlreiche Anleihen an den Markt. Erst am vergangenen Donnerstag platzierte die Regierung in Madrid Bonds über vier Milliarden Euro am Markt. Allerdings handelte es sich dabei ausschließlich um Papiere mit kurzen Laufzeiten zwischen zwei und fünf Jahren.  

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Während Spanien aufs Tempo drückt, lässt Deutschland sich Zeit. Lediglich 80 Prozent des Finanzbedarfs sei bisher eingesammelt worden, innerhalb der Währungsunion liege die oft als sicherer Hafen bezeichnete Bundesrepublik damit auf dem letzten Platz.

So könnte das Banken-Rettungspaket aussehen

  • Kreditvolumen

    Ein Rettungspaket für Slowenien könnte sich an den Hilfen für die maroden Banken Spaniens orientieren. Dort wird der Kredit im Volumen von bis zu 100 Milliarden Euro durch den spanischen staatlichen Bankenrettungsfonds FROB geleitet. Die Banken, die Gelder benötigen, können darauf zurückgreifen. Bei der Summe ist eine „Sicherheitsspanne“ mit einkalkuliert. Slowenien braucht nur maximal ein Zehntel der Summe.

  • Bedingungen

    Auch Slowenien könnte einen Bankenrettungsfonds ins Leben rufen, der die volle Verantwortung für die Finanzhilfe behält und die Vereinbarung unterzeichnet. Beim spanischen Pendant heißt es: Die Bedingungen sollen sich „auf spezifische Reformen im Finanzsektor konzentrieren”.

  • Sicherheiten

    Die Fortschritte, die die Hilfsempfänger wie Spanien bei strukturellen Reformen und dem Defizitabbau machen, sollen „parallel zur Finanzhilfe eng und regelmäßig überwacht” werden.

  • Rettungsfonds

    Damit Slowenien Hilfe bekommen kann, muss das Land - wie Spanien - einen offiziellen Rettungsantrag stellen. Dem müssen die Euro-Partner zustimmen. Offen ist, ob die Europäische Finanzstabilisierungsfazilität (EFSF) oder der permanente Rettungsschirm Europäischer Stabilitätsmechanismus (ESM) den Kredit zur Verfügung stellen wird. Die Kredite des ESM sind gegenüber anderen Verbindlichkeiten vorrangig eingestuft.

  • Zinsen

    Für Spanien soll der Zinssatz für den Kredit bei drei Prozent liegen, berichtet die Zeitung "El Pais". Mit einem ähnlichen Zinssatz müsste auch Slowenien rechnen.

Muss sich Deutschland jetzt um seine Finanzierung sorgen? Vermutlich nicht, denn die Bundesrepublik lässt sich bei der Emission ihrer Anleihen traditionell mehr Zeit als andere. „Vom Stand der Refinanzierung eines Landes lässt sich nicht auf die jeweilige Bonität schließen“, erklärt Daniel Hartmann, Analyst beim Anlagespezialisten Bantleon. Für Länder wie Deutschland, die ihre Papiere teilweise sogar zu negativen Zinsen veräußern, bestehe kein Grund zur Eile. „Deutschland liegt genau im Plan“, sagt Hartmann. Solange es keine Probleme bei der Refinanzierung gäbe, bestehe auch kein Anreiz, davon abzuweichen.

Denn Bundesanleihen werden nach einem festen Zeitplan ausgegeben. Diesen erstellt die zuständige Bundesfinanzagentur jeweils am Jahresende für die kommenden zwölf Monate, auf diese Weise sollen sich Investoren frühzeitig auf die geplanten Emissionen der Bundeswertpapiere einstellen können. Insgesamt will der Bund dieses Jahr 255 Milliarden Euro an Kapital einsammeln, 52 Milliarden davon im abschließenden vierten Quartal. Die Höhe der Emissionen richtet sich nach den auslaufenden Anleihen und dem geschätzten Budgetdefizit. Fällt das kleiner aus als erwartet, können Emissionen am Jahresende sogar abgesagt werden.

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