Währungsunion: Der Euro im Faktencheck

Währungsunion: Der Euro im Faktencheck

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Hollande, Merkel: Die alte Forderung nach Euro-Bonds ausgepackt

von Malte Fischer, Bert Losse, Konrad Fischer, Anne Kunz, Silke Wettach und Florian Willershausen

Schluss mit der hysterischen Debatte über den Euro: Wir blicken nüchtern ökonomisch auf die zentralen Thesen der Euro-Befürworter. Welche Argumente halten dem Realitätstest stand – und welche nicht?

Nein, das war mal wieder keine gute Woche für den Euro. Beim G8-Gipfel in Camp David packte der neue französische Staatspräsident François Hollande als Begrüßungsgeschenk die alte Forderung nach Euro-Bonds aus – ein Affront gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel, die dieses heikle Thema erledigt wähnte. In Spanien musste die Regierung einräumen, dass das Haushaltsdefizit 2011 mit 8,9 Prozent noch größer als erwartet ausgefallen ist.

An der Terminbörse in Chicago nahmen die Wetten von Hedgefonds auf einen fallenden Euro zu; die Differenz zu Spekulationen auf steigende Euro-Kurse war so hoch wie noch nie seit Einführung der Gemeinschaftswährung. Und dann begannen in Deutschland auch noch die Thilo-Sarrazin-Festspiele.

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"Europa braucht den Euro nicht"

Das Ex-Bundesbank-Vorstandsmitglied tingelte durch Talkshows und Redaktionen, um für sein neues Buch „Europa braucht den Euro nicht“ zu werben – und er entfachte im politischen Establishment eine selten gesehene parteiübergreifende Protestwelle. Als Sarrazin als Gast bei Sprechmeister Günther Jauch stotternd seine Anti-Euro-Fakten präsentierte, befand sein Widerpart in der Sendung, SPD-Kanzlerkandidatsanwärter Peer Steinbrück, nur: „Bullshit.“

Am Ende sah Steinbrück zusammen mit dem Euro gar die „europäische Zivilisation“ gefährdet. Neu-Währungsexperte Jürgen Trittin von den Grünen warf Sarrazin „D-Mark-Chauvinismus“ vor. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble las bei dem 67-Jährigen „himmelschreienden Blödsinn“.

Glossar

  • Wirtschafts- und Währungsunion

    Die Wirtschafts- und Währungsunion wurde 1990 in einem Drei-Stufen-Plan eingeläutet. 17 von 27 EU-Staaten haben seither den Euro eingeführt. Von den übrigen zehn sind sieben verpflichtet, den Euro zu übernehmen, wenn sie die Konvergenzkriterien erreichen. Nur Dänemark, Schweden und Großbritannien machen nicht mit.

  • Inflationsrate

    Zu D-Mark-Zeiten war die Inflationsrate in Deutschland höher und volatiler als unter dem Euro-Regime. Das gute Euro-Ergebnis ist aber auch dem Wettbewerbsdruck durch die Globalisierung geschuldet.

  • Niedrigzinspolitik

    Der von der EZB festgelegte Leitzins in Euro-Land liegt bei nur noch 1,0 Prozent. Ökonomen betrachten dieses Niveau für Deutschland als zu niedrig – und als Inflationsrisiko.

  • Vertrag von Lissabon

    Das im Dezember 2009 in Kraft getretene Abkommen hat der EU zusätzliche Kompetenzen in den Bereichen Außenpolitik, Justiz und Inneres übertragen. Es regelt zudem erstmals das Procedere eines EU-Austritts einzelner Staaten.

  • Wachstum

    Studien zeigen, dass die Wirtschaft auch dann wächst, wenn der Staat spart – vorausgesetzt, die Regierung setzt den Rotstift bei den Ausgaben an statt die Steuern zu erhöhen. Dagegen steigern kreditfinanzierte Staatsausgaben die Schulden und bremsen das Wachstum.

  • D-Mark

    Zu D-Mark-Zeiten war Deutschland hinter den USA Vize-Weltmeister beim Export. Unter dem Euro-Regime brachte es Deutschland von 2003 bis 2008 zum globalen Ausfuhr-Primus. Mittlerweile heißt der Exportweltmeister China. Deutschland ist auf den dritten Rang zurückgefallen.

Panik beim Thema Euro

Man muss Thilo Sarrazin nicht mögen. Aber der Provokateur hat dafür gesorgt, dass die Euro-Debatte in Deutschland erstmals einen grundsätzlichen Charakter bekommt. Die hysterischen Reaktionen auf das Buch des – zugegeben demagogiebegabten – Selbstvermarkters zeigt, welche Panik mittlerweile in der politischen Klasse beim Thema Euro herrscht. Mit einem Mal geht es nicht mehr nur um Rettungspakete und Kostenrechnungen, wie teuer uns der Austritt des Entwicklungslandes Griechenland aus der Währungsunion käme.

Jetzt lautet die Frage: Kann und will sich Deutschland trotz der unbestreitbaren Vorteile des Euro die Gemeinschaftswährung auf Dauer leisten, wenn es im Gegenzug – der europäischen Idee zuliebe – für die Schuldenpolitik und den Reformunwillen anderer EU-Staaten geradestehen muss? Nach einer aktuellen Umfrage von Infratest dimap halten nur noch 47 Prozent der Bundesbürger die Euro-Einführung im Jahr 1999 für richtig – 49 Prozent sehen darin mittlerweile einen Fehler.

Brauchen wir den Euro wirklich? Lesen Sie auf den folgenden Seiten, welche von seinen Befürwortern angeführten Argumente sich noch halten lassen.

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