Verlust der Top-Bonität: Frankreichs freier Fall

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Verlust der Top-Bonität: Frankreichs freier Fall

von Tim Rahmann

Moody’s entzieht Frankreich sein „AAA“-Rating. Überraschend ist das nicht: Das Land ignoriert die Herausforderungen der Globalisierung. Selbst Madrid und Lissabon zeigen mehr Reformeifer als Paris.

18 Millionen Franzosen konnte François Hollande mit seinem wirtschaftsfeindlichen Programm – höhere Steuern für Reiche, Absenkung des Renteneintrittsalters, Verschärfung des Kündigungsschutzes – bei den Präsidentschaftswahlen überzeugen. Der Sozialist wurde im Mai an die Spitze des Staates gewählt. Er versprach, das Land „gerechter“ zu machen. Mit dem Artenschutz, den die Reichen unter Sarkozy angeblich genossen, sollte ab sofort Schluss sein. Mit einem fürsorgenden und starken Staat versprach er zudem, ein Bollwerk gegen Arbeitslosigkeit, Kaufkraftverlust und Globalisierung zu errichten.

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Nach fast genau einem halben Jahr im Amt steht fest: Hollande ist schon jetzt gescheitert. Nach Standard & Poor’s entzog nun auch die Ratingagentur Moody’s der „Grande Nation“ die Top-Bonität. Wer glaubt, Frankreich ist damit am Tiefpunkt angelangt, irrt. Das Land befindet sich im freien Fall.

Fakten zu François Hollande

  • Ausbildung

    Studierte Recht, Wirtschaft und Politik an Pariser Eliteuniversitäten.

  • Wahlkampf

    Holte sich Wahlkampftipps von Beratern des US-Präsidenten Barack Obama.

  • Einkommen

    Will im Amt sich und seinen Ministern das Gehalt um ein Drittel kürzen.

  • EU

    Plant einen Wachstumspakt zur Ergänzung des EU-Fiskalpakts.

  • Steuern

    Will Jahreseinkommen über eine Million Euro mit 75 Prozent besteuern.

Frankreichs Staatsverschuldung liegt inzwischen bei über 90 Prozent des Bruttoinlandsprodukts – Tendenz steigend. Über drei Millionen Franzosen sind inzwischen arbeitslos, das sind mehr als zehn Prozent aller Bürger im erwerbsfähigen Alter. Bei den Jung-Erwachsenen ist gar jeder vierte ohne Job. Noch wächst die französische Volkswirtschaft minimal, doch schon im neuen Jahr könnte damit Schluss sein. Glaubt man den Prognosen, steuert das Land geradewegs auf eine Rezession zu.

Diagramm: Schuldenstand Quelle: IWF

Diagramm: Schuldenstand (zum Vergrößern bitte klicken)

Bild: IWF

Die Gründe sind vielfältig: Während das Land zum Zeitpunkt der Euro-Einführung 1999 bei den Lohnstückkosten noch hinter Deutschland lag, ist es nun fast 25 Prozent teurer als der große Nachbar im Osten. Der gesetzliche Mindestlohn wurde kontinuierlich angehoben, auf derzeit 9,19 Euro pro Stunde oder 1400 Euro im Monat. Mit den Sätzen liegt Frankreich im weltweiten Vergleich im Spitzenfeld. Prozentual stärker in der Euro-Zone schossen die Löhne und Lohnnebenkosten nur in Spanien und Italien nach oben. Allerdings ist dort der Trend gebrochen. Doch während Spanien und Italien, aber auch Griechenland und Portugal Reformen zumindest angestoßen haben, herrscht in Frankreich Stillstand.

Das üppige französische Sozialsystem oder der Arbeitsmarkt, auf dem beinharter Kündigungsschutz, 35-Stunden-Woche und bis zu neun Wochen Urlaub regieren, sind für Hollande heilige Kühe.

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