Ukraine: Russisches Militär sperrt Flughafen in Sewastopol

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Ukraine: Russisches Militär sperrt Flughafen in Sewastopol

, aktualisiert 28. Februar 2014, 10:54 Uhr
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Bewaffnete Männer patroullieren vor dem Flughafen in Simferopol.

Einheiten der russischen Marine sperren den Flughafen von Sewastopol. Für die neue ukrainische Regierung ist das eine Provokation. Dies sei ein militärischer Einmarsch, erklärt der Innenminister.

Einheiten der russischen Marine haben am Freitag den Flughafen von Sewastopol auf der ukrainischen Halbinsel Krim gesperrt und damit die Spannungen zwischen den beiden Ländern verschärft. Das gab der kommissarische ukrainische Innenminister Arsen Awakow bekannt. „Ich kann das nur als einen militärischen Einmarsch und eine Besatzung beschreiben“, erklärte er auf seiner Facebook-Seite. Das russische Außenministerium äußerte sich nicht. In Sewastopol ist die russische Schwarzmeerflotte stationiert.

Am Donnerstag hatte der ukrainische Übergangspräsident Alexander Turtschinow Russland vor einer „militärischen Aggression“ gewarnt. Ebenfalls am Freitagmorgen besetzten Dutzende Bewaffnete den Flughafen der Regionalhauptstadt Simferopol. Die Gruppe von rund 50 Männern habe zunächst das Terminal für Inlandsflüge eingekesselt, berichtete die Nachrichtenagentur Interfax. Dann hätten die Bewaffneten die russische Flagge gehisst.

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Die wichtigsten Fakten zur Krim

  • Alle Augen auf die Krim

    Nach dem Umsturz in der Ukraine richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Halbinsel Krim, wo Russland seine Schwarzmeerflotte stationiert hat und wo russische Soldaten am Freitag den Flughafen der Stadt Sewastopol abriegelten. Die Halbinsel ist traditionell pro-russisch und geografisch, historisch und politisch vom Rest des Landes getrennt. Hier eine wichtige Fakten zur Krim:

  • Halbinsel am Schwarzen Meer

    Die Halbinsel - bis auf eine schmale Landverbindung eigentlich fast eine Insel - ragt ins Schwarze Meer. An der Ostküste reicht ein Landstreifen fast bis an das russische Festland heran. Im Westen ist die Krim vor allem bekannt als Ort der Jalta-Konferenz von 1945. Dort trafen sich die Sieger des Zweiten Weltkriegs - der sowjetische Diktator Josef Stalin, US-Präsident Franklin Roosevelt und der britische Premierminister Winston Churchill -, um die Nachkriegsordnung für Europa zu besprechen.

  • Zugehörigkeit zur Ukraine

    1954 schlug Stalins Nachfolger Nikita Chruschtschow die Krim seiner Heimat Ukraine zu, die damals zur Sowjetunion gehörte. Bis zum Zusammenbruch der UdSSR 1991 spielte das praktisch keine Rolle. Dann aber wurde die Krim Teil der unabhängigen Ukraine. Nach wie vor sehen sich knapp 60 Prozent der zwei Millionen Einwohner dort als Russen.

  • Die Schwarzmeerflotte in Sewastopol

    An der Südküste der Krim liegt die Hafenstadt Sewastopol. Dort ist die russische Schwarzmeerflotte mit tausenden Soldaten und Militärangehörigen stationiert. 2009 drohte die damalige ukrainische Führung, Russland müsse die Flotte bis 2017 abziehen. Doch nach der Wahl von Viktor Janukowitsch zum Präsidenten 2010 war davon keine Rede mehr: Er stimmte einer Stationierung der Flotte bis 2042 zu.

  • Die Krimtataren

    Die Krimtataren waren 1944 unter Stalin brutal deportiert worden. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 durften sie auf die Krim zurückkehren. Sie machen jetzt etwa zwölf Prozent der Bevölkerung dort aus. In dem Machtkampf der vergangenen Monate hatten sie sich auf die Seite der Janukowitsch-Gegner gestellt.

  • Florence Nightingale und der Krim-Krieg

    Mitte des 19. Jahrhunderts führte Russland einen militärischen Konflikt über das Gebiet: den Krim-Krieg gegen das Osmanische Reich, dem Frankreich, Großbritannien und andere zu Hilfe geeilt waren. Hauptinteresse Russlands war der Zugang zum Schwarzen Meer. Doch konnte das Zarenreich sich das Gebiet trotz des blutigen Konflikts in den Jahren 1853 bis 1856 nicht sichern. Es wurde für neutral erklärt. Berühmt ist seit diesem Krieg die britische Krankenschwester Florence Nightingale, die sich um Verwundete auf der Krim kümmerte. Sie gilt als Begründerin der modernen Krankenpflege.

Als sie jedoch keine ukrainischen Truppen am Airport vorgefunden hätten, seien die Männer wieder gegangen, zitierte Interfax später einen Flughafensprecher. Demnach läuft der Betrieb am Airport inzwischen wieder normal. Es war unklar, wer die Bewaffneten waren.

Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP berichtete, er habe Soldaten gesehen, die mit Sturmfeuergewehren ausgestattet auf dem Flughafen patrouillierten. Ihre Uniformen hätten keine Abzeichen gehabt. Die meisten hätten sich geweigert, mit Journalisten zu sprechen. Einer habe gesagt, sie seien Teil einer „Selbstverteidigungseinheit“, die sicherstellen wolle, dass keine „Faschisten“ aus Kiew oder anderswoher ankommen könnten.

Die ukrainischen Behörden verurteilten die Vorfälle scharf. Die Polizei sperrte die Gegend ab, griff die Bewaffneten aber nicht an.

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Erst am Vortag hatten prorussische Angreifer die Parlamentsgebäude in Simferopol gestürmt. Die Bewaffnete hatten die gleiche Kleidung getragen wie die, die den Flughafen eingenommen hatten, hieß es.

Nach dem Umsturz in Kiew gibt es auf der mehrheitlich von Russen bewohnten Krim starke Abspaltungstendenzen. Auch deshalb gibt es Spannungen zwischen der Ukraine und Russland, das Kampfjets an die gemeinsame Grenze geschickt hat. Russland gibt sich entschlossen, die Ukraine nicht an den Westen zu verlieren. Es gewährt zudem dem entmachteten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch Unterschlupf.

Dieser will sich am (heutigen) Freitag erstmals wieder öffentlich zu Wort melden. Er will in Rostow am Don nahe der ukrainisch-russischen Grenze eine Pressekonferenz abhalten. Einem Bericht des Nachrichtenportals RBK zufolge befindet sich Janukowitsch in einem Kreml-eigenen Sanatorium bei Moskau. Er ließ mitteilen, er sehe sich nach wie vor als legitimen Präsidenten der Ukraine an.

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