Währungsunion: Zurück zur Ecu

Währungsunion: Zurück zur Ecu

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Der damalige französische Präsident Valery Giscard d'Estaing (l) im Gespräch mit dem frühen deutschen Kanzler Helmut Schmidt (r) im Elysée-Palast (1977). Die beiden früheren Staatsoberhäupter trieben seit Mitte der Siebzigerjahre die Gründung einer Währungsunion voran. Das Ziel war allerdings keine Einheitswährung, sondern ein stabiles Gegengewicht zum Dollar

von Anne Kunz

Währungsunionen haben sich auch mit verschiedenen, nationalen Währungen gut bewährt.

Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d’Estaing trieben seit Mitte der Siebzigerjahre die Gründung einer Währungsunion voran. Nicht die Idee einer Einheitswährung stand im Vordergrund, sondern sie wollten für stabile Verhältnisse innerhalb der Europäischen Gemeinschaft (EG) sorgen und ein Gegengewicht zum Dollar schaffen. In dem 1979 gegründeten Europäischen Währungssystem (EWS) durften die Währungen der Mitgliedstaaten nur innerhalb von bestimmten Bandbreiten im Verhältnis zur Referenzgröße Ecu (European Currency Unit) und gegenüber den anderen beteiligten Währungen schwanken.

Der Wert der Ecu errechnete sich aus einem Währungskorb, dem die gewichteten Währungen der EWS-Länder angehörten. Sie war eine Recheneinheit, kein Zahlungsmittel wie der Euro. Der Schwankungskorridor zur Ecu lag für fast alle beteiligten Länder bei 2,25 Prozent nach oben und unten. Nur den Italienern wurden sechs Prozent zugestanden. Griechenland trat, obwohl EG-Mitglied, dem EWS nicht bei. Gerieten die Wechselkurse unter Druck, mussten die Zentralbanken der betroffenen Länder unbegrenzt am Devisenmarkt eingreifen, um die Wechselkurse in den Bandbreiten zu halten.

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Gelang dies nicht, weil sich die Wettbewerbsfähigkeit der EWS-Länder zu weit auseinanderentwickelt hatte, waren Änderungen der Leitkurse vorgesehen. Dies geschah in Konsens aller am EWS beteiligten Länder. Im Grunde war das EWS eine begrenzte Neuauflage des Festkurssystems von Bretton Woods. Doch weil nötige Leitkursanpassungen häufig zu lange hinausgezögert wurden, war das System anfällig für Spekulationen. 1992 attackierte Großinvestor George Soros das überbewertete Pfund.

Erzwungene Disziplin

Die Briten mussten aus dem EWS austreten. Die Italiener folgten ihnen. Die Spanische Peseta, der Portugiesische Escudo und das Irische Pfund wurden teilweise zweistellig abgewertet. Erst dann kehrte wieder Ruhe ein. Die durch das EWS erzwungene Währungsdisziplin förderte die wirtschaftliche Konvergenz mit niedrigeren Inflationsraten und einer Annäherung der Zinssätze.

Das EWS-Regime wurde am 1. Januar 1999 vom Euro abgelöst. Seither gilt das EWS II, das das Verhältnis der Währungen der Nicht-Euro-Länder der EU zum Euro regelt. Es legt eine maximale Schwankungsbandbreite von 15 Prozent um den Leitkurs der nationalen Währung zum Euro fest. Die mindestens zweijährige, spannungsfreie Teilnahme am Wechselkursmechanismus II ist eine der vier Voraussetzungen zur Einführung des Euro. Derzeit sind die drei Länder Dänemark, Lettland und Litauen in dem Währungsverbund.

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