Umfrage: EZB-Beobachter sehen keine Deflationsgefahr

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Umfrage: EZB-Beobachter sehen keine Deflationsgefahr

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Die Euro-Statur vor dem Gebäude der Europäischen Zentralbank (EZB) in Frankfurt.

Langfristig rechnen Beobachter der Europäischen Zentralbank mit stabilen Preisen in der Euro-Zone. Verzichtet die EZB auf weitere expansive Maßnahmen, könnte das den Euro weiter stärken. Frankreich will abwerten.

Trotz der aktuell niedrigen Inflationsraten in der Euro-Zone droht offenbar keine Deflation. Das ergibt eine am Donnerstag veröffentlichte Umfrage der Europäischen Zentralbank (EZB) unter Analysten der EZB-Geldpolitik hervor. Die Befragten rechnen mittelfristig wieder mit fast stabilen Preisen. Demnach soll sich 2016 die Inflationsrate mit 1,7 Prozent wieder dem von der EZB angestrebten Wert von knapp zwei Prozent annähern. Bis 2018 soll sich die Teuerungsrate mit 1,9 Prozent sogar noch stärker auf die Marke für Preisstabilität zubewegen.

Für dieses und nächstes Jahr haben die 53 Experten ihre Prognose allerdings wie erwartet deutlich gesenkt. In diesem Jahr erwarten sie eine Inflationsrate von lediglich 1,1 Prozent, im kommenden Jahr rechnen sie mit einem leichten Anstieg auf 1,4 Prozent. Bei ihrer letzten Umfrage im November waren die Beobachter noch von einem Anstieg der Verbraucherpreise um 1,5 Prozent und 1,6 Prozent für 2015 ausgegangen.

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Die EZB hatte ihren Leitzins zuletzt bei 0,25 Prozent belassen. EZB-Chef Mario Draghi hatte aber betont, dass eine weitere Zinssenkung möglich sei, falls sich mittelfristig ein zu schwacher Preisauftrieb abzeichnen sollte. Mit Spannung warten Experten nun auf die nächste Ratssitzung im März, zu der die neuen Inflationsprognosen der Volkswirte der Zentralbank vorliegen sollen. Im Dezember hatten die Experten des EZB-Stabs für 2014 eine Inflation von 1,1 Prozent vorausgesagt. Im Januar war sie auf 0,7 Prozent gesunken und hatte damit Ängste vor einer konjunkturschädlichen Deflationsspirale aus fallenden Preisen und nachlassenden Investitionen ausgelöst.

Draghi erklärte aber nach der letzten Ratssitzung, dass auch die langfristigen Erwartungen bis 2016 bei der aktuellen Zinspolitik der Zentralbank eine Rolle spielen würden. Ungewohnt umfangreich hatte Draghi die Märkte auf der letzten Pressekonferenz über den aktuellen Gemütszustand der Zentralbank aufgeklärt. Man habe "noch nicht genug Informationen", um zu handeln. Die Entscheidung lediglich in den März vertagt habe man aber auch nicht. Die Situation sei komplex, es herrsche Unsicherheit, aber der EZB-Rat wolle gewisse Daten der nächsten Wochen abwarten, bis es zu einer möglichen Handlung kommt. Darunter unter anderem die BIP-Zahlen des vierten Quartals 2013 für die Euro-Zone und langfristige Konjunkturerwartungen.

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Angesichts der aktuellen Umfrageergebnisse könnte sich die EZB auf die langfristige Aussicht auf stabile Preise berufen und ihre ohnehin schon expansive Geldpolitik im Zaume halten. Davon würde vermutlich auch der Euro profitieren. Die aktuelle relative Stärke des Euro gegenüber zahlreichen anderen Währungen liege unter anderem auch an der Geldpolitik der EZB, erklärte DZ-Bank Ökonomin Dorothea Huttanus gegenüber der FAZ. Die EZB-Politik sei nämlich weniger expansiv als gedacht. Sichtbar wird das unter anderem an der Bilanzsumme der Zentralbank, die seit einiger Zeit schrumpft. Unter anderem zahlen Europas Banken die von der EZB ausgegebenen Kredite bereits seit Sommer 2012 wieder zurück. Seit dem gewinnt der Euro gegenüber dem Dollar an Wert.

Frankreichs Industrieminister Arnaud Montebourg hatte zuletzt gefordert, der starke Euro solle abgewertet werden, um die Währungsgemeinschaft wettbewerbsfähiger zu machen. Deutsche Ökonomen warnen aber vor einem solchen Schritt. "Für die deutsche Wirtschaft ist ein starker und stabiler Euro wichtig", sagte DIW-Chef Marcel Fratzscher der Bild-Zeitung. Eine Abwertung würde dagegen in der Bundesrepublik zu steigender Inflation führen, so der Ökonom. Auch ifo-Chef Hans-Werner Sinn warnte, der Euro sei aus deutscher Sicht zu billig. Frankreich dagegen müsse seine wirtschaftlichen Probleme durch Reformen lösen.

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