Vorwahlen in Italien: Die möglichen Erben des Mario Monti

03. Dezember 2012
von Sara Zinnecker

Wer regiert ab April 2013 Italien? Mario Monti könnte bleiben, Berlusconi auf die politische Bühne zurückkehren, doch sicher ist das alles nicht. Die Demokratische Partei Italiens (PD) machte jetzt ihrerseits eine Ansage. In einer Stichwahl kürte sie gestern ihren Herausforderer.

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Im April 2013 beginnt für Italien eine neue politische Ära. Die Technokraten-Regierung unter der Führung des Mailänder Ökonomen Mario Monti, die Italien übergangsweise seit November 2011 führte, muss abtreten. Ein neuer, demokratisch legitimierter Regierungschef, soll übernehmen. Aber wer nur? Vier Monate vor dem Urnengang sucht Italiens Polit-Riege noch immer nach geeigneten Kandidaten für die Monti-Nachfolge; mit Pier Luigi Bersani macht die Demokratische Partei (PD) nun eine erste konkrete Ansage.

Mehr als 2,5 Millionen registrierter Wähler hatten am Sonntag in einer Stichwahl über die künftige Ausrichtung der Demokratischen Partei abgestimmt, die - glaubt man den Umfragen - derzeit stärkste Partei Italiens. Sie dürfte damit in erster Linie bestimmen, wie es mit Mario Monti und dem Euro-Krisenland ab April weitergeht. Die Vorwahl der PD war eine Abstimmung zwischen zwei Welten, am Ende warf Parteichef Pier Luigi Bersani, mit seinen 61 Jahren ein alter Hase im Polit-Geschäft, den erst 37-jährigen florentinischen Bürgermeister Matteo Renzi aus dem Rennen. Bersani holte über 60 Prozent der Stimmen.

Es ist ein Ergebnis, das diejenigen aufatmen lässt, die sich einen erfahrenen Politiker an der Spitze des Stiefelstaates wünschen, einen, dem zuzutrauen ist, die Reformen, die Mario Monti innerhalb des letzten Jahres anstieß, weiterzuführen. Seinen Ruf, auch in Wirtschaftsfragen kompetent zu sein, erwarb er sich nicht zuletzt während seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister (2006 – 2008) in der  zweiten Regierung Prodi. Links-orientiert galt er dennoch als pragmatisch und brachte überfällige Liberalisierungs-Gesetzen im Parlament durch – diese schufen die Basis für mehr Wettbewerb in bestimmten Berufsgruppen und Branchen, darunter etwa Architekten, Apotheker, Mobilfunk-Netzbetreiber oder der Warengroßhandel.

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Matteo Renzi, auf der anderen Seite, hat keine nationale politische Expertise. Allerdings hat sein Aktionismus auf regionaler Ebene, zuerst als Präsident der Provinz Florenz, seit 2009 als Bürgermeister von Florenz, viele begeistert. Die Innenstadt von Florenz, die im Verkehrschaos unterzugehen drohte, machte er binnen weniger Wochen autofrei. Er verordnete sich und der gesamten Verwaltung Car-Sharing und senkte einige kleinere Steuern – darunter die Stromsteuer.

Doch mehr als kleine Fortschritte hier und da gewinnt er nicht zuletzt die jungen Italiener für sich, nicht zuletzt dank seines Charismas. Wochenlang tourte er mit einem Camper durchs ganze Land – die Spritkosten sammelte er übers Internet. Wer Renzi reden hört, ihn auf Facebook oder Twitter verfolgt, sieht ein modernes Italien – dem Fortschritt zugewandt und ohne die Renzi die alten Parteikader, gegen die Renzi in fast allen seiner Auftritte Stimmung machte.  

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