Wahl in Frankreich: Der rote Hollande kommt – Europa muss sich Sorgen machen

Wahl in Frankreich: Der rote Hollande kommt – Europa muss sich Sorgen machen

von Benjamin Reuter

Mit rund 52 Prozent der Stimmen ist François Hollande knapp zum neuen Präsidenten Frankreichs gewählt worden. Auf seinem Weg in den Élysée-Palast inszenierte er sich als Präsident zum Anfassen mit blumigen Versprechen und schönen Worten. Ob er seinem Volk unangenehme Reformen zumuten und Frankreich zu einem stabilen Partner in Europa machen kann, ist zweifelhaft.

Für Frankreichs Linke ist es ein historischer Moment: Der neue Präsident heißt François Hollande. Nach François Mitterrand, der 1995 abdankte, zieht damit erstmals wieder ein Sozialist in den Élysée-Palast ein. Den knappen Sieg feierte Hollande in der Kleinstadt Tulle in seinem Wahlkreis in Süd-West-Frankreich. Im Laufe des Abends flog er nach Paris, um dort vor zehntausenden Anhängern auf dem Platz der Bastille aufzutreten. An diesem Ort hatten die Sozialisten schon 1981 die Wahl von Mitterrand gefeiert.

Aber nicht nur für die französischen Sozialisten war es ein historischer Moment: sondern für das ganze Land, für Europa und damit auch für Deutschland. Denn was ab Montag in Paris entschieden wird, entscheidet darüber, ob Frankreich seinen beispiellosen wirtschaftlichen Abstieg fortsetzt oder wieder prosperiert und damit erneut eine verlässliche Rolle als Stabilisator der Eurozone spielen kann. Die Frage stellt sich also: In welche Richtung wird Hollande das Land lenken?

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Zwei Eindrücke sind es, die von seinem Mammutwahlkampf, der über ein Jahr dauerte und ihn auf seiner Jagd nach Stimmen in alle Ecken des Frankreichs führte, bleiben. Erstens: Hollande versprach, das Land „gerechter“ zu machen. Mit dem Artenschutz, den die Reichen unter Sarkozy angeblich genossen, sollte Schluss sein. Mit einem fürsorgenden und starken Staat versprach er zudem, ein Bollwerk gegen Arbeitslosigkeit, Kaufkraftverlust und Globalisierung zu errichten.

Der zweite Eindruck, der bleibt: Hollande inszenierte sich als ein Präsident in spe zum Anfassen. Laut seiner eigenen Aussage gehörte das „Bad in der Menge“ im Wahlkampf zu seinen Lieblingsbeschäftigungen. Die Botschaft: Hier ist ein roter Bürgerkönig auf dem Weg in das höchste Staatsamt. Ein Jedermann, der für jeden ein offenes Ohr hat. Ein Staatspräsident à la Sarkozy, der seinen Wahlsieg 2007 im Pariser Nobelrestaurant Fouquet’s mit den Großkopferten der Gesellschaft, mit Unternehmern und Superreichen mit Champagner begoss – das sollte nicht mehr vorkommen.

Hollandes Kalkül ist aufgegangen. Schon jetzt ist klar, dass der künftige Präsident mit seinen Auftritten die Linke und extreme Linke ebenso ansprach, wie einen erheblichen Teil der Wählerschaft der Mitte und sogar des rechtspopulistischen Front National. Gerechtigkeit und ein anderer Politikstil, das waren bei dieser Wahl die Sesam-öffne-dich-Formeln für den Élysée-Palast.

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