Wahl in Frankreich: Königsmacher auf rechts Außen?

Wahl in Frankreich: Königsmacher auf rechts Außen?

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Sarkozy setzt auf die Stimmen der rechten Wähler.

von Benjamin Reuter

Nicolas Sarkozy und François Hollande sind bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich in die zweite Runde eingezogen. Die entscheidende Frage nach diesem Wahlgang: Stimmen die rechten Wähler doch noch für Sarkozy?

Nicolas Sarkozy hat im Wahlkampf bisher vor allem auf das Thema Einwanderung gesetzt. So drohte er Frankreichs Grenzen wieder zu schließen und den Schengen-Raum zu verlassen. Außerdem versprach er, die Einwanderung zu halbieren „Frankreich kann sich Ausländer nicht mehr leisten, die keine Arbeit haben“, hatte er in einer seiner Reden vor einigen Wochen erklärt. Diese Themen brachten ihm 2007 den Wahlsieg. Stimmen in seinem eigenen Lager, die in diesem Wahlkampf eine Hinwendung zur Mitte forderten, kanzelte der Präsident ab.

Diesmal ging die Rechnung aber nicht auf, Wähler am rechten Rand zu fischen. Stattdessen liefen die Bürger massenhaft zu Marine Le Pen über, der Vorsitzenden des rechtsextremen Front National (FN). Sie erreichte mit 18 Prozent der Stimmen ein Rekordergebnis. 2007 lag der FN nur bei elf Prozent. Sarkozy kam gestern auf 27 Prozent der Stimmen. Damit liegt er knapp hinter dem Sozialisten François Hollande, der 28,6 Prozent der Stimmen auf sich vereinigen können.

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Franzosen glauben Sarkozy nicht mehr

Die Frage für den zweiten Wahlgang am 6. Mai ist, ob der Präsident die Stimmen des Front National vollkommen zurückgewinnen kann. Zurzeit wollen nur 60 Prozent der Wähler der extremen Rechten sich für ihn entscheiden. Laut einer Umfrage von gestern Abend für den zweiten Wahlgang liegt Sarkozy aber deutliche acht Prozent hinter Hollande. Der will zudem seinen psychologisch wichtigen ersten Platz nutzen, um seiner Kampagne weitere Dynamik zu verleihen. Die extreme Rechte nach 2007 ein weiteres Mal für sich zu gewinnen, wird Sarkozy aber schwer fallen. Genauso, wie viele Franzosen ihrem Präsidenten nicht mehr glauben, dass er die Wirtschaft wieder auf Vordermann bringen kann, so wenig nehmen ihm die rechten Wähler noch seine halbstarken Sprüche ab.

Als Innenminister hatte Sarkozy 2005 versprochen, die heruntergekommen Vorstädte „mit dem Kärcher zu säubern“. Marine Le Pen fragte kürzlich genüsslich: „Wo ist er denn geblieben, der berühmte Kärcher?“ Denn geändert hat sich in den Augen der Rechten in den Vorstädten nichts. Le Pen hat angekündigt, am 1. Mai eine Wahlempfehlung abzugeben. Wahrscheinlich wird sie ihre Anhänger dazu aufrufen, sich am 6. Mai zu enthalten. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen, ließ schon verlauten, dass er Sarkozy „für geschlagen“ hält. Der amtierende Präsident wird dennoch versuchen, in den kommenden zwei Wochen noch schärfer nach Rechts zu schwenken.

Hollande könnte Stimmen von Bayrous Wählern einsammeln

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Für den zweiten Wahlgang bliebe für Sarkozy auch die Chance, Stimmen in der Mitte bei den Wählern von François Bayrou zu sammeln. Der Kandidat der Zentristen schnitt mit neun Prozent schlechter ab als erwartet. Für den amtierenden Präsidenten, wird eine Kehrtwende zur Mitte aber äußert schwierig zu verkaufen sein. Dafür war sein bisherigen Wahlkampf zu rechtslastig. Einzige Möglichkeit für Sarkozy: François Bayrou ruft seine Wähler dazu auf, für ihn zu stimmen. Dafür, so wird spekuliert, wurde Bayrou schon das Amt des Premierministers in einer eventuellen Regierung unter Sarkozy angetragen. Bayrou selbst hat erklärt, in den kommenden Tagen zu sondieren, welches Programm der Kandidaten am Besten zu seinem passt und sich dann zu entscheiden. Am Ende könnte also auch Hollande die Stimmen von Bayrous Wählern einstreichen. Der Sieg am 6. Mai wäre ihm dann wohl nicht mehr zu nehmen.

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