+++Terror in Paris++++: Frankreich greift IS-Hochburg an

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+++Terror in Paris++++: Frankreich greift IS-Hochburg an

, aktualisiert 16. November 2015, 07:25 Uhr

Frankreich verübt Vergeltung für Paris, indem es die IS-Hochburg Rakka attackiert. Aus dem Irak kommen Informationen, wonach 24 Stunden vor dem Anschlag vor einer Attacke gewarnt wurde. Die Ereignisse im Überblick.

  • Bei mehreren Attentaten in Paris wurden am späten Freitagabend 132 Menschen getötet und mehr als 350 verletzt. Ein Deutscher ist unter den Opfern.
  • Am Sonntagabend kam es zu einer Massenpanik am Platz der Republik - das erwies sich allerdings als Fehlalarm.
  • Nach Einschätzung der französischen Ermittler ist einem der drei Terrorkommandos die Flucht gelungen. Nach dem wird nun in Belgien gefahndet.
  • Frankreich hat unterdessen eine IS-Hochburg im syrischen Rakka angegriffen.

+++07.30 Uhr+++

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In ganz Europa soll am Montag an die Opfer der Terroranschläge vom vergangenen Freitag in Paris gedacht werden. Die Staats- und Regierungschefs der EU haben alle Europäer in einer gemeinsamen Erklärung eingeladen, sich um 12.00 Uhr an einer Schweigeminute zu beteiligen. Das Gute sei stärker als das Böse, heißt es in dem Papier vom Wochenende. Die Staaten betonen darin, es werde alles Notwendige getan, um Extremismus, Terrorismus und Hass zu bekämpfen.

+++07.20 Uhr+++

Bundesinnenminister Thomas de Maiziere zeigte sich alarmiert über die mögliche Flucht eines oder mehrerer der Attentäter. "Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist", sagte der CDU-Politiker im ZDF. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Roger Lewentz (SPD), forderte die Bevölkerung zur verstärkten Wachsamkeit auf. Die Bürger müssten melden, wenn sich Menschen in ihrem Umfeld radikalisierten, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister der Zeitung "Die Welt" (Montagausgabe).


+++07.00 Uhr+++

Nach den Terroranschlägen von Paris sind gemeinsame internationale Anstrengungen gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) nötig, schreibt die „New York Times“: „Die Terroranschläge von Paris vom Freitag haben zusammen mit den beiden Anschlägen in Beirut vom Vortag und dem Abschuss eines russischen Passagierflugzeuges über der Sinai-Halbinsel am 31. Oktober eine neue Phase im Krieg der Terrormiliz IS gegen den Westen aufgezeigt: die Bereitschaft, weit außerhalb der Gebiete zuzuschlagen, die sie im Irak, in Syrien und zunehmend in Libyen beherrscht. (...)"


+++06.25 Uhr+++

Außenminister Laurent Fabius machte am Rande des G20-Gipfels in der Türkei klar, sein Land habe das Recht, Maßnahmen gegen den IS in Syrien zu ergreifen. Frankreich müsse nach den Anschlägen „präsent und aktiv“ sein. Präsident François Hollande hatte nach den Anschlägen von einem Akt des Krieges gesprochen und Vergeltung gegen den IS angekündigt.

+++ 05.45 Uhr+++

Frankreich hat als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris die syrische IS-Hochburg Rakka ins Visier genommen. Französische Kampfjets bombardierten und zerstörten dabei zwei Anlagen des sogenannten Islamischen Staates, wie das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntag mitteilte. Aus dem Irak kam offenbar einen Tag vor den Anschlägen mit mindestens 129 Toten eine Warnung vor unmittelbar bevorstehenden Attacken. Die Polizei räumt einen Fehler bei der Fahndung ein.

Das schreiben die französischen Zeitungen zu den Anschlägen

  • Le Figaro

    „Alle Antiterror-Experten haben einen Großangriff in Frankreich erwartet. Die Eingreiftruppen haben sich schon lange auf diese Art von Anschlägen auf verschiedene Ziele vorbereitet.“

  • Le Parisien

    „Wut und Abscheu: Das empfindet man angesichts der Morde, die die Täter in Paris mit der üblichen Feigheit der Terroristen verübt haben. Im Namen der Märtyrer vom Freitag, der unschuldigen Opfer und im Namen der Republik wird Frankreich vereint bleiben und dem Terror die Stirn bieten.“

  • Le Républicain lorrain

    „Elf Monate nach den Anschlägen vom Januar hat der Terrorismus wieder getötet. Im großen Ausmaß. Blind und ohne Mitleid.“ 

  • La Dépêche du midi

    „Paris ist angegriffen. Paris ist die Zielscheibe. Paris wird wieder einmal verletzt, auf blutige, erschütternde und entsetzliche Weise. Nur wenige Tage, bevor die Staatschefs zum UN-Klimagipfel in der französischen Hauptstadt landen, (US-Präsident) Obama, (der russische Präsident) Putin und andere. Der Terrorismus hat vor aller Augen seine Schlagfähigkeit demonstriert, und hat gezeigt, dass er durch Massenmorde ein Entsetzen auslösen kann, das auf Frankreich, aber auf die gesamte Welt zielt. Der Notstand klingt wie ein Signal des Krieges.“

  • La Charente libre

    “Die Opfer der Anschläge sind das entsetzliche Zeugnis eines weltweiten Krieges, der Frankreich gegen seinen Willen zu einem der wichtigsten Schlachtfelder macht.“

  • Ouest-France

    „Dieser Krieg wird uns aufgezwungen. Dies erfordert von jedem Bürger eine Solidarität, um den Bedrohungen und Angriffen zu widerstehen. Wir müssen angesichts dieses Dramas einen kühlen Kopf bewahren, und Entschlossenheit zeigen.“

  • L'Union

    „Dieses Land wird den Terroristen niemals nachgeben. Die Heimat der Menschenrechte wird sich niemals von diesen Terrorgruppen beeindrucken lassen, deren Methoden und mörderischer Hass die Unterschrift trägt, die alle Welt erkannt hat. Wir werden die Barbarei nicht hinnehmen.“ 

+++04.30 Uhr+++

Die Anschläge haben die Aktienmärkte in Fernost am Montag belastet. Die Anleger seien verunsichert, sagten Analysten. Es gebe Sorgen, dass die Attentate auch Auswirkungen auf die wirtschaftliche Entwicklung in Europa geben könne. Auch enttäuschende Konjunkturdaten aus Japan drückten auf die Stimmung. Die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt schrumpfte im abgelaufenen Quartal überraschend kräftig um 0,8 Prozent und fiel damit in die Rezession zurück. Der Tokioter Leitindex Nikkei verlor bis zum Mittag rund ein Prozent auf 19.395 Punkte.

++++04.06 Uhr+++

Die Flagge der Vereinigten Staaten wird an US-Gebäuden in aller Welt wegen der Terroranschläge in Paris auf halbmast gesetzt. Präsident Barack Obama verordnete diese Maßnahme am Sonntag aus Solidarität mit Frankreich. Somit werden die Stars and Stripes bis einschließlich Donnerstag nicht nur am Weißen Haus und an Bundes- und Militärgebäuden innerhalb der USA, sondern auch vor diplomatischen Vertretungen weltweit gesenkt.

+++03.30 Uhr ++++

Als Reaktion auf eine wachsende Bedrohung durch militante Islamisten baut Großbritannien die Geheimdienste aus. Das Personal werde um 15 Prozent aufgestockt, kündigte Premierminister David Cameron am Montag am Rande des G20-Gipfels im türkischen Belek an.

+++03.00 Uhr+++

Bei der Fahndung nach den Drahtziehern der verheerenden Terrorserie in Paris hat es am späten Sonntagabend eine Hausdurchsuchung im Hauptstadtvorort Bobigny gegeben. Das berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld der Ermittlungen. Einem Augenzeugen zufolge seien zudem Anwohner von Polizisten befragt worden. Nähere Details zu der Hausdurchsuchung und deren Ergebnissen wurden zunächst nicht mitgeteilt.

+++02.30 Uhr+++

Drei Tage nach den Terroranschlägen von Paris werden die vorübergehend geschlossenen Museen in der französischen Hauptstadt am Montag wieder ihre Türen öffnen. Wegen erhöhter Sicherheitsvorkehrungen waren sie am Wochenende geschlossen geblieben. Dazu zählten unter anderem das Louvre und das Musée d'Orsay.

+++01.45 Uhr ++++

Der französischen Polizei ist eine schwere Fahndungspanne unterlaufen. Ein gesuchter Verdächtiger wurde am Samstag an der belgischen Grenze in einem Auto gestoppt und kontrolliert, die Beamten ließen ihn aber weiterfahren, wie die Polizei am Sonntag mitteilte. Dabei handele es sich um einen 26-jährigen Franzosen, der in Belgien geboren sei. Er sei Bruders eines Attentäters und stehe im Verdacht, gemeinsam mit einem anderen Bruder an der Planung der Anschläge beteiligt gewesen zu sein, hieß es in Justizkreisen. Dieser sei inzwischen in Belgien festgenommen worden. Der 26-Jährige wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Der Mann sei gefährlich, hieß es.

Das bedeuten die Anschläge in Paris für Deutschland

  • Was tun die deutschen Sicherheitsbehörden?

    Die Bundespolizei schickt verstärkt Einsatzkräfte an die Grenze zu Frankreich, intensiviert Streifen an Flughäfen und Bahnhöfen. Die Polizisten patrouillieren dort mit Schutzwesten und schweren Waffen. Verbindungen von und nach Frankreich werden besonders in den Blick genommen.

    Nach einem Anschlag in einem Nachbarland setzt sich bei Polizei und Geheimdiensten in Deutschland hinter den Kulissen automatisch eine Maschinerie in Gang: Die Behörden checken, ob es mögliche Verbindungen und Kontakte der Täter nach Deutschland gibt. Sie sprechen dazu mit den V-Leuten in der Islamisten-Szene, durchforsten Foren und Netzwerke im Internet. Und sie überwachen besonders die islamistischen „Gefährder“ - also jene, denen sie einen Terrorakt zutrauen. Aber auch Rechtsextremisten, die auf die Anschläge reagieren könnten, stehen unter besonderer Beobachtung.

  • Gibt es Verbindungen der Paris-Attentäter nach Deutschland?

    Belastbare Erkenntnisse dazu gab es zunächst nicht, aber einen ersten Verdacht: In Oberbayern wurde am Donnerstag vor einer Woche auf der Autobahn zwischen Salzburg und München ein Autofahrer angehalten und kontrolliert. Schleierfahnder der Polizei entdeckten im Kleinwagen des 51-Jährigen unter anderem mehrere Kalaschnikow-Gewehre, Handgranaten sowie 200 Gramm TNT-Sprengstoff. „Es gibt einen Bezug nach Frankreich, aber es steht nicht fest, ob es einen Bezug zu diesem Anschlag gibt“, sagt de Maizière. Auf dem Navigationsgerät des Mannes habe man eine Adresse in Paris gefunden. Ob das einen Zusammenhang zur Anschlagsserie bedeute, sei noch unklar. Der Verdächtige, der aus Montenegro stammt, sitzt in Untersuchungshaft.

  • Was bedeuten die Attacken für die Sicherheitslage in Deutschland?

    Als Reaktion auf die Terroranschläge in Paris werden in Deutschland die Sicherheitsmaßnahmen hochgefahren. Es werde in den nächsten Tagen eine für die Bürger sichtlich erhöhte Polizeipräsenz geben, kündigte Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) am Samstagabend (14. November) in der ZDF-Sendung „Maybrit Illner Spezial“ an. „Die Polizei, die man sieht, wird auch etwas anders aussehen als bisher. Die Ausrüstung wird eine andere sein.“ Zugleich werde zusammen mit den Nachrichtendiensten die Beobachtung islamistischer Gefährder intensiviert.

  • Wie groß ist Gefahr, dass sich IS-Terroristen unter Flüchtlinge mischen und so nach Deutschland gelangen?

    Bislang gingen bei Polizei und Geheimdiensten etwa 100 Hinweise auf mögliche Terroristen ein, die auf diesem Weg ins Land gekommen sein sollen. Davon habe sich der Verdacht bisher aber in keinem einzigen Fall bestätigt, heißt es aus Sicherheitskreisen. „Aber man darf den IS nicht unterschätzen“, meint der Terrorexperte Rolf Tophoven. „Die Gefahr ist nicht auszuschließen. Unsere Sicherheitsbehörden können nicht jeden kontrollieren.“

    Nach Einschätzung von Fachleuten dürften Terroristen eher auf anderem Weg versuchen, nach Deutschland zu kommen - etwa mit gefälschten Papieren im Flieger. Polizei und Geheimdienste beobachten allerdings, dass Islamisten versuchen, junge Flüchtlinge, die schon in Deutschland sind, zu rekrutieren. Generell gilt aber: Attentäter müssen nicht unbedingt von außen ins Land gebracht werden. Es gibt viele Fanatiker, die sich im Inland radikalisiert haben.

  • Wie gefährlich ist die deutsche Islamisten-Szene?

    Mehr als 43.000 Menschen gehören insgesamt dazu. Die Szene ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen - vor allem durch den starken Zulauf bei den Salafisten, einer besonders konservativen Strömung des Islam. Rund 7900 Salafisten gibt es inzwischen. Polizei und Geheimdienste stufen viele Islamisten als gefährlich ein: Etwa 1000 Menschen werden dem islamistisch-terroristischen Spektrum zugeordnet. Darunter sind 420 „Gefährder“.

    Zum Teil sind auch Rückkehrer aus Dschihad-Gebieten darunter. Diese machen den Sicherheitsbehörden große Sorgen, weil viele radikalisiert und kampferprobt zurückkommen. Von den mehr als 750 Islamisten aus Deutschland, die bislang Richtung Syrien und Irak ausgereist sind, ist ein Drittel wieder zurück - also rund 250 Leute. Etwa 70 davon haben Kampferfahrung gesammelt.

+++00.30 Uhr+++

Der Vorsitzende des Vereins „Gesicht zeigen!“, Uwe-Karsten Heye, hat die rechtsextremistische Gewalt als größte innenpolitische Herausforderung in Deutschland bezeichnet. „Nicht die Flüchtlinge sind es, die den inneren Frieden gefährden“, sagte der der frühere Regierungssprecher im Interview der Zeitung „neues deutschland“ (Montagsausgabe). Das Problem sei „der rechtsextremistische Bereich, der Fremdenfeindlichkeit und Rassismus schürt und dieses Denken längst bis in die Mitte der Gesellschaft getragen hat“.

+++00.00 Uhr+++

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) warnt davor, sich durch die Terroranschläge in Paris zu einem härteren Auftreten gegenüber Flüchtlingen bewegen zu lassen. „Wir können jetzt nicht die Flüchtlinge zu den Sündenböcken machen für das, was der sogenannte Islamische Staat an Anschlägen jetzt bei uns versucht“, sagte die CDU-Politikerin am Sonntagabend in der ARD-Talkshow „Günther Jauch“ mit Blick auf die Terrormiliz IS. Genauso wenig dürften die Menschen nun in allen Ausländern potenzielle Terroristen sehen.

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