Völkermord in Srebrenica: 40 Jahre Haft für Ex-Serbenführer Karadzic

Völkermord in Srebrenica: 40 Jahre Haft für Ex-Serbenführer Karadzic

, aktualisiert 24. März 2016, 17:23 Uhr
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Radovan Karadzic wird in Den Haag für schuldig erklärt.

Radovan Karadzic wird für schuldig erklärt: Der frühere Serbenführer ist für den Völkermord in Srebrenica von den Richtern des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag verurteilt worden. Seine Strafe: 40 Jahre Gefängnis.

Knapp 21 Jahre nach dem Völkermord von Srebrenica im Osten von Bosnien-Herzegowina ist der politisch Hauptverantwortliche, Ex-Serbenführer Radovan Karadzic, dafür schuldig gesprochen und zu einer Gesamtstrafe von 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden. Der 70-Jährige sei schuld an tausendfachem Mord, urteilte das UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag am Donnerstag.

Der ehemalige Psychiater ist nach Ansicht des Gerichts einer der Hauptschuldigen des Massakers in der damaligen UN-Schutzzone. Serbische Einheiten hatten im Juli 1995 nach der Eroberung der Enklave etwa 8000 muslimische Männer und Jungen abgeführt und in den umliegenden Wäldern ermordet. Als ehemaliger Präsident der selbsternannten bosnisch-serbischen Republik ist er auch der ranghöchste Politiker, der jemals wegen des Völkermordes in Srebrenica schuldig gesprochen wurde.

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Die Richter verurteilten Karadzic auch für schwere Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, darunter Mord, Ausrottung, Deportationen, Terror und Vertreibung. Opfer waren bosnische Muslime und Kroaten. „Er verfolgte gemeinsam mit anderen den Plan, alle Nicht-Serben dauerhaft von bosnischem Gebiet zu vertreiben“, erklärte der Vorsitzende Richter O-Gon Kwon.

Karadzic war 13 Jahre lang auf der Flucht

Der Bosnien-Krieg in den 1990er Jahren kostete mehr als 100.000 Menschen das Leben. Allein bei der mehr als 44 Monate dauernden Belagerung von Sarajevo wurden mindestens 10.000 Menschen getötet.

Die Richter sprachen Karadzic allerdings vom Anklagepunkt des Völkermordes in sieben bosnischen Kommunen frei. Die dort von serbischen Einheiten begangenen Verbrechen waren nach Ansicht der Richter kein Völkermord. Doch erklärten sie: „Der Angeklagte ist individuell strafrechtlich verantwortlich für Ausrottung, Mord und Terror der Zivilbevölkerung“, sagte der südkoreanische Richter.

Mehrere Dutzend Opfer des Krieges hatten vor dem Gericht eine Mahnwache gehalten. Sie waren enttäuscht, dass Karadzic keine lebenslange Haftstrafe bekommen hatte. Auch in Serbien und Bosnien verfolgten viele Menschen die Fernsehübertragung des Urteils. Die serbische Regierung berief für Freitag zu dem Urteil eine Sondersitzung in Belgrad ein.

Karadzics frühere Partei SDS kritisierte das Urteil in einer ersten Reaktion. Er hoffe, dass im Berufungsprozess „das Unrecht korrigiert wird“, sagte ihr Vorsitzender Mladen Bosic in Sarajevo. „Karadzic wird in die Geschichte eingehen als einer der größten Verbrecher“, erwartete dagegen der sozialdemokratische Parteichef Nermin Niksic.

Chefankläger Serge Brammertz äußerte sich zufrieden. „Das Gericht erkannte seine individuelle Schuld an“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur.

Karadzic wurde erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen. Die acht Jahre im Gefängnis werden von seiner Strafe abgezogen. Karadzic reagierte noch nicht auf das Urteil, das er sichtlich fassungslos entgegen nahm.

Vor dem UN-Tribunal läuft nun noch ein Srebrenica-Prozess. Das Urteil gegen Ex-General Mladic, unter dessen Kommando serbische Einheiten die Enklave überrannt hatten, wird im kommenden Jahr erwartet.

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