Testat nicht nötig: Existenz vieler Wirtschaftsprüfer bedroht

Testat nicht nötig: Existenz vieler Wirtschaftsprüfer bedroht

von Julia Leendertse

Eine vom Rechtsausschuss des EU-Parlaments geplante Lockerung der Prüfpflicht für mittelgroße Unternehmen bedroht die Existenz vieler Wirtschaftsprüfer in Europa.

Europas Wirtschaftsprüfer sind beunruhigt. Grund dafür ist ein Vorstoß des Rechtsausschusses im EU-Parlament, der viele tausend Prüfer und mehrere zehntausend Gehilfen ihren Job kosten könnte. Angestoßen vom konservativen britischen Abgeordneten Sajjad Karim will der Ausschuss die Prüfpflicht für Jahresabschlüsse bei den 245.000 mittelgroßen europäischen Unternehmen abschaffen oder lockern. In der Bundesrepublik bräuchten dann auf einen Schlag bis zu 26.000 Unternehmen keinen Wirtschaftsprüfer mehr.

Umsatzeinbrüche bei den kleinen Prüfern

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Für die deutsche Wirtschaftsprüferkammer kommt der Vorstoß „überraschend“. Am vorvergangenen Freitag warnte sie kurzfristig ihre mehr als 21.000 Mitglieder, dass sich den neuesten Informationen zufolge „die Gefahr einer Umsetzung dieses Vorschlags“ verdichte. Die Abschaffung der Prüfpflicht sei bereits „in einem Kompromisspapier des Vorsitzenden des Rechtsausschusses des EU-Parlaments Klaus-Heiner Lehne, enthalten“.

Allein in Deutschland beschäftigt die Branche rund 50.000 Mitarbeiter. Etliche der 4221 Wirtschaftsprüfungspraxen und vereidigte Buchprüfer müssten mit gewaltigen Umsatzeinbrüchen rechnen, warnen Vertreter des Berufsstands. „Existenzbedrohende Folgen könnten sich bei Praxen ergeben, die bislang hauptsächlich Prüfungsleistungen für mittelgroße Unternehmen erbringen“, warnt die Kammer. Zwar würde die Novelle auch große Akteure wie Ernst & Young, KPMG, Deloitte und PricewaterhouseCoopers treffen, doch längst nicht so hart wie die kleinen Prüfungsgesellschaften.

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Michael Gschrei, Vorstandschef des Verbands für die mittelständische Wirtschaftsprüfung, kritisiert auch die Art und Weise des Vorstoßes: „Eine Diskussion im Hinterzimmer zu führen und Entscheidungen zu fällen, ohne Betroffene zu hören, ist undemokratisch und intransparent.“ Schützenhilfe bekommt er vom Vorstandssprecher des Instituts der Wirtschaftsprüfer, Klaus-Peter Naumann: „Ein solcher Schritt könnte erhebliche negative Auswirkungen auf den Gläubigerschutz und auf das Vertrauen in den europäischen Markt haben.“

Noch ist allerdings offen, wie sich die Bundesregierung entscheidet. Selbst wenn das EU-Parlament wie geplant im Oktober oder November die Änderung der Rechnungslegungsrichtlinie durchwinkt, könnte das Bundesjustizministerium in Berlin auf einer nationalen Lösung beharren. Bisher schweigt sich das Ministerium darüber aus, ob Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger auf einer solchen nationalen Lösung besteht. Die Zurückhaltung hat nach Ansicht von Insidern damit zu tun, dass sie auf den CDU-Europaabgeordneten Klaus-Heiner Lehne Rücksicht nehmen will. Lehne entscheidet als Vorsitzender des Rechtsausschusses im EU-Parlament darüber mit, ob die Regelung in die 4. EU-Bilanzrichtlinie einfließt.

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