Studie: Deutsche mögen Polen immer lieber - aber nur ein bisschen

Studie: Deutsche mögen Polen immer lieber - aber nur ein bisschen

Autodiebe, Schwarzarbeiter und Wodka - Vorurteile gegenüber Polen gibt es genug. Eine Studie zeigt, dass das Polen-Bild der Deutschen zwar positiver wird - eine entschiedene Verbesserung ist aber weiter Mythos.

"Heute gestohlen, morgen in Polen" - Vorurteile über ihre östlichen Nachbarn haben die Deutschen genug. Der Autoklau ist nur eins der vielen Beispiele. Aber die Polen haben Grund zur Hoffnung. Denn das Bild der Deutschen von Polen hat sich laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung und des Warschauer Instituts für öffentliche Angelegenheiten zuletzt etwas verbessert. Insgesamt 70 Prozent der Befragten halten die gegenwärtigen Beziehungen zwischen Deutschland und Polen für eher gut oder sogar sehr gut. Bei der letzten Umfrage im Jahr 2008 waren es erst 48 Prozent.

Als Nachbarn, Kollegen oder Mitbewohner können sich drei von vier Deutschen einen Polen gut vorstellen. Eine Mehrheit in Deutschland würde heute Polen als deutsche Staatsbürger, Freunde oder Chef akzeptieren, heißt es in der Langzeitstudie. Für die am Mittwoch vorgestellte Untersuchung wurden zum vierten Mal seit dem Jahr 2000 repräsentativ mehr als 1000 Deutsche ab 14 Jahren befragt.

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Allerdings verlieren sich tief verwurzelte Vorurteile laut der Studie nur schleichend. "Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass die entschiedene Verbesserung des deutschen Polenbildes in den letzten Jahren ein Mythos ist", schreiben die Autoren. Vor allem in der Gesellschaft herrschten immer noch Stereotypen vor. Auf die Frage, was sie mit den östlichen Nachbarn verbinden, fallen den befragten Deutschen noch immer Begriffe wie Kriminalität, Autodiebstahl, Schwarzarbeit oder Ostblock ein. Mit sieben Prozent ist Autodiebstahl die mit Abstand am häufigsten genannte Assoziation.

"Freundlich, gebildet, modern"

Die Wissenschaftler stellen aber fest, dass diese alten und verbreiteten Vorurteile langsam auf dem Rückzug sind. Seit 2006 bewerten die Deutschen ihre Nachbarn deutlich positiver. Positive Charaktereigenschaften wie freundlich, unternehmerisch, gebildet und modern wurden immer häufiger genannt. Deutlich weniger Befragte werteten Polen dagegen als rückständig, schlecht organisiert, verantwortungslos, intolerant, passiv-abwartend oder unfreundlich. Wobei die Sicht der Menschen in den ostdeutschen Bundesländern positiver ist als im Westen.

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Marek Belka in seinem Büro. Quelle: REUTERS

Auffällig ist allerdings, dass sich die Wahrnehmung von Polen in den deutschen Eliten aus Politik und Wirtschaft am stärksten verbessert hat. Insgesamt sei dagegen das große Unwissen der Deutschen über Polen immer noch auffällig, schreiben die Autoren der Studie. Zwar verbessere sich das Bild von Polen und seine Bevölkerung, allerdings verlaufe die Veränderung in den Köpfen der Deutschen langsam und habe sogar etwas an Dynamik verloren, wie die Bertelsmann-Stiftung mitteilte. Beispielsweise sei die Akzeptanz eines Polen als Arbeitskollegen um fünf Punkte auf 79 Prozent gesunken.

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Osteuropa-Experte Cornelius Ochmann von der Bertelsmann-Stiftung deutet dies aber nicht als Rückschritt, denn die abnehmende Akzeptanz sei nicht mit einem Anstieg der negativen Antworten verbunden gewesen. Vielmehr sei die Antwort „schwer zu sagen“ öfter gefallen. Die Forscher begründen das mit einem generellen Stimmungswechsel in den Jahren der Schuldenkrise in Europa. Die Befragten seien einfach zurückhaltender bei ihrer Bewertung geworden.

Parallel befragten die Meinungsforscher das Russland-Bild der Deutschen ab. Hier gab es 30 bis 50 Prozent schlechtere Bewertungen als beim direkten Nachbarn. „Die Sympathie der Deutschen gilt weiterhin dem Westen. Die Aussöhnungsprozesse mit den Niederländern und Franzosen sind abgeschlossen. Der Osten bleibt weiterhin der unbekannteste Teil der Nachbarschaft der Deutschen“, sagte Ochmann.

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