Umfrage zu Flüchtlingen: Wir schaffen das – zumindest wirtschaftlich!

Umfrage zu Flüchtlingen: Wir schaffen das – zumindest wirtschaftlich!

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Arbeitsmarkt: Etwa 30.000 Flüchtlinge haben seit Frühjahr vergangenen Jahres einen Job in Deutschland gefunden.

von Marc Etzold

Ein Großteil der Deutschen ist weiterhin überzeugt, dass Flüchtlinge das Land ökonomisch stärken werden. Ob und wie die kulturelle Integration gelingen kann, ist aber umstritten – in Deutschland und ganz Europa.

Das nächste deutsche Wirtschaftswunder bescheren uns hunderttausende Flüchtlinge. Diese Hoffnung formulierte Daimler-Chef Dieter Zetsche im September letzten Jahres. Wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei schließlich hoch motiviert. „Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land“, sagt der CEO damals. Knapp ein Jahr später zeigt eine FAZ-Umfrage unter Deutschlands 30 größten Unternehmen, dass nur wenige Flüchtlinge eingestellt wurden. Die Deutsche Post beschäftigt demnach 50 Flüchtlinge, SAP und Merck je zwei, bei Daimler sind es aktuell neun.

Bei den Spitzen von Wirtschaft und Politik ist die Anfangseuphorie längst verflogen. Und die Bevölkerung? Die ist weiterhin optimistisch, dass die Flüchtlinge dem Land ökonomisch gut tun werden. 59 Prozent der Deutschen sagen, dass die Neuankömmlinge das Land mit ihrer Arbeit und ihren Talenten stärker machen werden. 31 Prozent der Bundesbürger glauben das nicht.

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Asylanträge nach Bundesländern 2017

  • Nordrhein-Westfalen

    Nirgendwo sonst wurden so vielen Asylanträge gestellt wie in Nordrhein-Westfalen. In der ersten Jahreshälfte 2017 waren es bisher 32.122 Menschen.

    Hinweis: Alle Daten beziehen sich auf Erst- und Folgeanträge in den Monaten Januar bis Juni 2017.

    Quelle: Bundesamt für Migration und Flüchtlinge / Statista

    Stand: August 2017

  • Bayern

    12.921 Menschen haben in der ersten Hälfte des Jahres 2017 in Bayern einen Asylantrag gestellt.

  • Baden-Württemberg

    In Baden-Württemberg wurden 2017 bisher 11.290 Asylanträge gestellt.

  • Niedersachsen

    In Niedersachsen stellten 10.003 Menschen im Januar bis Juni 2017 einen Antrag auf Asyl.

  • Rheinland-Pfalz

    In Rheinland-Pfalz beantragten 2017 bislang 7.610 Menschen Asyl.

  • Hessen

    In Hessen stellten in den ersten sechs Monaten 2017 7.508 Bewerber einen Asylantrag.

  • Berlin

    In Berlin wurden von Januar bis Juni 2017 5.535 Anträge auf Asyl gestellt.

  • Sachsen

    Bis Mitte 2017 stellten 4.205 Menschen einen Asylantrag in Sachsen.

  • Schleswig-Holstein

    3.346 Asylanträge verzeichnet Schleswig-Holstein für die ersten sechs Monate 2017.

  • Sachsen-Anhalt

    Einen Asylantrag in Sachsen-Anhalt stellten bis Juni 2017 3.304 Menschen.

  • Brandenburg

    Asyl in Brandenburg beantragten in der ersten Jahreshälfte 3.162 Menschen.

  • Thüringen

    In Thüringen wurden in den Monaten Januar bis Juni 2017 3.049 Asylanträge gestellt.

  • Hamburg

    In Hamburg stellten bis Ende Juni 2017 2.633 Menschen einen Antrag auf Asyl.

  • Mecklenburg-Vorpommern

    In Mecklenburg-Vorpommern stellten 2.104 Menschen einen Asylantrag (Januar bis juni 2017).

  • Saarland

    Bis Juni 2017 stellten im Saarland 1.538 Menschen einen Asylantrag.

  • Bremen

    In Bremen beantragten bis Ende Juni 1.192 Menschen Asyl.

  • Unbekannt

    Bei 94 Asylanträgen bis Mitte 2017 ist das Bundesland, in dem der Antrag gestellt wurde, anscheinend unbekannt.

Die Zahlen gehen aus einer europaweiten Befragung des Pew Research Center hervor, einem US-amerikanischen Think Tank mit Sitz in Washington DC. In zehn europäischen Ländern hatte das Pew Research Center knapp 11.500 Menschen befragt – in Italien, Griechenland, Frankreich, Spanien, Ungarn, Polen, dem Vereinigten Königreich, Schweden, Deutschland und den Niederlanden. Die Auswahl der Länder steht für etwa 80 Prozent der EU-Bevölkerung sowie 82 Prozent der Wirtschaftskraft innerhalb der Europäischen Union.

Noch optimistischer als die Deutschen sind die Schweden. 62 Prozent glauben, dass ihr Land ökonomisch von den aufgenommenen Flüchtlingen profitieren wird, in Spanien meint das die Hälfte der Befragten. In anderen EU-Ländern überwiegt hingegen die Skepsis. 82 Prozent der Ungarn sagen, Flüchtlinge nehmen der einheimischen Bevölkerung Jobs weg. Auch in Polen (75 Prozent), Griechenland (72 Prozent) und Italien (65 Prozent) überwiegt die Skepsis.

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Abschiebung: Polizisten begleiten abgelehnte Asylbewerber. Quelle: dpa Picture-Alliance

Beim Thema Innere Sicherheit sind die Europäer mehrheitlich besorgt. Durchschnittlich 59 Prozent der Befragten in Europa stimmen der Aussage zu, dass die Terrorismusgefahr wachse, weil Flüchtlinge im Land sind. In Ungarn schließen sich drei von vier dieser Einschätzung an, in Polen 71 Prozent. Deutschland und die Niederlande teilen sich den dritten Platz, hier halten 61 Prozent der Menschen die Terrorismusgefahr im Zuge der Flüchtlingskrise für erhöht.

Skeptisch sind die Deutschen auch bei der Integrationsfrage. Ein Viertel der Befragten stimmt der Aussage zu, dass Deutschland ein besserer Ort werde, weil die ethnische und kulturelle Vielfalt zunehme. Knapp ein Drittel glaubt hingegen, dass diese Entwicklung schlecht für das Land ist. 40 Prozent, eine relative Mehrheit, rechnet mit keinem großen Einfluss.

Das Ergebnis deckt sich mit einer Befragung der Stiftung Mercator, deren Ergebnisse kürzlich veröffentlicht wurden. Demnach sank die Zustimmung zur Willkommenskultur bei den befragten Deutschen ohne Migrationshintergrund von knapp 40 Prozent im letzten Jahr auf 32 Prozent in diesem Jahr. Vor einem Jahr sagte zudem eine klare Mehrheit von knapp 55 Prozent, dass sie sich darüber freuen, wenn sich immer mehr Migranten in Deutschland zuhause fühlen. Im Jahr 2016 stimmen dieser Aussage noch 43 Prozent der Deutschen ohne Migrationshintergrund zu.

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