Tsipras-Vertrauter Yiannis Milios: "Wir sind bereit für Verhandlungen"

InterviewTsipras-Vertrauter Yiannis Milios: "Wir sind bereit für Verhandlungen"

Bild vergrößern

Der Oppositionsberater: Milios, 62, ist Wirtschaftsberater von Syriza. Der Ökonom hat in Osnabrück promoviert und Syriza-Chef Alexis Tsipras bei dessen Besuch bei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble begleitet.

von Silke Wettach

Der Wirtschaftsberater der griechischen Partei Syriza, Yiannis Milios, fordert Schuldenerleichterungen und plädiert für einen ausgeglichenen Haushalt.

WirtschaftsWoche Online: Herr Milios, wie radikal wird Syriza die Wirtschaftspolitik Griechenlands ändern, wenn die Partei an die Macht kommen sollte?
Herr Yiannis Milios: Uns interessiert, die Austerität zu stoppen. Die scheidende Regierung hat mit der Troika vereinbart, dass Griechenland 2016 und 2017 einen Primärüberschuss von 4,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts erzielen muss und in den Folgejahren 4,2 Prozent. Das sind enorme Summen für den Schuldendienst, die nicht für die Entwicklung des Landes zur Verfügung stehen. Diese Politik ist irrational.

Was schlagen Sie vor?
Wir müssen die Schulden neu verhandeln. Wir erinnern unsere deutschen Freunde, dass sich Westdeutschland nach dem Zweiten Weltkrieg in einer ähnlichen Situation befand. 1953 war Griechenland eines der Länder, das einem Schuldenschnitt von beinahe 60 Prozent zugestimmt hat. Für den Rest galt damals eine Exportklausel. Nur wenn Deutschland ausreichend exportierte, wurden die Schulden zurückgezahlt. Wir wollen Ähnliches.

Anzeige

Wie stellen Sie sich das vor?
Wir wollen, dass mehr als die Hälfte der Schulden erlassen werden. Der Rest soll mit einer Wachstumsklausel zurückgezahlt werden. Bei sehr niedrigem Wachstum setzt automatisch ein Moratorium ein. Wir sind bereit, andere Optionen zu verhandeln. Der Hauptpunkt ist, dass der Schuldendienst nicht als Austeritätsfalle wirken darf.

Wie kommt Ihr Vorschlag im Rest der Euro-Zone an?
Von Beratern des französischen Präsidenten François Hollande bekommen wir Zustimmung, dass etwas in diese Richtung getan werden muss. Die Schulden sind kein griechisches Problem, sondern eines vieler südeuropäischer Länder.

2015 muss Griechenland internationalen Gläubigern 16 Milliarden Euro zurückzahlen. Werden Sie das machen?
Wir wollen kein Kreditereignis schaffen. Mit unseren Partnern wollen wir eine Lösung finden, die es Griechenland erlaubt, wieder zu wachsen, ohne ein neues Defizit anzuhäufen. Wir sind gegen Defizitpolitik, wie sie Pasok und Nea Dimokratia in der Vergangenheit verfolgt haben. Wir brauchen einen ausgeglichen Haushalt. Unser Programm zielt nicht darauf ab, mehr auszugeben, als wir haben.

Ihr Wahlprogramm verspricht aber kostenlosen Strom für Arme und Lebensmittelsubventionen. Wie wollen Sie die finanzieren?

Weitere Artikel

Wir müssen die Steuerhinterziehung bekämpfen. Da ist bisher bei Weitem nicht genug passiert. Es gibt eine Liste mit 24 000 Personen, die in der Krise Summen von mehr als 100 000 Euro am Fiskus vorbei aus dem Land geschaffen haben. In einem Zeitraum von zwei Jahren hat die Regierung nur 407 Fälle untersucht. Würde man alle Fälle verfolgen, könnte der Staat mehr als vier Milliarden Euro einnehmen. Privatsender bezahlen beispielsweise seit 1990 nichts für die Benutzung öffentlicher Frequenzen, weil die Lizenzen vorläufig sind. Die Armen werden übertrieben besteuert, und am anderen Ende des Einkommensspektrums zahlen Menschen nichts.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%