Taten statt Worte: Frankreichs Unternehmer drängen Staatschef zur Eile

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Taten statt Worte: Frankreichs Unternehmer drängen Staatschef zur Eile

von Karin Finkenzeller

Francois Hollande will Staatsausgaben und Unternehmenssteuern senken. Die angekündigte Entlastung der Firmen schafft Hoffnung. Doch bei vielen Chefs sitzt die Skepsis tief.

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Bei vielen französischen Unternehmern sitzt die Skepsis tief.

Die umgehende Kritik der Gewerkschaften sollte nicht darüber hinwegtäuschen: Dass die von Frankreichs Präsident François Hollande am Dienstag angekündigten Reformen den Unternehmen tatsächlich die dringend benötigte Entlastung bringen, ist noch nicht gewiss. Vor allem hinter den 30 Milliarden Euro, die Firmen jährlich durch die geplante Streichung ihrer Beiträge zu den Familienleistungen der Sozialversicherung einsparen sollen, stehen zahlreiche Fragezeichen.

"Ankündigungen hatten wir schon viele", reagierte Jörn Bousselmi, Geschäftsführer der deutsch-französischen Handelskammer in Paris, verhalten. Nun müssten sie konkretisiert werden und den Unternehmen Planungssicherheit geben, fordert er. Grundsätzlich seien aber "alle Maßnahmen zu begrüßen, die insbesondere den ausländischen Investoren das Vertrauen in Frankreich zurück geben".

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Erst kürzlich hatten 53 Chefs französischer Niederlassungen von ausländischen Unternehmen in einem offenen Brief Alarm geschlagen. Sie hätten "zunehmend Schwierigkeiten", ihre Mutterhäuser davon zu überzeugen, dass sich Investitionen und die Schaffung von Arbeitsplätzen in Frankreich noch lohnten, klagten sie. Das Land verfüge zwar über eine Vielzahl von Talenten und einen Mut zu Innovationen, die selten seien. Doch werde der Tatendrang häufig von Bürokratie, einer ungewissen Gesetzeslage, einem unflexiblen Arbeitsrechts und allgemein durch ein großes Misstrauen gegenüber der Marktwirtschaft erstickt.

Zu den Unterzeichnern gehörten unter anderem auch die Niederlassungsleiter von BASF, Bosch und Volkswagen. Die insgesamt 20.000 ausländischen Unternehmensfilialen beschäftigen in Frankreich gut zwei Millionen Menschen und stehen für ein Drittel der französischen Exporte. Doch seit Jahren gegen die Investitionen zurück. Frankreich werde von seinen beiden Hauptkonkurrenten Deutschland und Großbritannien abgehängt, schreibt die Unternehmensberatung "Ernst & Young" in ihrem Frankreich-Barometer für 2013. Und während Europa 2014 nach Jahren der Krise wieder auf ein solides Wachstum hoffen darf, schwächelt Frankreich weiter mit bestenfalls 0,9 Prozent.

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Kann der von Hollande versprochene "Pakt der Verantwortung" also den nötigen Ruck für das Land bringen? "Ich bin enttäuscht, dass es nicht mehr Ankündigungen gab", sagt Ulrich Hege, Professor an der renommierten Wirtschaftshochschule HEC Paris. "Die Familienleistungen kosten die Unternehmen tatsächlich sehr viel Geld. 30 Milliarden Euro entsprechen rund 1,5 Prozent des französischen Bruttoinlandsprodukts."

Bisher fehle jedoch jegliche Information darüber, wie die Entlastung gegenfinanziert werden solle. "Da ist bereits das Szenario zum Zurückrudern angelegt" befürchtet er. Zumal Hollande ankündigte, die Entlastung erst bis 2017, dem Jahr der nächsten Präsidentschaftswahl, umsetzen zu wollen.

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