Währungsunion: These 5: Europa braucht den Euro, um im Konzert der großen Währungsblöcke zu bestehen

Währungsunion: Der Euro im Faktencheck

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These 5: Europa braucht den Euro, um im Konzert der großen Währungsblöcke zu bestehen

François Hollandes Mission lässt sich auf einen kurzen Nenner bringen: Wachstum. Der neue französische Präsident hat sich zum Ziel gesetzt, Europa die seiner Meinung nach einseitige Ausrichtung auf die Sanierung der Staatsfinanzen auszutreiben und den Kontinent damit aus der Wirtschaftskrise zu führen. Das Thema ist keine Erfindung Hollandes - die EU-Regierungschefs haben sich immer wieder damit beschäftigt, wie der Kontinent Rezession und Arbeitslosigkeit entrinnen kann. Aber die Debatte um die richtige Strategie erhält durch die Wahl des Sozialisten eine ganz neue Dynamik.

Bild: dpa

So angeschlagen der Euro wirkt – die meisten Staaten der Welt betrachten Europas Zahlungsmittel als zweite Leitwährung: Ein Viertel der weltweit gebunkerten Währungsreserven lautet auf Euro; im Jahr 2000 waren es nur 18 Prozent. Der Dollar bringt es zwar auf 60 Prozent, doch die relative Übermacht der Dollar-Einlagen sinkt seit nunmehr zehn Jahren. Die Bedeutung des Euro blieb trotz Finanzkrise überraschend stabil, wenngleich es unter dem Eindruck der eskalierenden Schuldenkrise seit dem vierten Quartal 2011 eine Delle nach unten gibt.

Bleibt der Euro als Transaktions- und Reservewährung global relevant, beruhigt dies nicht nur internationale Investoren und Anleger, sondern stabilisiert auch die Handelsbilanzen im Euro-Land. Denn in den boomenden Schwellenländern, die für die Konjunktur in Europa eine Schlüsselrolle einnehmen, geht der Trend hin zur Kopplung der Landeswährung an einen Währungskorb.

Schwere Zeiten für Nationalwährungen

Im Korb der russischen Zentralbank etwa liegt der Euro-Anteil bei rund 40 Prozent. Für europäische Exporteure dämpft dies die Wechselkursvolatilität. Mittelfristig dürfte mit dem chinesischen Yuan eine dritte globale Leitwährung entstehen, die sich in den Währungskörben der Schwellenländer breit macht. Nationale europäische Währungen dürften es dann schwer haben.

Wer im Konzert der Wirtschaftsblöcke mitspielen möchte, braucht ein gemeinsames Korsett. Allerdings: Als Ankerwährung für Schwellenländer und als Katalysator für die weltpolitische Bedeutung Europas funktioniert der Euro nur, solange er auf Dauer eine stabile Währung ist. Das aber ist – nicht zuletzt durch die ultralockere Geldpolitik der EZB – infrage gestellt.

Weniger Wirtschaft, mehr politische Nähe?

Die Niedrigzinspolitik heizt den Kapitalstrom in Schwellenländer an, deren Währungen unter Aufwertungsdruck geraten. Wegen der Wechselkursbindung intervenieren die Zentralbanken der Schwellenländer und verkaufen die eigene Währung. Das zusätzlich in die Wirtschaft fließende Geld pumpt Spekulationsblasen auf und treibt die Güterpreise in die Höhe. Statt Stabilität importieren die Schwellenländer Inflation aus Europa.

Manche Euro-Kritiker sagen gar: Gäbe Europa den Euro auf, könnte die politische Bedeutung Europas steigen. Denn dann müssten die Regierungen auf wichtigen Politikfeldern eng zusammenrücken. Eine auf diese Weise institutionell gestärkte und mit einer Stimme sprechende EU könnte womöglich ihr Gewicht in der Welt besser zur Geltung bringen als eine in Währungsfragen zerstrittene Staatengruppe.

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Fazit: These stimmt überwiegend

9 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 29.05.2012, 23:22 Uhrmathias

    @Skeptiker33
    Wer redet hier von "Preissteigerung" im Vergleich DM-Zeit mit dem € ?

    Ich habe den Vergleich eingebracht,das trotz Umtauschschwankungen
    die Kaufkraft von DM höher war in Europa,als heute mit dem € in der EU.

    Ihr Kommentar geht am vorliegendem Artikel vorbei.

    Nach meiner Ansicht ist Ihre Grundlage "Preisstatistik" aus dem
    statistischem Bundesamt nach Methode XYungelöst " VOLKSVERDUMMUNG"

  • 29.05.2012, 19:58 Uhrskeptiker33

    Die Preissteigerungsraten aus D-Mark Zeiten mit den Euro-Preissteigerungsraten zu vergleichen ist Volksverdummung.

    Im Jahre 2002 wurde erstmals für Computer die "hedonische" Berechnungsmethode in die Preisstatistik eingeführt und später auf weitere Produktgruppen ausgedehnt.
    Zitat aus "Zur Einführung hedonischer Methoden in die Preistatistik" Statistisches Bundesamt-Wirtschaft und Statistik 10/2002:
    "In den Voruntersuchungen wurde festgestellt, dass ein mit hedonischer Qualitätsbereinigung berechneter Preisindex für Personalcomputer im Durchschnitt stärkere Preissenkungen ausweist als der entsprechende Index mit traditioneller Qualitätsbereinigung"

    Die Inflationsraten wurden also zum Nachteil von Arbeitnehmern (niedrigere Lohnsteigerungen) und Sparern (niedrigere Realzinsen) nach angelsächsischem Vorbild heruntergerechnet.
    Das sollte auch der "Chef-Volkswirt" der Wiwo wissen, oder?

  • 29.05.2012, 15:46 UhrJuergen_Gerdes

    "Es gibt keine Alternative zu Europa und zur Europäischen Union. Zum Euro schon." So das Gesamtfazit der Wiwo. Es stimmt mich traurig, wenn auch hier Europa mit der EU quasi gleichgesetzt wird. Das wir in Europa liegen, ist unbestritten, dass es zur EU keine Alternative geben soll ist lächerlich.

    Unsere Chancen liegen nicht im Superstaat, sie liegen in der kulturellen Vielfalt. Dafür und für alle wirtschaftlichen Zwecke reicht eine Zollunion mit Reise- und Niederlassungsfreiheit vollkommen aus.

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