Terrorismus: Soldaten können nicht gegen Terroristen gewinnen

KommentarTerrorismus: Soldaten können nicht gegen Terroristen gewinnen

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Französische Fallschirmjäger

von Mark Fehr

Die Lösung vom Krieg oder gar Weltkrieg gegen den Terror führt in die Irre, denn das Militär allein wird bei diesem Kampf nichts ausrichten.

Frankreich will gegen den Terror in den Krieg ziehen, schon schmücken Fotos von Kampfflugzeugen die internationalen Webseiten. So verständlich es ist, dass ein schwer getroffenes Land nun Stärke zeigt, so irreführend ist die dahinter stehende Vorstellung, den Terroristen mit der Luftwaffe, dem Heer oder der Marine das Handwerk legen zu können. Die Hintermänner der Anschläge haben keine Postleitzahl, unter der sie sich bombardieren lassen würden. Und sie werden den Generälen nicht den Gefallen tun, sich gerade dort aufzuhalten, wo sperrige Waffensysteme sie erwischen könnten.

Selbst modernisierte Armeen versagen beim Kampf gegen Feinde, die sich nicht zeigen, kein festes Territorium besitzen und keine sichtbare Infrastruktur unterhalten. Nun hat die Verbrecherorganisation Islamischer Staat zwar ganze Regionen und Städte mit militärischen Mitteln erobert und gibt daher auf den ersten Blick brauchbare Ziele aus Sicht konventioneller Armeen ab. Trotzdem bleiben die internationalen Terrorableger des IS in der schützenden Deckung des Untergrunds.

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Terror in Paris Frankreich erlebt den lange gefürchteten Alptraum

Sicherheitskräfte rechneten seit Monaten mit Terrorattentaten in Paris. Verhindern konnten sie sie nicht. Über die Zustände in Paris und die Folgen für das Land berichtet unsere Frankreich-Korrespondentin.

Kerzen werden in Frankreich angezündet. Quelle: REUTERS

Syrien ist nicht das Schlachtfeld, auf dem sich die dezentral organisierten und über die Welt verstreuten Terrorbanden bekämpfen ließen. Im Nahen Osten gehen gerade mehrere Kriegsparteien aus ganz unterschiedlichen Motiven gegen die sichtbaren Kämpfer und Strukturen des IS vor, indem sie entweder direkt angreifen oder echte und vermeintliche IS-Feinde unterstützten. Selbst wenn dem IS dort der Gar ausgemacht werden kann, werden seine gut versteckten Terrorzellen weiter operieren – dann sogar erst recht.

Kann man also nichts gegen den Terror ausrichten? Doch, aber nicht mit den Mitteln des Militärs, sondern mit den Mitteln der Polizei, der Staatsanwaltschaften und der Geheimdienste. Dank akribischer kriminalistischer Ermittlungen konnte der Staat die eine oder andere Terrorattacke verhindern, in Deutschland etwa bei den Festnahmen der Sauerland-Bande 2007 oder den entdeckten Kofferbomben in der Deutschen Bahn 2006.

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Solche Erfolge sind weniger spektakulär als Luftangriffe – aber wirksamer. Damit diese Erfolge nicht Produkt von Fahndungsglück und Kommissar Zufall bleiben, müssen sich Polizei und Geheimdienste über Staatsgrenzen hinweg zusammentun, statt sich gegenseitig auszuspionieren oder die Kompetenzen zuzuschieben. Bei den deutschen Fahndungserfolgen halfen Tipps von ausländischen Verbündeten den hiesigen Ermittlern auf die Sprünge. Dieser Austausch muss weiter gehen und verbessert werden. Im föderalen Deutschland dagegen geht die Zersplitterung der Sicherheitsbehörden sogar schon an den Grenzen der Bundesländer los.

Wenn die Politik so entschlossen ist, dass sie vom Krieg gegen den Terror spricht, sollte diese Entschlossenheit in eine bessere Zusammenarbeit von Polizisten oder Geheimdienstlern aus allen Staaten münden, die bei diesem Kampf mitmachen wollen. Politiker, die jetzt vom Terrorkrieg reden, sollten daher entweder ihre Vorstellung vom Krieg deutlich ändern – oder einen anderen Begriff verwenden.

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