S&P entzieht Bestnote: Niederlande fallen zurück

S&P entzieht Bestnote: Niederlande fallen zurück

von Tim Rahmann

Nur noch Deutschland, Luxemburg und Finnland genießen in der Eurozone das begehrte "Triple A" - zumindest bei der Ratingagentur Standard & Poor's. Die entzog den Niederlanden nun die Bestnote für die Bonität. Es war absehbar.

Die Liste der Staaten mit der besten Kreditwürdigkeit wird bei Standard & Poor's (S&P) immer kleiner. Die Ratingagentur entzog am Freitag den Niederlanden ihre Bestnote und stufte das Land von "AAA" auf "AA+" ab. Die Aussichten für die Konjunktur der fünftgrößten Euro-Volkswirtschaft seien nicht mehr so gut wie zuletzt, teilte S&P in London mit. Zudem hinkten die Niederlande bei der Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) pro Kopf hinter vergleichbaren Nationen her.

Damit gibt es in der Eurozone mit Deutschland, Finnland sowie Luxemburg nur noch drei Staaten, die von S&P mit der Höchstnote bewertet werden. Weltweit sind es noch 13. Viele davon sind wie Hongkong, Liechtenstein oder Singapur kleine Nationen, die nur in geringem Volumen Staatsanleihen ausgeben. Von den G20-Ländern haben derzeit Australien, Deutschland, Großbritannien und Kanada bei S&P die Bestnote inne.

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Kenner zweifeln an großen Veränderungen

Die Abstufung Den Haags kommt wenig überraschend. Seit zwei Jahren werden die Schwachstellen des Landes immer offensichtlicher. 2012 (minus 1,0 Prozent im Vorjahresvergleich) und auch 2013 (minus 0,8 Prozent) schrumpfte die Wirtschaft. Im kommenden Jahr soll es zwar wieder aufwärts gehen – aber von einem nachhaltigen Aufschwung wagt derzeit weder die EU-Kommission, noch die Regierung der Niederlande zu sprechen. Wie auch. Die fallenden Häuserpreise haben viele Niederländer schwer getroffen. Auch wenn der freie Fall gestoppt ist, die Verschuldung der Privathaushalte bleibt hoch. Das führt dazu, dass die Binnennachfrage auch 2014 weiter zurückgehen wird. Gleichzeitig steigt die Arbeitslosigkeit – von rund sieben Prozent (2013) auf rund acht Prozent (2014), so die EU-Kommission in ihrer aktuellsten Prognose.

Besserung ist erst in Sicht, wenn die Wirtschaft wieder in Schwung kommt und endlich Strukturreformen auf den Weg gebracht werden. Doch Kenner des Landes bezweifeln, dass es große Veränderungen geben wird. Grund ist die niederländische Mentalität.

Wirtschaftskrise Stürmische Zeiten in Holland

Die Niederlande befinden sich in der dritten Rezession in vier Jahren. Nun drohen die Ratingagenturen mit einem Entzug des AAA-Ratings – und die Regierung mit Massenentlassungen.

Quelle: dpa

"Was die Niederlande brauchen, sind einschneidende Reformen auf dem Arbeitsmarkt und bei den Sozialversicherungen", sagt Menzo Willems, EU-Korrespondent bei der Tageszeitung "De Telegraaf". Doch dazu werde es sobald nicht kommen. "Wir sind ein Volk des Konsens. Das heißt: In Politik und Gesellschaft arbeitet man über Partei- und Verbandsgrenzen hinweg zusammen und sucht nach einer Lösung", so Willems. Dadurch komme man zwar oft zu einem Ergebnis, aber dies sei in der Regel verwässert. "Es wird auf jeden Rücksicht genommen. Schmerzhafte Reformen wie die Hartz-IV-Gesetze bei uns nicht geben."

Ab 1997 ging es bergab

Die Folge: Die Niederlande verlieren konstant an Wettbewerbsfähigkeit. Zu diesem Ergebnis kommt auch das "International Institute for Management Development" (IMD), eine private Wirtschaftshochschule in Lausanne, Schweiz. In ihrer renommierten Studie zur Wettbewerbsfähigkeit der Volkswirtschaften lagen die Niederlande 1997 auf Rang 4. Kein europäisches Land war laut IMD  damals besser für den globalen Wettbewerb aufgestellt. Dann ging es bergab. In diesem Jahr belegen die Niederlande nur noch den 14. Platz.

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"Ende der 1990er-Jahre waren die Niederlande auf dem Höhepunkt ihrer Schaffenskraft: Die Energiebranche boomte, die holländischen Banken und Versicherungen agierten weltweit", erklärt Studienleiter Stephane Garelli. Umso stärker erwischte die Wirtschafts- und Finanzkrise das Land. Und: Auf den Abschwung waren die Niederlande nicht vorbereitet. "Holland leistet sich ein sehr teures Sozialsystem. Das ist nur durch hohe Steuern finanzierbar", so Garelli. "In Boomzeiten kein Problem. Nun aber sind die Steuern Gift für die schrumpfende Wirtschaft und die Sozialverpflichtungen eine enorme Hypothek."

Kein Wunder also, dass Standard & Poor’s den Niederlanden nun die Bestnote entzog. Immerhin: Dramatische Folgen sind nicht zu erwarten. Im Euroraum hat die Bedeutung von Ratingurteilen spürbar nachgelassen, nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) im Sommer 2012 zugesagt hatte, den Euro mit allen Mitteln zu verteidigen. Das Sicherheitsnetz der Notenbank, bestehend insbesondere aus dem Anleihekaufprogramm OMT, wird offensichtlich als sehr engmaschig empfunden. Mit deutlich höheren Refinanzierungskosten müssen die Niederlande künftig nicht rechnen.

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