Terror in Belgien: Mitten ins Herz

Terror in Belgien: Mitten ins Herz

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Wettach, 46, berichtet für die WirtschaftsWoche aus Brüssel. Seit 2002 lebt sie in der belgischen Hauptstadt.

von Silke Wettach

Trotz Terrorbedrohung nach den Anschlägen von Paris blieb das Leben in Belgien seltsam unbeschwert. Ändert sich das jetzt, haben die Attentäter gewonnen.

Am Samstag noch erzählte eine Freundin, dass Praktikanten nicht mehr nach Brüssel kommen wollten. Zu gefährlich. Alle am Tisch lachten und wandten sich ihrem Dessert zu.

Seit den Attentaten in Paris im vergangenen November war klar, dass auch Belgien ins Visier der Terroristen geraten war. Doch die wenigsten Brüsseler fühlten sich ernsthaft bedroht. Als die Terrorwarnstufe damals vorübergehend auf das höchste Niveau stieg, waren es vor allem Zugezogene, denen mulmig wurde. Belgier amüsierten sich über die Wichtigtuerei ihrer Regierung, die halt so tun müsste, als ob sie durchgreife. Trotz hoher Terrorwarnstufe gingen die Menschen aus, fuhren mit der Metro, das Leben ging weiter. Als dann auch noch die Sicherheitsstufe abgesenkt wurde, schien der Spuk vorbei.

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Terror in Brüssel Enge Verbindung zu Pariser Attentaten vermutet

Wie konnte es zu den Brüsseler Terroranschlägen kommen? Statt Antworten gibt es vorerst viele Fragen. Doch immer deutlicher werden die Querverbindungen zwischen den Anschlägen von Paris und Brüssel.

Soldaten kontrollieren am 23.03.2016 in Brüssel (Belgien) im Zentralbahnhof die Passanten. Quelle: dpa

Bis zu diesem Dienstag, einem sonnigen Frühlingstag, an dem Angreifer nach demselben Muster wie in Paris eine Stadt terrorisierten. „Sie wollen uns alle angreifen“, sagte am Morgen ein Passant im grauen Mantel zu seiner Begleiterin, als ich die Eingangstür zum Büro aufschloss. Er sprach wie ein Staatsmann.

+++Die Ereignisse in Belgien im Überblick+++ Gesuchter Terrorverdächtiger soll tot sein

Bei den Terroranschlägen in Brüssel sind auch mehrere Deutsche verletzt worden. Das Auswärtige Amt schloss am Mittwoch auch nicht mehr aus, dass Bundesbürger getötet wurden.

Auch mehrere Deutsche unter Verletzten Quelle: dpa

Nüchtern betrachtet waren die Anschläge vom Dienstag keine Überraschung. Wer Europa ins Herz treffen will, der schlägt an einer U-Bahn-Station wie Maelbeek zu. In der einen Richtung geht’s zum Europäischen Parlament, in der anderen zur mächtigen Generaldirektion Wettbewerb der EU-Kommission. Direkt um die Ecke liegen die ständigen Vertretungen Deutschlands und Griechenlands. In ihrer Perfidie hätten die Täter effizienter nicht sein können.

Die Sicherheitsvorkehrungen in Brüssel waren bisher extrem lax, selbst wenn sich Politprominenz in der Stadt aufhält. Ein getarntes Fernsehteam drang einmal in einer Gipfelnacht in das Hotel von Bundeskanzlerin Angela Merkel ein, Aktivisten haben mehrfach die Gipfelabsperrungen überwunden. Und wenn im Ratsgebäude die 28 Staats- und Regierungschef zu ihren Treffen zusammenkommen, dann rattert direkt darunter die U-Bahn durch, ehe sie in der Station Maelbeek einrollt. Nur die U-Bahn-Station Schuman direkt daneben blieb bisher geschlossen. Man muss kein Sicherheitsexperte sein, um das suboptimal zu finden.

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