Währungsunion: Wie sich der IWF aus der Griechenland-Rettung verabschiedet

Währungsunion: Wie sich der IWF aus der Griechenland-Rettung verabschiedet

Bild vergrößern

Griechenlands Schulden: Löst der ESM die Kredite des Internationalen Währungsfonds ab?

von Silke Wettach

Eigentlich wollte die Bundesregierung den Internationalen Währungsfonds weiterhin dabei haben. Jetzt aber werden die Geldgeber Griechenlands kreativ. Der europäische Rettungsschirm ESM könnte die Kredite des IWF ablösen.

Es war ein Geschenk von hoher Symbolkraft. Kürzlich überreichte der Chef des kleinen griechischen Koalitionspartners, Panos Kammenos, Ministerpräsident Alexis Tsipras zwei Krawatten – eine bunt gestreift, die andere korallenrot. Dazu muss man wissen: Zu Jahresbeginn hatte Tsipras verkündet, er wolle einen Schlips tragen, sobald das griechische Schuldenproblem gelöst sei. Nachdem die Euro-Finanzminister nun positive Signale zu einer erneuten Umstrukturierung der griechischen Staatsschuld gesendet hatten, hielt Kammenos sein Geschenk für passend.

Griechenland Weitere Steuerbelastungen für Bürger

Der Poker von Geldgebern und Griechenland um Reform- und Sparauflagen geht in die Endrunde. Premier Tsipras legt die Latte hoch und will die Krisenjahre bald hinter sich lassen. Auf die Griechen kommen wohl neue Steuern zu.

Griechenland: Weitere Steuerbelastungen für Bürger Quelle: dpa

Nicht nur in Athen ist man in diesen Tagen betont optimistisch. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)beispielsweise rechnet mit einer Einigung über die Freigabe weiterer Griechenland-Hilfen. „Wir werden nicht eine neue Krise in und um Griechenland bekommen, und wir kommen zu einem vernünftigen Ergebnis“, sagte Schäuble am Donnerstag im japanischen Sendai vor einem Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der führenden Industrieländer (G7).

Anzeige

Dabei hatte die Euro-Gruppe vor kurzem kaum eine der anstehenden Fragen wirklich gelöst. Dennoch werden die Finanzminister wahrscheinlich bei ihrem nächsten Treffen am 24. Mai eine 4,9 Milliarden Euro schwere Tranche aus dem laufenden Hilfspaket für Griechenland freigeben. Damit käme das Geld gerade noch rechtzeitig in Athen an, sodass der griechische Staat im Juli seinen Zahlungsverpflichtungen aus Staatsanleihen und früheren Krediten der Europäischen Zentralbank sowie des IWF in Höhe von insgesamt 5,7 Milliarden Euro nachkommen kann.

Tsipras bittet zur Kasse Auf die Griechen kommt ein Steuer-Tsunami zu

Premierminister Tsipras will an diesem Wochenende Rentenkürzungen und Steuererhöhungen im Eilverfahren durchs Parlament peitschen. Die Gewerkschaften reagieren mit Massenstreiks und Protesten. Wirtschaftsverbände warnen.

Nur noch 29 Prozent der Griechen haben eine positive Meinung von ihrem Premier, 68 Prozent senken den Daumen. Quelle: Reuters

Jeroen Dijsselbloem, Präsident der Euro-Gruppe, hat die Auszahlung der Tranche unabhängig davon in Aussicht gestellt, ob sich die Geldgeber über den weiteren Umgang einig werden. Damit ist nicht nur für Griechenland Zeit gewonnen. Auch die Gläubiger können nun in Ruhe die unterschiedlichen Varianten der Schuldenstreckung durchrechnen, mit Blick auf kurz-, mittel- und langfristig notwendige Schritte. Schäuble möchte die Debatte so schnell abschließen, dass sie nicht bis in die heiße Phase der Brexit-Kampagne in Großbritannien reicht. Dort stimmen die Bürger am 23. Juni über ihre EU-Mitgliedschaft ab.

Störend dabei nur: Der Internationale Währungsfonds (IWF) pocht noch immer darauf, Griechenland einen möglichst großen Teil seiner Schulden zu erlassen. Kürzlich hatte Lagarde allen 19 Finanzministern der Euro-Zone einen Brief geschrieben und sie an diesen Punkt erinnert. Indirekt drohte sie in den Schreiben sogar, der IWF könnte sich an künftigen Aktionen nicht mehr beteiligen, sollte seine Forderung nicht erfüllt werden.

Anzeige
Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DAS PORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Angebote Gesuche




.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%