US-Ökonom Allan Meltzer: "Das europäische Projekt droht zu scheitern"

US-Ökonom Allan Meltzer: "Das europäische Projekt droht zu scheitern"

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Eine Möglichkeit der Euro-Rettung wäre eine Aufspaltung in einen starken und einen schwachen Euro

von Angela Hennersdorf

Reale wirtschaftliche Probleme lassen sich nicht mit Geldpolitik lösen, kritisiert der renommierte US-Ökonom Allan Meltzer. Für ihn gibt es nur einen Weg aus der Krise der Euroländer.

Bei einem Deutschlandbesuch präsentierte der US-Ökonom Allan Meltzer drei Möglichkeiten, wie die Krise zu lösen sei. Inflation, Deflation oder eine Abwertung des Euros. Leicht gesagt, schwer getan.

So hält der 86-jäghrige Geldpolitikexperte, der ein viel beachtetes Werk zur Geschichte der US-Zentralbank Federal Reserve geschrieben hat, Inflation oder Deflation selbst nicht für praktikabel. „Inflation ist mit den Deutschen nicht zu machen, Deflation ist äußerst schwer zu realisieren. Da liegen zu viele politische Hindernisse auf der Wegstrecke“, sagt Meltzer.

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Um Länder wie Spanien, Italien, Frankreich oder Griechenland wettbewerbsfähiger zu machen, müssten diese vor allem Arbeitsmarktreformen durchsetzen. Das ist allerdings ein sehr schwieriges Unterfangen, wie die jüngsten Demonstrationen gegen Reformen etwa im öffentlichen Dienst in Italien zeigten.

Zwei-Klassen-Euro-System zur Rettung der Währungsunion

Was also übrig bliebe, sei eine Abwertung des Euro. Im Detail fordert der Wirtschaftswissenschaftler ein Zwei-Klassen-Euro-System. „Es muss einen schwachen und einen starken Euro geben, damit Länder wie Italien, Frankreich, Portugal oder Spanien ihre Währung abwerten können “, meint Meltzer.

Dann hätten es diese Länder leichter, wieder wettbewerbsfähiger zu werden. Sicherlich hätte ein solches Zwei-Klassen-Eurosystem auch schmerzliche Konsequenzen für die jeweiligen Länder, deren Euro plötzlich weniger Wert ist. Aber nur so hätten die schwachen Länder überhaupt eine Chance, wieder zu wachsen.

Die Szenarien für den Euro-Raum

  • Szenario 1: Weiterwursteln

    Was passiert: Alles bleibt beim Alten
    Wahrscheinlichkeit: Hoch
    Folgen: Instabile Konjunkturentwicklung und hohes Maß an Planungsunsicherheit für europäische Unternehmen

  • Szenario 2: Grexit

    Was passiert: Griechenland verlässt die Euro-Zone
    Wahrscheinlichkeit: Mittel

    Folgen: Schwindendes Vertrauen in den Euro und Gefahr eines Dominoeffekts für Italien, Spanien, Portugal und Irland

  • Szenario 3: Fiskalunion

    Was passiert: Euro-Bonds mit gemeinsamer Schuldenhaftung
    Wahrscheinlichkeit: Mittel
    Folgen: Stabilisierung der Finanzmärkte, mehr Planungssicherheit für Unternehmen, aber mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung

  • Szenario 4: Nord-Euro

    Was passiert: Aufspaltung der Euro-Zone mit Nord- und Süd-Euro
    Wahrscheinlichkeit: Gering
    Folgen: Starker Nord-Euro gefährdet die Wettbewerbsfähigkeit der Nord-Zone und die Stabilität der innereuropäischen Lieferketten

Nun ist die Diskussion um die Aufteilung in starke Nord-Euro-Länder und schwächere Süd-Euro-Länder nicht neu. Kritik, dass diese Lösung vor allem auch politisch kaum realisierbar ist, ficht Meltzer nicht an. Sicher, räumt der Ökonom ein, käme es zu einem Kapital- und Bargeldabzug aus diesen Ländern. Das aber zwänge die jeweiligen Länder dazu, sich anzustrengen und strukturelle Reformen umzusetzen.

„Niemand will in die Kategorie Soft-Euro-Land abgleiten“, ist sich Meltzer sicher. Deshalb dürfe diese Aufteilung auch nicht auf Dauer sein. Sobald die Länder etwa ihre  Arbeitsmärkte liberalisiert hätten, müsse der Euro-Kurs für das entsprechende Land wieder aufgewertet werden. Falls Reformen trotzdem nicht klappten, müssten die Europäer auch damit leben können, dass das eine oder andere Land aus dem Euro-Raum austreten müsse.

Politische Lösung für ein ökonomisches Problem

Immerhin ist in den vergangenen Wochen der Wechselkurs des Euro durch die expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank gegenüber dem Dollar massiv gefallen. Der jetzt schon schwächere Euro müsste den südlichen Krisenländern also jetzt schon helfen – noch ist davon allerdings nichts zu spüren.

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Langfristig könne Europa nicht weitermachen wie bisher, sonst bestehe die Gefahr, dass das europäische Projekt tatsächlich scheitere. Mit Sorge sieht er zunehmende Kritik an der Euro-Politik in den einzelnen Ländern. In Griechenland etwa nehme die Anti-Europa-Stimmung bei den Wählern drastisch zu und auch die Entwicklung der neuen politischen Partei Afd sieht Meltzer kritisch. „Viele Europäer werden bei den nächsten Wahlen für einen Wechsel stimmen, ohne zu wissen, was ihnen diese neuen Parteien bieten werden.“

Was die Währungsunion bräuchte, sei eine politische Lösung für ein ökonomisches Problem.  „Geldpolitik löst keine realen Probleme“, sagt Meltzer.

Der Ökonom gehört zu den härtesten Kritikern des Kurses der US-Zentralbank, die mit dem Ankauf von Staats- und Hypothekenanleihen in Milliardenhöhe ihre Bilanz dramatisch ausgeweitet hat. Auch mit der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank geht Meltzer hart ins Gericht. An EZB-Präsident Mario Draghi hat er eine klare Botschaft: „Die Lage wird nicht besser, wenn man immer weiter macht mit Dingen, die nichts nützen.“

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