
Nein, überraschend ist der Wirbel um die Herabstufung von gleich neun Ländern der Euro-Zone durch die Ratingagentur Standard & Poor’s nun wirklich nicht. Die Kritik an den Amerikanern war so vorhersehbar wie das Urteil von S&P selbst.
Im Dezember hatten die Bonitätsprüfer angekündigt, die Kreditwürdigkeit der Euro-Mitgliedsländer zu überprüfen. Bis zum 6. März musste das Urteil fallen. Wer die zähen Verhandlungen der Politik und die Auktionen von Staatsanleihen in den vergangenen Wochen verfolgte, der wusste: Eine Abstufung mehrerer Eurostaaten ist unausweichlich.
Quelle: dapdWie die Ratingagenturen die Staaten bewerten
Die Ratingagentur S&P hat Frankreich die Topnote entzogen, das sogenannte „Triple A“. Bereits im November hatte die Agentur die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft herabgestuft - allerdings nur versehentlich aufgrund eines „technischen Fehlers“.Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Quelle: ReutersÖsterreich hat sein Spitzenrating verloren, jedenfalls wenn es nach S&P geht. Experten bemängeln, die Regierung von Kanzler Werner Faymann spare nicht ausreichend. Zudem ist die österreichische Wirtschaft stark mit der italienischen verwoben. Wenn die Krise im Nachbarland weitergeht, könnte andere Agenturen bald folgen. Moody`s reagierte moderater und senkte nur den Ausblick, ließ aber das Rating erstmal konstant.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Quelle: dpaWie die Ratingagenturen europäische Staaten bewerten
Ungarn: Der Hilferuf kam zu spät. In der vergangenen Woche hatte die ungarische Regierung den Kontakt zur EU-Kommission und zum Internationalen Währungsfonds gesucht. Eine Finanzspritze sollte verhindern, dass die Ratingagenturen das Land abwerten. Genau dies ist nun passiert. Moody's senkte die Bonität Ungarns auf Ramschniveu herab. Der Grund sei die hohe Staatsverschuldung, die bei 73 Prozent des BIPs liegt. Der Ausblick bleibe laut Moody's weiterhin negativ. Für Ungarn wird damit die Aufnahme neuer Kredite wesentlich teurer.
Quelle: dpaPortugal war das zweite europäische Land, das die Ratingegenturen Anfang Juli auf Ramschniveau herabstuften. Zuletzt war es etwas ruhiger um Portugal geworden. Jetzt hat die Ratingagentur Fitch die Bewertung des Landes von "BBB-" auf "BBB+" gesenkt. Der Ausblick sei negativ, Portugal habe keinen Status als Investment-Land mehr. Die Ratingagentur rechnet damit, dass die portugiesische Wirtschaft nächstes Jahr um drei Prozent schrumpft.
Quelle: dpaDie Ära Silvio Berlusconi ist zu Ende, Mario Monti übernimmt. Doch die Probleme Italiens wachsen weiter. Der italienische Schuldenberg ist der zweitgrößte in Europa. Nur Griechenland hat noch mehr Schulden. Alle drei großen Ratingagenturen haben die Kreditwürdigkeit des Landes herabgestuft, weitere Negativurteile drohen. An den Anleihemärkten sind die Renditen inzwischen auf Niveaus gestiegen, zu denen sich Italien kaum noch refinanzieren kann.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): A/A2/A-
Quelle: ReutersIn Griechenland ging es nicht nur beim Rating bergab. Auch die Regierung brach wegen der Schuldenkrise ein: Der ehemalige EZB-Stellvertreter Lucas Papademos (Foto) beerbte Giorgos Papandreou als Regierungschef in Griechenland. Die Ratingagenturen haben den Daumen über Griechenland längst gesenkt. Bereits im Juni 2011 stuften sie das Land als erstes aus Europa auf Ramschniveau herab. Mitte März verbesserte Fitch das Rating wieder von C auf B-.
Rating (S&P/Moody's/Fitch): SD/C/B-
Quelle: dapdPremierminister José Luis Rodriguez Zapatero wird die Sorgenfalten nicht los. Spanien bewertet die Ratingagentur Fitch seit Ende Januar mit A statt AA-minus.
Die Ratingagentur Moody’s hatte die Bonitätsnote von Spanien bereits im Herbst um zwei Stufen gesenkt, auf "A1". Die Ratingagentur setzte zudem den Ausblick für die Note auf "negativ", in Zukunft sind also weitere Abstufungen möglich. Spanien bleibe in der Krise weiterhin für Marktturbulenzen anfällig, erläuterten die Bonitätswächter. Das Land habe einen großen Finanzierungsbedarf und außerdem hoch verschuldete Banken und Konzerne. Zudem werde ein schwaches Wirtschaftswachstum das Erreichen der ehrgeizigen Sparziele erschweren. S&P hat seine Drohungen wahr gemacht und das Land als eines von neun Euro-Staaten herabgestuft.
Quelle: dpaNach Griechenland und Portugal hatte Moody's im vergangenen Jahr auch Irland auf Ramsch-Niveau herabgestuft. Diesmal ging es nicht weiter runter. Das Land wird schon seit Juli nur noch mit "Ba1" bewertet und der Ausblick bleibt negativ. Moody's begründete die Herabstufung mit der wachsenden Wahrscheinlichkeit, dass Irland weitere Finanzhilfen von Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds benötige, bevor es an die Finanzmärkte zurückkehren könne. Andere Ratingagenturen sahen das allerdings noch anders: Chris Pryce, Kredit-Analyst bei Fitch Ratings, bezeichnete einen Zahlungsausfall Irlands als "sicherlich" unwahrscheinlich. Irland werde "für ein gutes Jahr" keine zusätzlichen Gelder brauchen.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BBB+/Ba1/BBB+
Quelle: dpaSchwere Zeiten für Zyperns Präsident Dimitris Christofias: Bei S&P liegt das Land mittlerweile auf Ramsch-Niveau. Bei Fitch liegt die Bonitätsnote mit BBB- noch eine Stufe über dem Junk-Bereich, bei Moody's seit der jüngsten Herabstufung Anfang November nur noch eine.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): BB+/BBB-
Quelle: ReutersAuch für das Rating von Belgien ging es zuletzt runter. S&P begründete die Entscheidung mit dem gestiegenen Druck der Finanzmärkte auf Belgien. Dieser würde auch das Finanzsystem belasten. Finanzinstitute könnten mehr Unterstützung durch den belgischen Staat benötigen. Dies könnte den bereits hohen Schuldenstand von Belgien von rund 97 Prozent des Bruttoinlandsproduktes im Jahr 2011 über die Marke von 100 Prozent treiben, fürchtet zuletzt S&P.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA/Aa3/AA
Wie die Ratingagenturen die Staaten bewerten
Die Ratingagentur S&P hat Frankreich die Topnote entzogen, das sogenannte „Triple A“. Bereits im November hatte die Agentur die zweitgrößte europäische Volkswirtschaft herabgestuft - allerdings nur versehentlich aufgrund eines „technischen Fehlers“.
Ratings (S&P/Moody's/Fitch): AA+/Aaa/AAA
Seit Monaten etwa musste Frankreich, bis zum Freitag wie Deutschland ausgezeichnet mit der Top-Bonitätsnote, deutlich mehr Zinsen für neue Kredite zahlen als Berlin. Lange vor der Herabstufung durch S&P bewerteten die Gläubiger Frankreich rund zwei Bonitätsklassen schlechter als die Ratingagenturen.
Stockende Verhandlungen und verwässerte Reformpläne
„Ich glaube nicht, dass Standard & Poor's wirklich begriffen hat, was wir in Europa schon auf den Weg gebracht haben“, entgegnete Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble am Montag im Deutschlandfunk trotzig. Alle Länder hätten schon Maßnahmen zur Reduzierung ihrer Defizite in Kraft gesetzt. Wirklich? Fakt ist: Seit dem Durchbruch beim Euro-Sondergipfel im Dezember in Gipfel stocken die Verhandlungen über einen Fiskalpakt innerhalb der Europäischen Union.
Italiens Ministerpräsident Mario Monti, der in der Tat Reformen in seinem Land einleitete, drängte zuletzt auf eine Verwässerung der Reformpläne. Selbst die Europäische Zentralbank warnte vor einer Aufweichung der Schuldenreduzierungspläne.













