Thorsten Polleit: EZB-Politik "kann in Hyperinflation enden"

Thorsten Polleit: EZB-Politik "kann in Hyperinflation enden"

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Degussa-Chefökonom Polleit erwartet keine Goldpreisblase in der Zukunft.

von Malte Fischer

Der Degussa-Chefökonom Thorsten Polleit warnt die Zentralbank vor dem Versuch, Staatsschulden wegzuinflationieren und prophezeit das Ende des Papiergeldes.

WirtschaftsWoche: Herr Polleit, die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen steigen, spitzt sich die Euro-Krise erneut zu?

Polleit: Die Krise ist noch längst nicht vorüber. Die milliardenschweren Geldspritzen der EZB für die Banken haben die unterliegenden Probleme, die Überschuldung von Staaten, Banken und Bürgern, nicht gelöst – vielmehr verschlimmern sie sie.

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Spanien und Italien haben wichtige Reformen auf dem Arbeitsmarkt verabschiedet. Warum ignorieren die Märkte das?

Die jahrzehntelange Politik des billigen Geldes hat in den Krisenländern Beschäftigungs- und Produktionsstrukturen entstehen lassen, die nicht zu halten sind. Die Märkte fürchten, dass die nötige Bereinigungsrezession den politischen Willen zu Reformen erlahmen lässt. Deshalb trennen sie sich von den Peripherie-Anleihen. Deren Renditen werden weiter steigen...

...bis die Krisenländer die Zinsen nicht mehr zahlen können und Bankrott anmelden?

Die EZB ist auf Inflationskurs. Sie wird alles tun, um Staatsbankrotte zu verhindern. Sie hat den Banken billiges Zentralbankgeld geliehen, damit sie damit höher verzinsliche Anleihen der Krisenländer kaufen und deren Zinsen nach unten drücken. Sollten die Banken nicht mehr mitspielen, wird die EZB in großem Stil selbst Staatsanleihen kaufen und mit neu gedrucktem Geld bezahlen. Sie wird versuchen, die Staatsschulden wegzuinflationieren. Das kann leicht in Hyperinflation enden.

Noch ist von Inflation nicht viel zu sehen. Das Zentralbankgeld steckt im Bankensektor, statt in die Realwirtschaft zu fließen.

Wenn die Kreditvergabe nicht in Gang kommt, wird die EZB der US-Notenbank folgen und Wertpapiere direkt von Pensionskassen und anderen Anlegern kaufen. Der Geldbetrag wird dann auf den Konten der Verkäufer gutgeschrieben und bläht die Geldmenge auf. Im Papiergeldsystem kann die Zentralbank, wenn es politisch gewollt ist, Hyperinflation in sechs Sekunden produzieren!

Das Mandat der EZB lautet aber, die Preise stabil zu halten.

Das Hauptansinnen der EZB ist es längst, Staats- und Bankenpleiten um jeden Preis zu verhindern. Sie wird deshalb noch mehr Geld drucken und die Realzinsen weiter in den negativen Bereich drücken. Anleger, die Geld halten, sind die Verlierer. Dass die großen Zentralbanken ihre Geldpolitik gleichgeschaltet und so den Währungswettbewerb faktisch ausgehebelt haben, erleichtert ihnen die Inflationierung. Über kurz oder lang werden die Bürger das Vertrauen in das Papiergeld verlieren. Schon jetzt büßt es seine Funktion als Mittel zur Wertaufbewahrung mehr und mehr ein.

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