Vergleich mit AKW-Demos: Sarrazin macht Front gegen Türken-Protestler

Vergleich mit AKW-Demos: Sarrazin macht Front gegen Türken-Protestler

von Dietmar Neuerer

Die Demonstranten in der Türkei lassen nicht locker. Am Wochenende protestierten sie wieder gegen ihre Regierung. Thilo Sarrazin kann dem Aufstand nichts abgewinnen und stellt die Anliegen der Protestler infrage.

Der frühere Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin hat den Demonstranten in der Türkei abgesprochen, mit ihren Protesten eine Modernisierung des Landes erreichen zu wollen. „In der Summe halte ich die Proteste bis zum Beweis des Gegenteils für ein Wiederaufleben des Konflikts zwischen Säkularisten und Islamisten, der die Türkei seit dem Untergang des osmanischen Reiches beherrscht“, schreibt Sarrazin in einem Gastbeitrag für Handelsblatt Online. Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan scheine dies ähnlich zu sehen. „Sonst hätte er nicht mit Kanonen auf Spatzen geschossen.“

Sarrazin verglich die Proteste mit AKW-Demonstrationen in Deutschland. Zwar habe er Erdogan, dessen Nationalismus und die von ihm betriebene islamistische Entsäkularisierung der Türkei noch nie gemocht. „Seine maßlosen Äußerungen, sein ungeschicktes Verhalten und die von ihm offenbar gebilligten polizeilichen Übergriffe bei den Vorgängen rund um den Taksim-Platz in Istanbul haben ihn jetzt ein Stück weit entlarvt und entzaubert“, ist Sarrazin überzeugt. „Aber wo bitte ist auf der Seite der Protestierenden der prinzipielle Unterschied zu früheren Vorgängen in Deutschland um die Hafenstraße in Hamburg oder bei vielen AKW-Demonstrationen?“

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Isil Kaplan ist nicht nur die Tochter eines kurdischen Abgeordneten im türkischen Parlament, sondern auch eine ganz normale Social-Media-Aktivistin, die von Deutschland aus die Proteste in der Türkei unterstützt.

Am Wochenende war es auf dem Istanbuler Taksim-Platz erneut zu Auseinandersetzungen gekommen. Die Polizei hatte daraufhin den Platz unter dem Einsatz von Wasserwerfern und Tränengas geräumt. Dort hatten sich erneut mehrere zehntausend Menschen zu Protesten gegen die Regierung von Ministerpräsident Erdogan versammelt. Auch in der Hauptstadt Ankara gab es neue Proteste.

In Köln demonstrierten am Samstag etwa 30.000 bis 40.000 Menschen gegen Erdogan. Redner forderten dessen Rücktritt und Neuwahlen. Transparente trugen Aufschriften wie „Erdogan, der Wolf im Schafspelz“. Die Kundgebung stand unter dem Motto „Überall ist Taksim“. Organisiert wurde sie von der Alevitischen Gemeinde Deutschland, einer liberalen islamischen Gemeinschaft. Die Polizei sprach von einem „erfreulich friedlichen Verlauf“ der Kundgebung.

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