Tote und Verletzte in Kiew: EU beruft Sondersitzung zu Ukraine ein

Tote und Verletzte in Kiew: EU beruft Sondersitzung zu Ukraine ein

, aktualisiert 19. Februar 2014, 11:34 Uhr

In der Ukraine eskaliert die Situation. Präsident Janukowitsch verteidigt den Einsatz von Gewalt. Die Europäische Union hat für Donnerstag ein Sondertreffen der EU-Außenminister einberufen. Sanktionen werden nun immer wahrscheinlicher.

Brennende Reifen, Tränengasschwaden und tödliche Schüsse: Bei den schwersten Ausschreitungen in der Ukraine seit Ende der Sowjetunion sind in Kiew nach neuesten Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens 25 Menschen ums Leben gekommen. Hunderte Menschen - Demonstranten wie Sicherheitskräfte - wurden verletzt. Tausende Polizisten stürmten am Dienstagabend ein Protestlager der Opposition auf dem Unabhängigkeitsplatz Maidan. Rund 20.000 Regierungsgegner setzten sich mit Steinen, Knüppeln und Brandbomben zur Wehr und sangen dabei die Nationalhymne.

Angesichts der Eskalation der Gewalt hat die Europäische Union für Donnerstag ein Sondertreffen der 28 EU-Außenminister in Brüssel einberufen. Das bestätigte die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton. Am Mittwoch waren bereits die Botschafter der EU-Regierungen zusammengekommen. Dabei ging es laut Ashton auch um die Vorbereitung von „restriktiven Maßnahmen gegen die Verantwortlichen für Unterdrückung und Menschenrechtsverletzungen“. Die EU prüfe „alle Optionen“ der Reaktion auf das Blutvergießen. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso zeigte sich zuversichtlich, dass es einen Sanktionsbeschluss geben werde. Die „restriktiven Maßnahmen“ der EU könnten vor allem EU-Einreiseverbote für Janukowitsch und seine engsten Vertrauten sein. Dazu gehört stets auch das Einfrieren von Konten in der EU. Auch könnte die EU bestimmte Unternehmen auf eine „schwarze Liste“ setzen.

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Nach Angaben des Innenministeriums sind unter den Todesopfern der Straßenschlachten in der Nacht auch neun Polizisten. Eine Polizeisprecherin sagte, bei den Opfern auf beiden Seiten gebe es mehrere tödliche Schussverletzungen. Mehr als 240 Verletzte mussten im Krankenhaus behandelt werden, wie das Gesundheitsministerium am Mittwochmorgen bekanntgab.

Zahlreiche Zelte auf dem Platz im Zentrum der Stadt gingen in Flammen auf, als die Polizei einschritt. Die Sicherheitskräfte kamen mit Wasserwerfern und Blendgranaten. „Hier sieht es aus wie in einem Krieg gegen das eigene Volk“, sagte Dmitro Schulko, einer der Demonstranten. Der 35-Jährige trug eine Brandbombe in den Händen, bereit, sie zu werfen. „Wir werden uns selbst verteidigen“, sagte er.

Proteste in der Ukraine Vitali Klitschkos schwierigster Kampf

Ein Sturz des ukrainischen Präsidenten würde Vitali Klitschkos Polit-Karriere schaden. Der Boxer braucht Zeit, um die Opposition zu konsolidieren – und viel Kraft, um die ökonomische Krise des Landes zu lösen.

Quelle: AP

Oppositionsführer und Ex-Boxweltmeister Vitali Klitschko trieb die Menschen auf dem Maidan zum Widerstand an. „Wir werden nirgendwo hingehen“, rief er. „Dies ist eines Insel der Freiheit und wir werden sie verteidigen." Noch am Abend traf Klitschko Präsident Viktor Janukowitsch zu einem Krisengespräch. Anschließend erklärte er, es sei zu keiner Verständigung gekommen, wie die Situation entschärft werden könne. Er habe Janukowitsch aufgefordert, die Räumung des Platzes zu stoppen, damit es nicht noch mehr Tote gebe. Der Präsident habe nur gesagt, die Demonstranten sollten nach Hause gehen und mit ihren Protesten aufhören. „Ich bin sehr unglücklich, weil es keine Diskussion gab“, sagte Klitschko. „Sie wollen nicht zuhören."

Viktor Janukowitsch verteidigte den Einsatz von Gewalt gegen Regierungsgegner. Die Opposition habe die „Grenzen überschritten“, als sie ihre Anhänger auf dem Unabhängigkeitsplatz in Kiew „zu den Waffen gerufen“ hätten, teilte Janukowitsch in der Nacht zum Mittwoch mit. Es handle sich um „Kriminelle, die vor Gericht gehören“. Der Staatschef warf den proeuropäischen Regierungsgegnern den Versuch einer gewaltsamen Machtübernahme vor. Sollten sich die Oppositionsführer nicht von radikalen Kräften distanzieren, werde er „andere Töne anschlagen“.

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