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Wahl in Frankreich: Der rote Hollande kommt – Europa muss sich Sorgen machen

von Benjamin Reuter

Mit rund 52 Prozent der Stimmen ist François Hollande knapp zum neuen Präsidenten Frankreichs gewählt worden. Auf seinem Weg in den Élysée-Palast inszenierte er sich als Präsident zum Anfassen mit blumigen Versprechen und schönen Worten. Ob er seinem Volk unangenehme Reformen zumuten und Frankreich zu einem stabilen Partner in Europa machen kann, ist zweifelhaft.

Hollande vs. Sarkozy

Frankreichs Wirtschaft hat in den vergangenen zehn Jahren einen historischen Abschwung erlebt. Staatsverschuldung, Außenhandelsdefizit und Arbeitslosenquote haben dabei Rekordhöhen erreicht. Wenn der zweitgrößte Industriestandort in Europa wankt, bringt das den Euro in Gefahr. Deshalb entscheiden die wirtschaftspolitischen Pläne von Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und seinem Herausforderer François Hollande auch über die Zukunft der gemeinsamen Währung. Die wichtigsten Baustellen für den neuen oder alten Präsidenten nach der Wahl an diesem Sonntag: Abbau der Schulden und der Arbeitslosigkeit, Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit und die Reform der Sozialsysteme. Dafür wollen die Kandidaten auch Europa in die Pflicht nehmen. Warum die Maßnahmen von Nicolas Sarkozy und François Hollande kaum reichen werden, um die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen, zeigt die folgende Analyse.

Bild: dpa

Für Frankreichs Linke ist es ein historischer Moment: Der neue Präsident heißt François Hollande. Nach François Mitterrand, der 1995 abdankte, zieht damit erstmals wieder ein Sozialist in den Élysée-Palast ein. Den knappen Sieg feierte Hollande in der Kleinstadt Tulle in seinem Wahlkreis in Süd-West-Frankreich. Im Laufe des Abends flog er nach Paris, um dort vor zehntausenden Anhängern auf dem Platz der Bastille aufzutreten. An diesem Ort hatten die Sozialisten schon 1981 die Wahl von Mitterrand gefeiert.

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Aber nicht nur für die französischen Sozialisten war es ein historischer Moment: sondern für das ganze Land, für Europa und damit auch für Deutschland. Denn was ab Montag in Paris entschieden wird, entscheidet darüber, ob Frankreich seinen beispiellosen wirtschaftlichen Abstieg fortsetzt oder wieder prosperiert und damit erneut eine verlässliche Rolle als Stabilisator der Eurozone spielen kann. Die Frage stellt sich also: In welche Richtung wird Hollande das Land lenken?

Zwei Eindrücke sind es, die von seinem Mammutwahlkampf, der über ein Jahr dauerte und ihn auf seiner Jagd nach Stimmen in alle Ecken des Frankreichs führte, bleiben. Erstens: Hollande versprach, das Land „gerechter“ zu machen. Mit dem Artenschutz, den die Reichen unter Sarkozy angeblich genossen, sollte Schluss sein. Mit einem fürsorgenden und starken Staat versprach er zudem, ein Bollwerk gegen Arbeitslosigkeit, Kaufkraftverlust und Globalisierung zu errichten.

Der zweite Eindruck, der bleibt: Hollande inszenierte sich als ein Präsident in spe zum Anfassen. Laut seiner eigenen Aussage gehörte das „Bad in der Menge“ im Wahlkampf zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Die Botschaft: Hier ist ein roter Bürgerkönig auf dem Weg in das höchste Staatsamt. Ein Jedermann, der für jeden ein offenes Ohr hat. Ein Staatspräsident à la Sarkozy, der seinen Wahlsieg 2007 im Pariser Nobelrestaurant Fouquet’s mit den Großkopferten der Gesellschaft, mit Unternehmern und Superreichen mit Champagner begoss – das sollte nicht mehr vorkommen.

Hollandes Kalkül ist aufgegangen. Schon jetzt ist klar, dass der künftige Präsident mit seinen Auftritten die Linke und extreme Linke ebenso ansprach, wie einen erheblichen Teil der Wählerschaft der Mitte und sogar des rechtspopulistischen Front National. Gerechtigkeit und ein anderer Politikstil, das waren bei dieser Wahl die Sesam-öffne-dich-Formeln für den Élysée-Palast.

14 KommentareAlle Kommentare lesen
  • 08.05.2012, 08:54 Uhrmad

    Tolle Schlagzeile.Für die WiWo wäre es wohl erstrebenswerter,wenn die Rechten in Europa mehr Fuss gewännen.Das kann doch wohl nicht Aufgabe von Journalismus sein,dem das Wort zu sprechen.

  • 08.05.2012, 04:57 UhrJoselyn

    So wie Frau Merkel seinerzeit mit Herrn Sarkozy rumgemacht hat, war das total unangemessen für ein Staatsoberhaupt. Da hätte man mehr Diplomatie und Professionalität erwarten können.

    Jetzt braucht sie sich nicht zu wundern. Ich persönlich wünsche Herrn Hollande alles Gute und gönne es dem französischen Volk, dass es jemanden hat, er versucht, etwas für das Volk zu tun.

    Herr Sarkozy und Frau Merkel haben während ihrer Amtszeit für das Volk nichts getan.

  • 07.05.2012, 11:16 UhrWittigfranko

    Hollande wird zuerst die Mehrwertsteuer erhöhen müssen
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    Was Sarkozy in fünf Jahren Präsidenschaft nicht vermochte ist nun durch Hollande zu exekutieren: die Erhöhung der MwSt auf einen einheitlichen Satz von mindestens 22,5%.

    Die EU lässt derzeit einen Höchstsatz von 25% zu, der in Dänemark schon jahrelang Realität ist - ohne Ausnahme.

    Frage: Wo würde Frankreich heute stehen, wenn es Deutschland bei der MwSt-Erhöhung im Jahr 2007 gefolgt wäre?

    Vive la TVAsociale

    Dr. Ludwig Paul Häußner, Karlsruhe

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