S&P-Urteil: Euro-Retter auf dem Irrweg

KommentarS&P-Urteil: Euro-Retter auf dem Irrweg

von Tim Rahmann

Die Kritik an der Abstufung von neun Euro-Ländern durch S&P führt in die Irre. Die Ratingagentur hatte keine andere Wahl.

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Europa ist überschuldet, das ist die bittere Wahrheit. Doch anstatt die Schuldenkrise nachhaltig zu bekämpfen, werden die Ratingagenturen reflexartig kritisiert

Nein, überraschend ist der Wirbel um die Herabstufung von gleich neun Ländern der Euro-Zone durch die Ratingagentur Standard & Poor’s nun wirklich nicht. Die Kritik an den Amerikanern war so vorhersehbar wie das Urteil von S&P selbst.

Im Dezember hatten die Bonitätsprüfer angekündigt, die Kreditwürdigkeit der Euro-Mitgliedsländer zu überprüfen. Bis zum 6. März musste das Urteil fallen. Wer die zähen Verhandlungen der Politik und die Auktionen von Staatsanleihen in den vergangenen Wochen verfolgte, der wusste: Eine Abstufung mehrerer Eurostaaten ist unausweichlich.

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Seit Monaten etwa musste Frankreich, bis zum Freitag wie Deutschland ausgezeichnet mit der Top-Bonitätsnote, deutlich mehr Zinsen für neue Kredite zahlen als Berlin. Lange vor der Herabstufung durch S&P bewerteten die Gläubiger Frankreich rund zwei Bonitätsklassen schlechter als die Ratingagenturen.

Stockende Verhandlungen und verwässerte Reformpläne

„Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben“, entgegnete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Montag im Deutschlandfunk trotzig. Alle Länder hätten schon Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt. Wirklich? Fakt ist: Seit dem Durchbruch beim Euro-Sondergipfel im Dezember in Gipfel stocken die Verhandlungen über einen Fiskalpakt innerhalb der Europäischen Union.

Italiens Ministerpräsident Mario Monti, der in der Tat Reformen in seinem Land einleitete, drängte zuletzt auf eine Verwässerung der Reformpläne. Selbst die Europäische Zentralbank warnte vor einer Aufweichung der Schuldenreduzierungspläne.

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