Wahl in Portugal: Die Krise ist noch nicht vom Tisch

Wahl in Portugal: Die Krise ist noch nicht vom Tisch

von Karin Finkenzeller

Konservative und Sozialisten liegen kurz vor der Wahlentscheidung nahezu gleichauf. Vielen Portugiesen ist das egal – sie gehen lieber ins Fußballstadion.

Für Ricardo Silva sind die schlechten Zeiten vorbei. Der Sportwagenverkäufer zeigt ein Video, in dem ein Herrenschneider im roten Ferrari durch Lissabon braust und seiner betuchten Kundschaft Maßanzüge vorbeibringt. „Natürlich gibt es Portugiesen, die sich so einen Wagen leisten können“, sagt Silva.

Wie zum Beweis liefert der Automobilverband ACAP die passenden Zahlen hinterher: Nicht nur der Markt für edle Autos erlebt einen Aufschwung. Über alle Klassen hinweg sind die Autoverkäufe in Europas westlichstem Land in diesem Jahr um fast 30 Prozent gestiegen – und die dazugehörigen Verbraucherkredite gleich mit. Viele Portugiesen schöpfen wieder Zuversicht, seit das Land nicht mehr auf das Rettungspaket der EU, der Europäischen Zentralbank (EZB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) angewiesen ist und an den Märkten wieder Kredite bekommt.

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Regierungschef Pedro Passos Coelho, sollte man meinen, könnte der Parlamentswahl am kommenden Sonntag also gelassen entgegensehen. Doch dem ist nicht so. Im Gegenteil. Viele Wähler sind unzufrieden. Die Portugiesen regen sich vor allem über die in der Krise enorm gestiegene Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich auf – und lasten dies der bürgerlich-konservativen Regierung an.

So benehmen Sie sich in Portugal richtig

  • Anrede

    Titel haben hohen Rang. Ein Ingenieur will mit „Herr Ingenieur“ angesprochen werden. Das Gleiche gilt für den Doktor. Solche Grade stehen natürlich auch auf Visitenkarten. Geduzt wird übrigens erst, wenn Bruderschaft getrunken wurde. Bis dahin bleibt es beim „Sie“.

  • Begrüßung

    Anders als in Spanien werden in Portugal keine Wangenküsschen gegeben. Der Handschlag reicht.

  • Einladung

    Seien Sie nicht verwundert, wenn Ihr Geschäftspartner Sie beim dritten Besuch nach Hause einlädt. Die Portugiesen sind stolz auf ihr Heim und teilen diese Privatsphäre gerne mit Geschäftsfreunden. Die Einladung anzunehmen ist Pflicht.

  • Essen

    Lange Geschäftsessen sind nicht üblich. Auch wird früher und schneller zu Mittag gegessen als in Spanien: 13.30 Uhr ist die übliche Zeit.

  • Jackett

    Im Restaurant sollte der Mann nie das Jackett ausziehen, ohne vorher die anderen zu fragen – auch nicht im Sommer!

  • Kleidung

    Mit pinken oder gelben Hemden wie in Spanien machen Sie sich in Portugal lächerlich. Die dominanten Farben bei Anzügen sind Grau, Blau und Schwarz, bei Hemden Hellblau und Weiß. Für Frauen gilt dasselbe. Im Business trägt sie entweder Kostüme oder Hosenanzüge.

  • Konversation

    Denken Sie nie, Portugal sei wie Spanien! Im Gespräch sollten Sie klarmachen, dass Sie verstanden haben, dass die portugiesische Kultur eine völlig andere ist, sonst sind die Portugiesen beleidigt.

  • Kritik

    Portugiesen sind sehr selbstkritisch, mögen aber nicht, wenn Ausländer sie kritisieren. Deswegen: Vorsicht mit negativen Äußerungen über Land und Leute!

  • Sprache

    Auch wenn Sie Spanisch können: Reden Sie mit Portugiesen Englisch. Nicht wenige hegen Argwohn gegen den wirtschaftlich stärkeren Nachbarn.

  • Stimme

    Reden Sie nie laut! Das gilt als sehr unhöflich und wenig diskret.

Umfragen zufolge wird sich aber weder das rechte noch das linke Lager im Parlament auf eine Mehrheit stützen können – obwohl die Partido Social Democrata (PSD) des Ministerpräsidenten und der kleinere Koalitionspartner, die Partido Popular (PP), mit einer Einheitsliste antreten. Eine große Koalition mit der Partido Socialista (PS) unter ihrem Spitzenkandidaten António Costa gilt als ausgeschlossen. So steuert das Land in eine ungewisse Zukunft, obwohl es auch nach den Wahlen eine handlungsfähige Regierung braucht.

Zwar haben die Portugiesen mit der ihnen eigenen Geduld Steuererhöhungen, Kürzungen der Sozialbudgets und Einkommen sowie Einschränkungen des Kündigungsschutzes ertragen, und viele Textil- und Schuhhersteller haben sich durch Innovationen und Spezialisierung neue Exportmärkte erschlossen. Doch über den Berg ist das Land noch lange nicht.

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