Staatsanleihen: Top-Investor Pimco wendet sich von Deutschland ab

Staatsanleihen: Top-Investor Pimco wendet sich von Deutschland ab

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Investoren zeichnen ein düsteres Bild von der Zukunft der Gemeinschaftswährung.

Der Vermögensverwalter Pimco trennt sich aus Angst vor einem Zusammenbruch der Euro-Zone zunehmend von deutschen Staatsanleihen. Erstmals wendet sich damit ein Top-Investor ab.

Der Vermögensverwalter Pimco hat wegen der Schuldenkrise nur noch wenige Bundesanleihen in seinen Depots. „Deutschland verliert durch die zunehmenden Risiken an Qualität“, erklärte Andrew Bosomworth, Fondsmanager und Deutschland-Chef des Vermögensverwalters am Mittwoch lautstark. Durch die milliardenschweren Rettungsschirme gehe Deutschland immer höhere Risiken ein. Langfristig könne eine Rückzahlung der Kredite nicht mehr garantiert werden.

Die mageren Renditen der deutschen Titel spielten laut Bosomworth nur eine untergeordnete Rolle. „Wir achten in erster Linie auf das Rückzahlungspotenzial und erst in zweiter Linie auf die Rendite. Wenn es sein muss, nehmen wir sogar negative Real-Renditen in Kauf.“

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Folgen einer Staatspleite für Gläubiger

  • Wie hoch waren die Verluste privater Gläubiger bei Staatspleiten?

    Die Rating-Agentur Moody's hat 13 staatliche Zahlungsausfälle zwischen 1998 und 2008 untersucht. Danach mussten die Gläubiger 30 Tage nach dem Zahlungsverzug einen durchschnittlichen Abschlag von rund 50 Prozent hinnehmen.

    Der Zahlungsausfall schwankte in den einzelnen Ländern aber stark. Gläubiger der Dominikanischen Republik kamen mit einem Minus von fünf Prozent noch glimpflich davon. Für Zeichner russischer Anleihen lag der Verlust mit 82 Prozent um ein Vielfaches höher.

  • Wurden ausländische Gläubiger benachteiligt?

    Grundsätzlich werden ausländische Investoren nicht schlechter behandelt als einheimische Gläubiger. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF).

    Allerdings gibt es auch hier keine Regeln ohne Ausnahmen: Sowohl die Ukraine als auch Russland räumten den einheimischen Investoren „deutlich bessere Deals“ ein.

  • Wie schnell erholen sich Länder von einer Staatspleite?

    „Sowohl die russische als auch die argentinische Wirtschaft konnten die Krise relativ schnell überwinden, profitierten dabei aber von außergewöhnlich günstigen Rahmenbedingungen“, heißt es in einer Commerzbank-Studie. In Russland brach die Wirtschaftsleistung im Krisenjahr 1998 um rund 5,5 Prozent ein, ehe sie in den Folgejahren wegen des Rohstoffbooms um durchschnittlich etwa sieben Prozent wuchs.

    Auch Argentinien erholte sich dank der steigenden Rohstoffnachfrage rasch. „Anleger sollten diese Erfolge daher nicht bedenkenlos auf andere Länder übertragen“, warnen die Experten der Commerzbank.

  • Sind Hilfen des IWF eine Garantie gegen Staatspleiten?

    Neben den Euro-Ländern hilft auch der IWF mit Geldern aus: Sowohl in Griechenland als auch in Irland ist der erfahrende Krisenhelfer mit im Boot. Aber auch IWF-Hilfen waren in der Vergangenheit keine Garantie gegen Staatspleiten, wie das Beispiel Russland zeigt.

    IWF und Weltbank sagten dem vor dem finanziellen Kollaps stehenden Land im Krisenjahr 1998 Hilfen von 22,6 Milliarden Dollar zu. Dennoch bediente der Staat ab August 1998 seine Schulden nicht mehr.

  • Was passiert, wenn IWF-Auflagen missachtet werden?

    Bedingung für IWF-Hilfen sind strenge Auflagen, die aber nicht immer eingehalten werden. Der IWF schnürte 2000/2001 mehrere Hilfspakete für Argentinien - er erhöhte die Kreditlinien, organisierte Kreditzusagen der Weltbank und der spanischen Regierung.

    Die Regierung aber sparte nicht wie vereinbart, sondern fuhr ihre Ausgaben im Kampf gegen die Wirtschaftskrise sogar hoch. Argentinien verfehlte damit die mit dem IWF vereinbarten Haushaltsziele.

    Der Fonds setzte deshalb im Dezember 2001 die Zahlungen aus. Am 3. Januar 2002 konnte Argentinien seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr erfüllen.

Der Schritt Pimcos ist überraschend. Zum ersten Mal wendet sich ein Top-Investor von Deutschland ab - einem Land, das bisher als sicherer Hafen in der Welt gilt. Pimco sendet damit ein politisches Signal vor den wohl wichtigsten Wochen für die Gemeinschaftswährung seit dem Ausbruch der Schuldenkrise. Am Sonntag wählt Griechenland ein neues Parlament, Ende des Monats diskutiert ein EU-Gipfel über Bankenunion und Eurobonds.

Analysten halten es dennoch für ausgeschlossen, dass viele Investoren dem Beispiel Pimcos folgen. „Sollte ein Bruch der Euro-Zone wahrscheinlicher werden, wären deutsche Bonds erst recht wieder Zufluchtsort,“ schreiben die Analysten der Metzler Bank in einem Kommentar. Es fehle einfach an Alternativen zu Deutschland, urteilte auch Commerzbank-Analyst Marcel Bross.

Fragen und Antworten zur Kreditwürdigkeit

  • Warum sind Bonitätsnoten für ein Land wichtig?

    Die Noten der drei führenden Agenturen S&P, Moody's und Fitch sind maßgeblich für die Finanzierungskosten der Staaten am Kapitalmarkt. Die Faustregel: Je besser die Bonitätsnote, desto günstiger das Zinsniveau, zu dem ein Land Geld aufnehmen kann.

  • Gilt diese Faustregel immer?

    Es gibt Ausnahmen: So haben die USA trotz immenser Verschuldung und einer Herabstufung durch S&P im vergangenen Sommer nach wie vor keine Probleme, günstig Mittel einzusammeln. Die weltgrößte Volkswirtschaft gilt weiter als „sicherer Hafen“, weil der US-Dollar die globale Leitwährung ist und die Notenbank Fed bereit ist, ihn in unbegrenzten Mengen zu drucken. Diese Quasi-Versicherung gegen einen Zahlungsausfall für US-Staatsschulden überzeugt internationale Gläubiger bislang noch - zumal die Alternativen rar sind.

  • Welche Konsequenzen hat die S&P-Drohung für die „AAA“-Euroländer?

    Die Wahrscheinlichkeit liegt nun laut S&P bei 50 Prozent, dass die verbleibenden Euro-Staaten mit Spitzenbonität ihre Bestnote in den kommenden 90 Tagen verlieren. Das sind neben Deutschland Frankreich,Österreich, Luxemburg, die Niederlande und Finnland. Frankreich, das bereits seit längerem unter Abwertungsdruck steht, könnte sogar gleich um zwei Bonitätsstufen abgesenkt werden. Zudem hat in Moody's auch die zweite große Ratingagentur das Land auf dem Kieker. Für die Euro-Rettung ist dies äußerst brisant: Mit Frankreich wackelt die zweitwichtigste Finanzierungssäule des Krisenfonds EFSF.

  • Was wird ohne Top-Rating aus dem Euro-Rettungsschirm?

    Für den EFSF hätte ein Verlust der Spitzenbonität weitreichende Folgen. Die Topnoten der Ratingagenturen sind Voraussetzung, damit der Krisenfonds mit maximaler Schlagkraft agieren kann. Eine Herabstufung der wichtigsten Garantiegeber Deutschland und Frankreich würde auch die Note des EFSF gefährden und damit das Aus des Rettungsschirms in seiner bisherigen Konstruktion bedeuten.

  • Wie begründet S&P seine Entscheidung?

    Der Ratingagentur zufolge haben die Probleme im Euroraum ein Maß erreicht, das die Währungszone als Ganzes unter Druck setzt. S&P kritisiert auch unkoordiniertes und unentschlossenes Handeln der Politiker. Es gebe zudem das Risiko, dass die Eurozone im kommenden Jahr in die Rezession rutsche. Auch Deutschland könnte nach Einschätzung der Agentur in den Abwärtssog geraten.

  • Ist der Rundumschlag der Ratingagentur angebracht?

    Experten sind sich uneins: Die Commerzbank-Analysten bezeichnen den Vorstoß als „aggressiv“, aber vertretbar. Er unterstreiche, „dass es in dieser Krise kein Entrinnen gibt - nicht einmal für die absoluten Top-Credits in der Eurozone“. Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, hat dagegen kein Verständnis. Angesichts der jüngsten Entspannung in der Schuldenkrise liefere S&P in seiner Begründung „schlichtweg und ergreifend Unwahrheiten“.

  • Warum droht S&P direkt vor dem nächsten EU-Gipfel mit Abstufungen?

    Damit setzt die Ratingagentur die Euro-Retter unter Handlungsdruck. Das Unternehmen weist darauf hin, dass die Gipfel-Ergebnisse entscheidend für die weitere Bewertung der Länder der Eurozone seien. Kanzlerin Angela Merkel und dem französischen Präsident Nicolas Sarkozy könnte die Drohung zur Unzeit sogar in die Karten spielen. Merkel liefert sie Argumente dafür, die europäischen Verträge zugunsten von mehr Haushaltsdisziplin und automatischen Schuldenbremsen zu ändern. Sarkozy stärkt sie innenpolitisch den Rücken, um die Sparanstrengungen zu forcieren.

  • Welche Länder haben überhaupt noch Top-Bonitätsnoten?

    Weltweit verfügen noch nicht einmal 20 Staaten über ein „AAA“-Rating von S&P, dazu zählen aber auch einige Steueroasen und Zwergstaaten. In Europa verfügen - noch - zwölf Länder über ein Top-Rating. Von den großen Industrie- und Schwellenländern (G20) sind es fünf. Dazu gehören Deutschland, Frankreich, Kanada, Australien und Großbritannien. Industriegiganten wie die USA („AA+“), China („AA-“) oder Japan („AA-“) sind nicht darunter. Investoren reagieren jedoch häufig erst auf Herabstufungen, wenn mindestens zwei Agenturen sie vornehmen. Die USA beispielsweise werden von Fitch und Moody's bislang noch mit „Triple A“ bewertet.

  • Worauf gründen Ratingagenturen eigentlich ihre Entscheidungen?

    Grundsätzlich legen die großen Agenturen ihre Methodik nicht im Detail offen. Kritiker bemängeln besonders im Zusammenhang mit der Schuldenkrise im Euroraum, dass die Ratingunternehmen lediglich den Marktentwicklungen folgen und auf neue Zuspitzungen reagieren, auch wenn diese fundamental nicht immer gerechtfertigt seien. Experten sehen den harten Kurs allerdings auch im Zusammenhang mit den laschen Bewertungsstandards während der US-Hypothekenkrise waren. Damals mussten sich die Bonitätsprüfer häufig den Vorwurf gefallen lassen, riskante Papiere tendenziell zu positiv zu bewerten.

Deutsche Auktion 1,4-fach überzeichnet

Bei einer Auktion deutscher Staatsanleihen am Mittwoch griffen die Anleger beherzt zu. Die Emission einer zehnjährigen Bundesanleihe spülte gut vier Milliarden Euro in die Staatskasse, die Versteigerung war 1,4-fach überzeichnet. Im Mai war die Emission noch 1,5-fach überzeichnet. „Das ist ein unspektakuläres, aber solides Ergebnis“, sagte Analyst Sebastian von Koss von HSBC Trinkaus. Auch das hoch verschuldete Italien hat den Kapitalmarkt erfolgreich angezapft und sammelte insgesamt 6,5 Milliarden Euro ein.

Die durchschnittliche Rendite für einjährige Papiere stieg auf 3,97 Prozent. „Angesichts der schwierigen Umstände hätte die Auktion wesentlich schlechter verlaufen können. Aber die Ergebnisse zeigen, dass die Stimmung angespannt ist und die Ansteckungsgefahr zunimmt“, sagte Sergio Capaldi, Analyst bei Intesa Sanpaolo. Italien war an den Märkten zuletzt als nächster Kandidat für Hilfen aus dem Euro-Rettungsschirm gehandelt worden.

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