Stephen Ross: "Die Zentralbank ist dem Volk verpflichtet, nicht den Banken"

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InterviewStephen Ross: "Die Zentralbank ist dem Volk verpflichtet, nicht den Banken"

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Stephen Ross warnt vor längerfristig steigender Inflation.

von Malte Fischer

Der renommierte Finanzmarktexperte Stephen Ross fürchtet neue Preisblasen an den Vermögensmärkten – und warnt vor längerfristig steigender Inflation.

WirtschaftsWoche: Professor Ross, Sie haben intensiv über die Finanzmärkte geforscht. Hat Sie Ihr Wissen zum Millionär gemacht?

Stephan Ross: Sagen wir es mal so: Es ist ganz gut gelaufen für mich. Meine Erkenntnisse haben mir bei der Geldanlage geholfen.

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Der Kampf der EZB gegen die Krise

  • 15. September 2008

    Nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers öffnen die großen Zentralbanken die Geldschleusen, um mitten in der Panik an den Finanzmärkten die Geschäfte am Geldmarkt am Laufen zu halten.

  • 8. Oktober 2008

    Die wichtigsten Notenbanken der Welt senken gemeinsam die Zinsen - ein historischer Schritt.

  • 4. Dezember 2008

    Die EZB senkt ihren Leitzins überraschend um einen dreiviertel Prozentpunkt auf 2,5 Prozent. Es ist der größte Zinsschritt seit der Einführung des Euro.

  • 24. Juni 2009

    Die EZB stellt den Banken der Euro-Zone erstmals für ein ganzes Jahr Liquidität zur Verfügung. Mehr als 1000 Banken rufen 442 Milliarden Euro ab.

  • 8. August 2011

    Die EZB beginnt mit dem Ankauf von Anleihen Italiens und Spaniens. Beide Länder waren zuvor ins Visier der Märkte geraten.

  • 3. November 2011

    Der neue EZB-Präsident Mario Draghi startet seine Amtszeit mit einem Paukenschlag und senkt den Leitzins auf 1,25 Prozent. Unter seinem Vorgänger Jean-Claude Trichet hatte die EZB den Schlüsselzins zuvor in zwei Schritten von einem auf 1,5 Prozent angehoben.

  • 30. November 2011

    In einer koordinierten Aktion stellen die EZB, die amerikanische Fed sowie die Zentralbanken Kanadas, Japans, Großbritanniens und der Schweiz den von der Krise gebeutelten europäischen Banken Dollar zur Verfügung. Den Instituten fiel es zuvor schwer, sich Dollar-Kredite zu beschaffen - viele US-Investoren hatten ihnen aus Angst vor den Folgen der Schuldenkrise den Geldhahn zugedreht.

  • 8. Dezember 2011

    Die EZB senkt den Leitzins auf ein Prozent. Zudem werden die Refinanzierungsgeschäfte für die Banken angekündigt.

  • 29. Februar 2012

    Die EZB stellt den Geschäftsbanken in zwei Tranchen zusammen mehr als eine Billion Euro an Liquidität zur Verfügung.

  • 25. Juli 2012

    Die EZB senkt den Leitzins auf 0,75 Prozent. Sie kappt zudem den Einlagesatz auf null Prozent. Sie will damit die Institute ermuntern, mehr Geld an Unternehmen und Haushalte zu verleihen.

  • 26. Juli 2012

    Draghi erklärt in einer mittlerweile berühmten Rede, die Zentralbank werde "alles tun, was nötig ist, um den Euro zu retten". Dieses Versprechen gilt bis heute vielen Experten als Wendepunkt in der Krise. Seitdem haben die Schwankungen an den Finanzmärkten deutlich abgenommen und die Länder können sich wieder günstiger verschulden.

  • 6. September 2012

    Der EZB-Rat beschließt gegen den Widerstand der Bundesbank neue umfangreiche Staatsanleihenkäufe am Sekundärmarkt. Ziel des sogenannten OMT-Programms ist es, die Zukunft des Euro in der Schuldenkrise zu sichern. Tatsächlich wurden aber bis heute keine Anleihen aus dem Programm gekauft.

  • 7. November 2013

    Die EZB senkt ihren Leitzins auf 0,25 Prozent. Als Grund nennt sie die Gefahr einer zu langen Periode zu niedriger Teuerungsraten - sie will also mit noch billigerem Geld verhindern, dass die Wirtschaft der Euro-Zone in einen Teufelskreis aus sinkenden Preisen und Investitionen gerät.

  • 5. Juni 2014

    Die EZB senkt den Leitzins auf 0,15 Prozent. Erstmals ist zudem der Einlagesatz für Banken negativ. Das hat zur Folge, dass Institute, die lieber Geld bei der Notenbank parken als es an Unternehmen und Haushalte zu verleihen, künftig eine Strafgebühr von 0,1 Prozent zahlen müssen.

  • 4. September 2014

    Die EZB senkt die Leitzinsen auf das Rekordtief von 0,05 Prozent. Sie will zudem mit zusätzlichen milliardenschweren Geldspritzen die schlappe Konjunktur in der Währungsunion anschieben und die für den Geschmack der Notenbank viel zu niedrige Inflation anheizen. Die EZB kündigte an, ab Oktober den Banken Kreditverbriefungen und auch Pfandbriefe abzukaufen.

  • 22. Januar 2015

    Die EZB kündigt an, monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere zu kaufen. Bis Herbst 2016 dürften auf diese Weise mehr als eine Billion Euro zusammenkommen.

Von welchen Faktoren hängt die Rendite eines Investments ab?

Wenn jemand sein Geld nur in das Wertpapier eines Unternehmens steckt, hängt seine Rendite zu 75 Prozent von der Geschäftsentwicklung dieses Unternehmens ab. Diversifiziert er sein Portfolio, gleichen sich die unterschiedlichen firmenspezifischen Einflüsse aus, die Rendite hängt dann vor allem von der allgemeinen Marktentwicklung ab. Die wiederum wird von makroökonomischen Faktoren wie dem Wachstum, den Realzinsen und der Geldpolitik bestimmt.

Analysten versuchen, die Zinsentscheidungen der Notenbanken zu prognostizieren ...

... obwohl die Zentralbanken nur die Zinsen für kürzere Laufzeiten direkt beeinflussen. Bei längeren Laufzeiten von 20 Jahren und mehr ist der Einfluss der Notenbanker gering. Zwar haben die Zentralbanken durch die Käufe von Staatsanleihen die Renditen am langen Ende nach unten gedrückt. Aber es sind vor allem die Käufe und Verkäufe privater Investoren, die die Renditen am langen Ende des Marktes bestimmen.

Welche Folgen hat die seit Jahren sehr expansive Geldpolitik?

Längere Phasen mit lockerer Geldpolitik führen unweigerlich zu höheren Preissteigerungen. Das trifft nicht nur Vermögensgüter wie Aktien und Anleihen. Auch die Preise für Güter und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs werden als Folge des Liquiditätsüberhangs früher oder später anziehen. Wann das geschieht, kann allerdings niemand vorhersagen.

Die Zentralbanken versuchen, die Zins- und Inflationserwartungen der Märkte zu steuern. Macht das Sinn?

Es ist vernünftig, wenn die Zentralbanken die Märkte auf Zinsänderungen vorbereiten, statt sie zu überrumpeln. Allerdings sollten sich Notenbanker davor hüten, allzu genaue Angaben über den Zeitpunkt von Zinsänderungen zu machen. Das versetzt die Märkte in Unruhe.

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