Steuerflucht: Frankreichs Reiche schaffen ihr Vermögen weg

Steuerflucht: Frankreichs Reiche schaffen ihr Vermögen weg

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Reiche Franzosen zieht es nach London - samt ihrem Vermögen

von Yvonne Esterházy

Frankreichs Reiche haben kein Vertrauen mehr in ihr Heimatland - und bringen ihr Vermögen über den Kanal.

Liam Bailey von der Maklerfirma Knight Frank vermittelt teure Immobilien in der britischen Hauptstadt. Er weiß: Die Viertel South Kensington, Chelsea und Belgravia sind bei Franzosen besonders beliebt. Und noch etwas fiel ihm auf: „Die Wahlen scheinen eine wachsende Zahl reicher Franzosen zu der Überlegung veranlasst zu haben, wo sie künftig ihren Wohnsitz haben wollen.“

Immobilienmakler, Anlageberater und Steuerexperten der britischen Hauptstadt verzeichnen schon seit einiger Zeit verstärktes Interesse aus Frankreich. Ashley Crossley, der bei der Rechtsanwaltskanzlei Baker & McKenzie vermögende Klienten aus Europa und dem Nahen Osten betreut, berichtet von „sehr besorgten“ Anfragen, die in den vergangenen Wochen eingegangen seien. Zwar ist die französische Schweiz bei frankophonen Steuerflüchtlingen immer noch sehr beliebt, doch Großbritannien hält mit: George Bull, Senior Partner für Steuerfragen bei der Kanzlei Baker Tilly, meint, „London steht ganz vorne, wenn es um die Standorte geht, die von dieser Entwicklung profitieren werden“.

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Legale Möglichkeit

Bei David Blanc, selbst Franzose und Partner der Vermögensverwaltung Vestra Wealth, haben sich nach eigenen Angaben seit Februar 40 Prozent mehr französische Kunden als im Vorjahr gemeldet. Für seine Landsleute bietet das britische Steuersystem schließlich eine ganz legale Möglichkeit, Steuern zu sparen: Ausländer, die kürzer als sieben Jahre im Lande leben, müssen nur den Teil ihres Einkommens und Vermögens versteuern, der sich in Großbritannien befindet. Investitionen und Einkünfte außerhalb der Landesgrenzen bleiben steuerfrei.

Im ersten Quartal stieg der Anteil französischer Immobilienkäufer bei dem Maklerbüro Savills von 2,8 auf 3,8 Prozent an – und das, obwohl die Hauspreise in Londons Spitzenlagen gegenüber dem Vorjahr um rund 20 Prozent gestiegen sind und sich der Euro gegenüber dem Pfund abgeschwächt hat. Für begüterte Franzosen ist der Umzug dennoch attraktiv. Mit dem Eurostar dauert die Reise nach Paris nur etwa zwei Stunden, und die Metropole an der Themse, wo heute schätzungsweise 400.000 Franzosen leben, wird bereits scherzhaft als fünftgrößte Stadt Frankreichs bezeichnet.

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"Little Paris"

In London gibt es mittlerweile sieben französische Schulen, verschiedene zweisprachige Kindergärten. Der Stadtteil South Kensington mit seinem französischen Kulturinstitut und Kino, dem Gymnasium Lycée Français, zahlreichen französischen Bäckereien und Restaurants wird daher „Little Paris“ genannt. Seit 2010 gibt es einen französischen Radiosender und im Magazin „Ici Londres“ bieten französische Zahnärzte, Kindermädchen und Psychotherapeuten ihre Dienste an.

Viele ehrgeizige Franzosen sind schon länger hier. Xavier Rolet zum Beispiel, seit drei Jahren Chef der Londoner Börse. Für Bürgermeister Boris Johnson ist die Sache daher klar: „Bienvenue à Londres“ – willkommen in London –, sagte er im Januar in einer Rede, in der er um französische Neubürger warb. „Die Metropole der Finanzwelt befindet sich direkt vor eurer Haustür. Sollte euer eigener Präsident die Jobs, die Chancen und das Wachstum nicht haben wollen, das ihr schafft, dann lasst euch sagen: Wir haben Interesse!“

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