Umweltschutz: EU verbietet Plastiktüten

Umweltschutz: EU verbietet Plastiktüten

Plastik verpestet die Weltmeere, die Flüsse und die Natur. Das EU-Parlament will die Tütenflut deshalb eindämmen und fordert bis 2019 radikal weniger Plastiktüten. In Irland klappt das schon.

Kunststoff gilt oft als praktisch - erzeugt aber auch riesige Probleme. Plastik macht zum Beispiel einen Großteil des Mülls aus, der die Weltmeere verschmutzt. Pro Jahr gelangen nach Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) rund zehn Millionen Tonnen Müll in die Ozeane. Umweltexperten fordern zudem, weniger Plastiktüten zu verbrauchen. Jeder Einwohner der Europäischen Union nutzt im Schnitt 198 Plastiktüten pro Jahr. Am wenigsten werden in Irland verbraucht: Dort sind es im Schnitt 20 Stück, darunter 18 Einwegtüten. In Deutschland sind von 71 Tüten 64 Einwegtaschen. In Dänemark und Finnland nutzen die Menschen 79 beziehungsweise 77 Tüten - darunter sind jeweils 4 Einwegtaschen. Für Portugal werden mehr als 500 Tüten insgesamt angegeben. Mittlerweile gibt es Kunststoffbeutel, die biologisch abbaubar sind. Aber auch sie sind bei Umweltschützern umstritten.

Bisphenol A In unserem Blut fließt Plastik

Vor allem über die Nahrung nehmen die Menschen mehr Plastik denn je auf. Studien deuten drauf hin, dass Krebs, Fettleibigkeit und Unfruchtbarkeit darauf zurückzuführen sind. Über das Gift in unseren Adern.

80 Prozent der Lebensmittel aus deutschen Supermärkten kommen mit Plastik in Berührung. Quelle: Fotolia

Das EU-Parlament will deshalb in den kommenden Jahren die Plastik- und Kunststoffabfälle in der EU drastisch verringern. Bis 2019 sollen die Bürger in der Europäischen Gemeinschaft beispielsweise 80 Prozent weniger der ganz leichten Plastiktüten verwenden. Diese werden am häufigsten genutzt. Eine entsprechende Entschließung verabschiedete das Parlament am Mittwoch in Straßburg. Diese Abstimmung ist allerdings nicht endgültig. Das Parlament muss erst noch mit den EU-Regierungen verhandeln. Die Gespräche sollten nach den Europawahlen beginnen, möglicherweise noch in diesem Jahr. „Die Maßnahmen, die wir verabschiedet haben, sind längst überfällig“, sagte die SPD-Europaabgeordnete Jutta Haug. 2010 wurden 95,5 Milliarden Plastiktüten in der EU ausgegeben.

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Vorgesehen ist, dass die EU-Länder mit eigenen strengen Regeln die Plastikflut weiter eindämmen dürfen: Beispielsweise mit Abgaben, Steuern oder Verboten. Ziel des Parlaments sei es, innerhalb von fünf Jahren den Verbrauch von Einweg-Plastiktüten von 176 pro Kopf und Jahr auf 35 Tüten zu senken, sagte der Vorsitzende des Umweltausschusses, der SPD-Europaparlamentarier Matthias Groote. Christdemokraten waren gegen klare Verbote. Gebühren seien eine bessere Methode, sagte die Europaparlamentarierin Christa Klaß (CDU). So habe Irland mit einer geringen Gebühr den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch quasi über Nacht von über 300 auf 21 Tüten gesenkt.

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Sehr dünne Plastiktüten, wie sie für Fisch oder Käse verwendet werden, sind aus hygienischen Gründen notwendig und fallen nicht unter die Regelung. Von den fast 100 Milliarden Plastiktüten in Europa, die pro Jahr genutzt werden, landen etwa acht Milliarden in der Natur. Mit oft verheerenden Folgen für Ökosysteme, Tiere, Fische und Vögel. Wegen seiner Langlebigkeit - Experten gehen von bis zu 450 Jahren aus - ist Plastik eine Gefahr für die Umwelt. Wegen riesiger Müllteppiche im Meer sterben jährlich Hunderttausende Vögel und Meeressäuger. Sie verheddern sich oder fressen Plastik. Winzige Teile könnten über die Nahrungskette in den menschlichen Körper gelangen, warnen Experten.

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