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Steuer-CD: Steuergewerkschaft erklärt Abkommen für tot

Berlin ist stinksauer: Nordrhein-Westfalen habe beim Kauf der Steuersünder-CDs jedes Maß verloren. Das Land torpediere damit das Deutsch-Schweizer-Steuerabkommen. Die Steuergewerkschaft erklärt es bereits für tot.

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Quelle: dpa
Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ist sauer - trotz Ermahnungen kauft NRW weiter fleißig Steuer-CDs Quelle: dpa

Nordrhein-Westfalen heizt den Streit über den Umgang mit deutschen Steuerhinterziehern in der Schweiz weiter an. Berichten zufolge kaufte das Land erneut zwei CDs mit Daten von Steuersündern. Die SPD-geführte Regierung in Düsseldorf verteidigt die Praxis und erneuert ihre Kritik an dem geplanten Steuerabkommen mit der Schweiz. Andere SPD-Länder sekundieren. Das Bundesfinanzministerium und Politiker von CDU und FDP reagieren verschnupft. Laut „Financial Times Deutschland“ hat NRW zwei neue Steuerdaten-CDs aus der Schweiz angekauft. Auch die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet von Datenkäufen.

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Das Land NRW habe für mittlerweile vier CDs neun Millionen Euro bezahlt. Bereits Mitte Juli hatten Medien vom Ankauf zweier CDs berichtet. Die Staatsanwaltschaft Bochum bestätigte am Donnerstag auf dapd-Anfrage einen Bericht des WDR, wonach sie Informationen eines Datenträgers untersucht und auf dessen Basis Ermittlungen wegen Steuerhinterziehung eingeleitet hat. Das NRW-Finanzministerium will Berichte über Datenkäufe weder bestätigen noch dementieren. Ressortchef Norbert Walter-Borjans (SPD) betonte aber auf Anfrage, das Land werde angebotene Daten immer prüfen und gegebenenfalls „entgegennehmen“. Zudem gingen seit den Berichten über CD-Käufe immer mehr Selbstanzeigen wegen Steuerhinterziehung ein, erklärte das Ministerium.

Kampeter spricht von rechtlicher Grauzone

Das Bundesfinanzministerium kritisierte das Vorgehen. „Wer auf Datendiebstahl setzt, handelt in einer politischen und rechtlichen Grauzone“, sagte der Parlamentarische Staatssekretär Steffen Kampeter (CDU). Er warb für das geplante Steuerabkommen mit der Schweiz, das NRW und andere SPD-geführte Bundesländer als unzureichend ablehnen. Nur damit sei es möglich, „Steueransprüche in der Schweiz gleichmäßig und nachhaltig durchzusetzen“, sagte er. Auch der Finanzexperte der Unionsfraktion, Klaus-Peter Flosbach (CDU), betonte, das Abkommen führe zur Besteuerung aller deutschen Anleger mit Vermögen in der Schweiz. Der „rechtlich fragwürdige Ankauf“ von CDs werde überflüssig, sagte er „Spiegel Online“. Flosbach warf Walter-Borjans vor, „jedes Maß“ verloren zu haben. FDP-Generalsekretär Patrick Döring attackierte die NRW-Behörden ebenfalls. Zwar müsse Steuerflucht unterbunden werden, „aber die rot-grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen schafft mehr Probleme, als sie löst“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

Poß findet Schäuble „bockig“

Aus der SPD erhielt Walter-Borjans hingegen breite Unterstützung. Bundestagsfraktionsvize Joachim Poß erklärte, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) müsse „das schlechte Steuerabkommen mit der Schweiz endlich in den Papierkorb werfen“ und dürfe „nicht wie eine bockiges Kind den Ankauf von Steuer-CDs ablehnen“. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid (SPD) sagte dem „Handelsblatt“, er habe „sehr viel Verständnis“ für die CD-Käufe.

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Sein Parteifreund und Amtskollege aus Rheinland-Pfalz, Carsten Kühl, sagte dem Blatt: „Solange das Steuerabkommen mit der Schweiz noch nicht in Kraft ist, sind Bund und Länder nach wie vor verpflichtet, angebotene CDs mit Daten von Steuerflüchtlingen zu prüfen und bei Werthaltigkeit aufzukaufen.“ Der Vertrag mit dem Nachbarland soll eigentlich Anfang 2013 in Kraft treten. Es kann aber nur mit Zustimmung des Bundesrats ratifiziert werden. Vorgesehen ist, dass in der Schweiz geparktes Schwarzgeld pauschal mit 21 bis 41 Prozent besteuert wird. Künftige Einnahmen aus Geldanlagen, etwa Zinsen, sollen genauso besteuert werden wie hierzulande. Die Kontoinhaber bleiben dabei anonym. Angesichts der andauernden Auseinandersetzung erklärte der Chef der Deutschen Steuergewerkschaft, Thomas Eigenthaler, das Abkommen sei „politisch tot“. Ohnehin gelte: „Besser kein Abkommen als dieses“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 14.08.2012, 19:32 UhrOberfranken

    Ja, in Deutschland, da gibt es Gesetze.
    Das stimmt. Warum geben dann die deutschen Banken die Daten nicht raus, wenn Sie Gelder in die Schweiz verschieben oder warum werden Fahrzeuge und Personen, die von Deutschland in die Schweiz fahren nicht bei der Ausfuhr kontrolliert? Warum lässt die BRD das zu? Warum kann eine Privatperson offiziel 10000Euro bei sich haben, wenn sie sich durch den Zoll von Deutschland in die Schweiz begibt ohne dieses Kapital anmelden zu müssen?
    Klar, die Deutschen, die Gelder in der Schweiz haben, die begehen in Deutschland eine Straftat, wenn sie dieses nicht versteuern. Andererseits frage ich mich, warum man nicht einfach zusammenarbeitet, sondern zu Stasi-Methoden greift. Denn der Ankauf sowie Verkauf dieser CDs ist im Nachbarland auch eine Straftat.
    Die Schweizer sind eine freiheitlich, demokratisches Land und in dem gibt es nun mal keine Kapitalertragssteuer, im Gegenteil, auch die Schweizer Staatsorgane unterliegen dem Bankgeheimnis, dass die Wertigkeit des deutschen Arztgeheimnisses hat. Der Ministerpräsident und seine Helfer, sowie die schweizer Helfer gehören genauso hinter Gitter, wie all die Steuerbetrüger. Heute sind es CDs mit Bankdaten, morgen hören sie Wohnungen ab und der gläserne Mensch wird zur Wirklichkeit.

  • 11.08.2012, 14:04 Uhrwalter

    Über Bekanntes braucht man sicher nicht mehr zu diskutieren. Es ist schon ein Skandal wenn ein derartiges Zeitfenster entsteht, in dem die Kriminellen- unterstützt von Kriminellen, ihr Kapital von der Schweiz in andere Steueroasen verschieben! Möge das geplante Abkommen zur Verschleuderung von Steuern bald kippen! Möge man uns noch jede Menge interessanter CDs anbieten! Wir haben Regeln und Gesetze und die gelten für allen- auch für die Schlaumeier!

  • 10.08.2012, 21:40 UhrJens

    Jeder ehrliche Steuerzahler fühlt sich seit diesem deutsch-schweizer Kuhhandel endgültig wie ein armer Idiot. Bravo, Rot-Grün, weiter so! Die Eurokrise wird zwar dilettantisch gemanagt, aber in der Steuergerechtigkeit bin ich absolut bei Euch. Die Schweizer Banken verhalten sich weiterhin kriminell. Die Mittel der Steuerbehörden müssen dem Rechnung tragen. Schäuble will offenbar vor dem zukünftigen Zornausbruch der um ihre Spareinlagen geprellten Wutbürger in die Schweiz flüchten. Anders ist diese Anbiederung in Bern nicht zu erklären.

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