Stunde der Wahrheit: Referendum auch über Tsipras

Stunde der Wahrheit: Referendum auch über Tsipras

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Tsipras wird auch „Regierungschef mit Janusgesicht“ genannt.

Für Alexis Tsipras schlägt die Stunde der Wahrheit. Beim Referendum setzt er alles auf eine Karte. Die Griechen stimmen nicht nur über Sparprogramme ab, sondern auch über die Politik des Regierungschefs.

Alle Blicke waren auf ihn gerichtet: Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras stand bei der Volksabstimmung über die Sparpolitik im Mittelpunkt des Interesses. Denn das Referendum war auch ein Plebiszit über die Politik des linken Regierungschefs. Tsipras hatte die Verhandlungen mit der EU über ein Hilfsprogramm scheitern lassen, weil er die Bedingungen der Geldgeber nicht akzeptieren wollte. Er wandte sich an das Volk und ließ es darüber entscheiden, ob es die Forderungen der Gläubiger annehmen will.

Damit ging der 40-Jährige das Risiko ein, dass eine Mehrheit der Griechen ihm den Rücken kehren und seiner Politik eine Absage erteilen könnte. Viele Griechen befürchten, dass der Tsipras-Kurs das von der Pleite bedrohte Land aus der Euro-Zone herausführen könnte.

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+++Die Ereignisse im Überblick+++ Die Griechen lehnen Sparvorgaben ab

Mit deutlicher Mehrheit haben die Griechen am Sonntag die Sparvorgaben der internationalen Gläubiger abgelehnt. Nach Auszählung aller Wahlzettel haben 61,31 Prozent der Wähler mit „Nein“ votiert.

Die Griechen bleiben hart und stimmen im Referendum für Nein. Quelle: dpa Picture-Alliance

Doch Tsipras will sich nicht in die Ecke drängen lassen. „Unterschätzen Sie nicht, was ein Volk machen kann, wenn es sich erniedrigt fühlt“, sagte er. Der Chef des Linksbündnisses Syriza versteht es, das Volk auf seine Seite zu ziehen. „Wer hat die Frechheit zu verlangen, dass Tausende Griechen frieren müssen“, sagte er im Parlament, als Vertreter der internationalen Geldgeber die von seiner Regierung im Alleingang beschlossenen Hilfen von 200 Millionen Euro für mittellose Menschen kritisierten.

Griechenland "Wir spielen Normalität"

Wahltag: Alles geht seinen gelassenen, demokratischen Gang. Wirklich? Tsipras hat die Stimmung angeheizt und die Abstimmung zu einem Glaubenskrieg erhoben. Die paradoxe Folge: Griechenland ist in Einigkeit gespalten.

Ruhe vor dem Sturm. Athen am Tag der Entscheidung. Quelle: dpa Picture-Alliance

Innenpolitisch hat er seit seinem Wahlsieg im Januar kaum etwas bewirkt. Jeder Vierte ist in Griechenland ohne Job, die Einnahmen des Staates schrumpfen, Wachstum ist nicht in Sicht. Griechenland scheint wie erstarrt, viele Menschen warten darauf, was geschehen wird. Nach und nach plünderten die Bürger ihre Konten, die Banken wurden geschlossen.

Tsipras' politische Karriere ist ein klassisch linker Werdegang: Die ersten politischen Schritte machte er als Anführer rebellischer Schüler. Er wurde Mitglied der Kommunistischen Jugend Griechenlands (KNE) und schloss sich später der Anti-Globalisierungsbewegung und der damals unbedeutenden Linkspartei Syriza an.

Greferendum Zurück zur Politik, bitte!

Die Bundesregierung hat beschlossen, dass es reicht mit den „Zocker-Griechen“. Was dabei unter den Teppich gekehrt werden soll: Merkels Europa-Politik ist ein Scherbenhaufen - ganz gleich, wie die Griechen abstimmen.

Riesige Griechenland-Flagge auf einer Demonstration zu dem Referendum. Quelle: AP

Die Wirbel und Stürme der griechischen Finanzkrise brachten Tsipras im Januar 2015 dahin, wo ihn niemand erwartet hatte: Der Hoffnungsträger der griechischen Linken beendete den ewig scheinenden Regierungsreigen zwischen Konservativen und Sozialisten in Griechenland. Viele Griechen hatten die Versprechungen der alten Regierungsparteien satt, die das Land mit ihrer Vetternwirtschaft an den Abgrund geführt hatten.

Bis heute bleibt Tsipras vielen Griechen ein Rätsel. „Er hat viele Gesichter. Ich kann ihn nicht einstufen. Ein sogenanntes Janusgesicht“, sagt ein erfahrener Psychologe aus der nordgriechischen Hafenstadt Thessaloniki. Tsipras wirkt höflich, er zeigt ein doppeldeutiges Lächeln, aber dann kommt plötzlich ein kämpferischer Spruch. Mit geballter Faust will er gegen den Neoliberalismus kämpfen, der sein Land in die Misere geführt habe.

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